THE BIRTH OF KITARO: DAS GEHEIMNIS VON GEGEGE | Tradition, Trauma und eine unerwartet düstere Rückkehr zu den Wurzeln

Yokai gehören in Japan zum kulturellen Alltag wie Geistergeschichten bei uns – nur oft greifbarer, verspielter, manchmal auch unheimlicher. Mit THE BIRTH OF KITARO: DAS GEHEIMNIS VON GEGEGE kehrt eine der bekanntesten Figuren dieser Welt zurück, allerdings nicht so, wie man sie vielleicht in Erinnerung hat. Der Film blickt zurück – und wird dabei überraschend ernst.

.INHALT.

Im Jahr 1956 reist Mizuki (dt. Stimme: René Oltmanns), ein Angestellter der kaiserlichen Blutbank, in ein abgelegenes Dorf, wo ein Konflikt um die Nachfolge innerhalb eines Pharma-Unternehmens tobt. Mizuki soll nicht nur die Ergebnisse der Testamentsvorlesung aus erster Hand in Erfahrung bringen, sondern auch Informationen über ein geheimes Serum sammeln, welches den Ruhm und den Erfolg der Ryuuga-Familie begründet, die das Pharma-Unternehmen leitet. Doch in dem Ort geht es nicht mit rechten Dingen zu. Mizuki wird mit mysteriösen Todesfällen, dunklen Geheimnissen und einem gespenstischen Fremden namens Gegero (dt. Stimme: Maximilian Laprell) konfrontiert, der auf der Suche nach seiner verschwundenen Frau ist.

©️ polyband Medien

.KRITIK.

Um THE BIRTH OF KITARO: DAS GEHEIMNIS VON GEGEGE einordnen zu können, hilft ein kurzer Blick zurück. Die Figur Kitaro stammt aus der Feder von Shigeru Mizuki, dessen Reihe GeGeGe no Kitaro seit den 1960er-Jahren die japanische Popkultur geprägt hat. Kitaro selbst ist ein Yokai – also ein Wesen zwischen Mensch und Geist – und fungiert in vielen Geschichten als Vermittler zwischen den Welten. Meist mit einem gewissen Augenzwinkern, oft episodisch, manchmal fast kindlich.

Gerade deshalb wirkt dieser Film zunächst wie ein kleiner Bruch. Statt bunter Episoden setzt er auf eine durchgehende Geschichte, die sich stärker an Mystery- und Thriller-Elementen orientiert. Es geht um Herkunft, um alte Geheimnisse und um eine Vergangenheit, die nicht einfach ruhen will. Der Ton ist dabei deutlich ernster, stellenweise fast düster – ein Ansatz, der dem Stoff überraschend gut steht und in mir – der mit Mizukis Arbeit und seiner Figur Kitaro vorher so gut wie keine Berührungspunkte hatte – eine gewisse Neugier und Interesse weckt. Mein Fokus lag ganz klar auf den beiden Hauptfiguren: Mizuki und Gegero. Deren Entwicklung, Dynamik und Aura überragen hier alles. Nebenfiguren bleiben dabei recht blass, bringen aber dennoch eine gewisse Würze mit

Visuell bleibt der Film dennoch klar im Anime verankert: Die Designs der Yokai behalten ihren leicht skurrilen, manchmal sogar charmanten Charakter, während Hintergründe und Lichtstimmungen oft eine deutlich bedrückendere Atmosphäre erzeugen. Diese Mischung funktioniert erstaunlich gut: Das Fantastische wirkt nie losgelöst, sondern ist fest in einer Welt verankert, die sich greifbar anfühlt.

Was The Birth of Kitaro besonders auszeichnet, ist seine Geduld im Erzählen, denn er nimmt sich Zeit, seine Figuren einzuführen und Beziehungen aufzubauen, bevor er seine zentralen Konflikte wirklich entfaltet. Gerade in der ersten Hälfte wirkt das Tempo dadurch etwas zurückhaltend, zahlt sich aber im weiteren Verlauf aus, wenn sich die einzelnen Fäden zusammenziehen. Zum Ende hin wirkt aber alles ein bisschen beengt und man wünscht sich dann doch etwas mehr Raum, um alle Entwicklungen und Entscheidung in Gänze zu verstehen und auszuspielen.

Inhaltlich greift der Film Themen auf, die über das klassische Yokai-Abenteuer hinausgehen. Es geht um familiäre Verstrickungen, um Schuld und Verantwortung – und darum, wie weit die Vergangenheit in die Gegenwart hineinreicht. Dieser Umstand hätte durchaus für Überforderung sorgen können, doch die Inszenierung federt das sehr gut ab. Der Film bleibt zugänglich, ohne seine ernsteren Töne zu verwässern.

.FAZIT.

Für jemanden, der vorher kaum in dieser Materie steckte, hat mich The Birth of Kitaro: Das Geheimnis von Gegege erstaunlich gut an die Hand genommen. Der Film ist kein klassischer Einstieg, sondern eher eine bewusste Neuverortung der Figur. Wer die Reihe kennt, bekommt eine ungewohnt ernste Perspektive. Wer neu dazukommt, erhält einen atmosphärisch dichten Zugang zu dieser Welt. Auch wenn nicht alles rund ist, sorgt die Mischung aus Mythos, Mystery und Charakterdrama für gute Unterhaltung.



OriginaltitelKitarô Tanjô: Gegege no Nazo
Produktionsland/-jahrJapan 2023
Laufzeit104 min
GenreAnime, Horror, Action
RegieGô Koga
DrehbuchHiroyuki Yoshino, Shigeru Mizuki (Manga)
KameraTomoyuki Ishiyama
Kino18. November 2025 (limitierter Kinostart)
Home Entertainment20. Februar 2026
Verleih/Vertriebpolyband Medien

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