Manchmal entstehen Karrieren an den ungewöhnlichsten Orten. In LA RIFFA ist es ausgerechnet eine höchst fragwürdige Idee, die den Ausgangspunkt bildet – und gleichzeitig das Leinwanddebüt von Monica Bellucci markiert. Ein Film, der irgendwo zwischen Erotik, Komödie und Gesellschaftssatire pendelt – und genau daraus seinen eigentümlichen Reiz zieht.
.INHALT.
Nach dem Tod ihres untreuen Ehemanns steht die wunderschöne Francesca (Monica Bellucci) plötzlich vor einem Schuldenberg. Um diesen begleichen zu können, veranstaltet sie eine Lotterie. Der Gewinn ist sie selbst. Die teuren Lose finden reißenden Absatz. Doch als ein neuer Lover in Francescas Leben tritt, wird es kompliziert und aus dem Segen wird plötzlich ein Fluch.
.KRITIK.
Mit LA RIFFA inszeniert Francesco Laudadio eine Geschichte, die heute vermutlich anders erzählt werden würde – oder vielleicht gar nicht mehr. Im Zentrum steht Francesca, eine junge Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes mit finanziellen Problemen kämpft. Die Lösung, die sich ihr bietet, ist ebenso simpel wie provokant: eine Verlosung, bei der der „Gewinn“ sie selbst ist.
Was nach einem reinen Skandalstoff klingt, wird vom Film mit einer erstaunlich leichten, fast schon spielerischen Tonlage erzählt. La Riffa bewegt sich dabei konstant auf einem schmalen Grat. Einerseits bedient er ganz klar voyeuristische Erwartungen – das Interesse der Männer im Dorf, die Objektifizierung der Hauptfigur, die Inszenierung von Körper und Begehren. Andererseits schwingt immer auch ein ironischer Unterton mit, der diese Dynamik zumindest ansatzweise kommentiert.
Gerade diese Ambivalenz macht den Film interessant, aber auch schwer greifbar. Ist das eine Satire auf männliche Begierde und dörfliche Moralvorstellungen? Oder doch eher ein Film, der genau diese Mechanismen nutzt, ohne sie wirklich zu hinterfragen? Die Antwort liegt irgendwo dazwischen. La Riffa wirkt oft so, als würde er beides gleichzeitig wollen – und sich nie ganz entscheiden. Dennoch genießt der Film durch seine „Unentschlossenheit“ und einer unfassbar umwerfenden Monica Bellucci bei Kennern durchaus Kultstatus.
Und wo wir gerade beim Thema Monica Bellucci sind: Auch wenn dies ihr erster Auftritt auf der großen Leinwand ist, bringt sie bereits eine Präsenz mit, die alles andere in den Schatten stellt. Ihre Francesca ist keine passive Figur, auch wenn das Drehbuch sie oft in genau diese Position drängt. Sie spielt mit Blicken, mit Zurückhaltung und mit einer Form von Selbstbewusstsein, das immer wieder durchscheint. Gerade im Rückblick bekommt der Film dadurch eine zusätzliche Ebene: Man sieht hier nicht nur eine Rolle, sondern den Beginn einer erfolgreichen Karriere.
Die Inszenierung ist dagegen ein geduldiger und ruhiger Mitspieler. Schöne Bilder, gemäßigtes Tempo und kaum wirkliche Aufregung spielen hier Monica Bellucci und dem gesamten Film in die Karten. Sicherlich hätte der Film auch mehr Tiefgang vertragen können, aber für das was er ist und aus filmgeschichtlicher Sicht, gehört er zu dem wohl wichtigsten Eintrag von Belluccis Karriere.



.FAZIT.
Als frühes Zeitdokument und vor allem als Startpunkt für Monica Belluccis Karriere besitzt La Riffa einen besonderen Reiz. Es ist kein Film, der sich leicht einordnen lässt. Er schwankt zwischen Erotik, Komödie und leiser Gesellschaftskritik, ohne eine dieser Richtungen konsequent auszuspielen. Gerade dadurch bleibt er interessant – wenn auch nicht immer ganz überzeugend.
| Originaltitel | La riffa |
| Produktionsland/-jahr | Italien 1991 |
| Laufzeit | 89 min |
| Genre | Drama, Romanze, Komödie |
| Regie | Francesco Laudadio |
| Drehbuch | Francesco Laudadio |
| Kamera | Cristiano Pogany |
| Kino | – |
| Home Entertainment | 19. März 2026 |
| Verleih/Vertrieb | Busch Media Group |

