Ein Sci-Fi-Thriller, der visuell überrascht, dramaturgisch nicht immer festen Boden unter den Füßen hat – und gerade deshalb durch seinen Hauptdarsteller Alexander Kuznetsov (u.a. „Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse“, „Head of State“) und seine Ambitionen durchaus überzeugt. Mit FREE FALL zeigt der russische Film was möglich ist und was nicht.
.INHALT.
Als Astronaut Max (Alexander Kuznetsov) nach einer Forschungsmission auf seine Raumstation zurückkehren will, wird diese von einem Protonensturm getroffen und fast vollständig zerstört. Nun driftet Max in seinem beschädigten Raumanzug hilflos durchs All. Der einzige Kontakt ist Bot Anna (Anna Chipovskaya), die ihn in Sicherheit lotsen soll, bevor es für Max zu spät ist.
.KRITIK.
In den aktuell politisch schweren Zeiten und der sich daraus resultierenden „Isolation“ merkt man vor allem dem russischen Kino eine gewisse Not an. Internationale Produktionen aus Hollywood haben sich vom Markt zurückgezogen und die hiesigen Filmemacher müssen daher kreativ und einfallsreich vorgehen. In den letzten Jahrzehnten hat der russische Film dadurch eine nicht immer glückliche, aber im Gesamten eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht. Positiv im Gedächtnis sind mir dabei vor allem Why don’t you just die!, Sputnik oder Coma geblieben. Zwischen viel Handgemachten, sind es vor allem die Entwicklungen im CGI-Bereich, die sich nicht verstecken müssen. Und in diese Kerbe schlägt auch FREE FALL:
Mit Free Fall versucht sich das russische Kino an einem modernen Sci-Fi-Thriller, der klar international denkt – und dabei öfter ein gewisses erstaunen bei uns hervorruft, als man zunächst erwartet. Besonders im Gedächtnis bleibt dabei Alexander Kuznetsov, der längst kein unbeschriebenes Blatt mehr ist: Spätestens seit seinen Auftritten in Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse und der Amazon-Produktion Head of State ist er auch außerhalb Russlands vielen ein Begriff.
Kuznetsov trägt den Film mit einer Mischung aus physischer Präsenz und emotionaler Erdung. Gerade in einem Genre, das schnell von Effekten dominiert wird, sorgt er dafür, dass Free Fall nie komplett den menschlichen Kern verliert. Seine Performance gibt dem Film Gewicht, selbst wenn das Drehbuch gelegentlich ins Straucheln gerät. Dieser Eindruck bestätigt sich – denn wo die Story manchmal etwas konstruiert wirkt, fängt Kuznetsov sie mit glaubwürdiger Intensität wieder auf.
Visuell hingegen überrascht der Film durchweg positiv. Die CGI-Effekte sind für eine Produktion dieser Größenordnung bemerkenswert sauber umgesetzt (da haben wir gerade bei Marvel-Filmen in den letzten Jahren eher Discounter-Qualität erlebt). Besonders die Szenen in Schwerelosigkeit und das Spiel mit Raum und Perspektive wirken gut durchdacht und atmosphärisch dicht. Free Fall sieht oft besser aus, als er geschrieben ist.
Die Schwächen liegen vor allem im erzählerischen Bereich. Die Handlung greift bekannte Genre-Versatzstücke auf und kombiniert sie nicht immer elegant. Figurenentwicklungen wirken stellenweise verkürzt, und einige Wendungen sind vorhersehbar. Doch interessanterweise verlieren diese Kritikpunkte etwas an Schärfe, weil der Film sie mit Tempo, visueller Energie und einem engagierten Cast rund um Alexander Kuznetsov kaschiert. Anders gesagt: Die Schwächen sind da – aber sie bremsen das Erlebnis weniger, als man es vermuten würde. Dabei sind die ca. 81 Minuten Spieldauer irgendwie förderlich, aber auch schlecht für einen Film in dieser Größenordnung.
Aber gerade diese Mischung macht den Film aus. Er ist kein makelloser Genrebeitrag, aber ein ambitionierter, der sich sichtbar Mühe gibt, internationales Niveau zu erreichen – und es in Teilen auch erreicht. Dass er dabei nicht immer narrativ mithalten kann, wird durch seine Stärken in Darstellung und Inszenierung abgefedert.



.FAZIT.
Free Fall ist ein visuell beeindruckender Sci-Fi-Thriller mit einem starken Alexander Kuznetsov, der seine erzählerischen Schwächen nicht ganz verbergen kann – aber geschickt ausbalanciert.
| Originaltitel | Svobodnoe padenie |
| Produktionsland/-jahr | Russland 2025 |
| Laufzeit | 81 min |
| Genre | Science-Fiction, Thriller |
| Regie | Oleg Urazaykin |
| Drehbuch | Alexey Medvedev, Vladimir Stolbenko, Oleg Urazaykin |
| Kamera | Fedor Lyass |
| Kino | – |
| Home Entertainment | 26. März 2026 |
| Verleih/Vertrieb | Busch Media Group |

