Im England des späten 16. Jahrhunderts ist das Leben geprägt von Arbeit, Glauben, Natur und einer ständigen Nähe zur Vergänglichkeit. In diesem Umfeld erzählt Regisseurin Chloé Zhao mit HAMNET die Geschichte einer Familie im Umfeld von William Shakespeare, das weniger auf den berühmten Dichter eingeht, sondern vielmehr die Perspektive seiner Frau und dem Verlust ihres Sohnes, der zur Inspiration eines der wohl bekanntesten Werke der Literaturgeschichte wird.
.INHALT.
Der mittellose Lateinlehrer William Shakespeare (Paul Mescal) lernt im England des 16. Jahrhunderts Agnes (Jessie Buckley) kennen, eine junge Frau mit freiem Geist. Sie beginnen eine leidenschaftliche Affäre, bevor sie heiraten und drei Kinder bekommen. Während Will sein Glück als Dramatiker in London versucht, übernimmt Agnes allein die Hausarbeit. Als ihr Sohn Hamnet (Jacobi Jupe) stirbt, gerät das einst tief verbundene Paar ins Wanken. Aber aus ihrer gemeinsamen Prüfung entsteht die Inspiration für das universelle Meisterwerk „Hamlet“.
.KRITIK.
Der Tod eines Kindes ist kein Ereignis, das sich wirklich erzählen lässt – doch Regisseurin Chloé Zhao nimmt diesen schrecklichen Ansatz und erzählt mit HAMNET eine Geschichte im Schatten des großen William Shakespeare. Der Film bleibt nah an diesem Verlust, ohne ihn auszuerklären oder dramatisch auszuschmücken. Statt großer Gesten zeigt er, wie sich Trauer langsam in den Alltag einschreibt und alles verändert.
Im Zentrum steht Agnes, die Ehefrau von William Shakespeare, deren Perspektive den Film prägt. Während Shakespeare selbst eher am Rand bleibt, richtet sich der Blick konsequent auf das familiäre Leben im England des späten 16. Jahrhunderts. Diese Zeit wirkt hier nicht romantisiert: Krankheit, Aberglaube und die ständige Nähe zum Tod sind allgegenwärtig.
Der Film nimmt sich viel Zeit für Stimmungen und Details. Räume, Natur und Körper wirken fast greifbar, als würde man diese Welt nicht nur sehen, sondern spüren. Gerade dadurch bekommt der zentrale Verlust eine besondere Wucht. Wenn der Film ruhig wird – und das wird er oft –, entsteht eine Intensität, die ohne große Worte auskommt.
Dabei verzichtet Hamnet bewusst auf klare Verbindungen zu Shakespeares Werk, deutet sie aber immer wieder an. Besonders im Hintergrund schwingt Hamlet mit, ohne dass der Film daraus eine einfache Erklärung macht. Es geht weniger um Herkunft eines Textes als um die Frage, wie Erfahrungen sich in Kunst verwandeln können.
Getragen wird das Ganze vor allem durch die Darstellung von Agnes, die nie überhöht wirkt. Ihre Trauer bleibt widersprüchlich, schwer greifbar, manchmal fast distanziert – und gerade deshalb glaubwürdig. Der Film verlangt Geduld, aber er belohnt sie mit Momenten, die lange nachwirken.



.FAZIT.
Hamnet ist ein ruhiger, intensiver Film über Verlust und Erinnerung, der bewusst auf große Effekte verzichtet. Stattdessen setzt er auf Atmosphäre, starke Bilder und eine Perspektive, die selten im Mittelpunkt steht. Nicht alles ist zugänglich, aber vieles bleibt hängen.
| Originaltitel | Hamnet |
| Produktionsland/-jahr | Vreinigtes Königreich, USA 2025 |
| Laufzeit | 125 min |
| Genre | Drama |
| Regie | Chloé Zhao |
| Drehbuch | Chloé Zhao, Maggie O’Farrell (Buch) |
| Kamera | Łukasz Żal |
| Kino | 22. Januar 2026 |
| Home Entertainment | 23. April 2026 |
| Verleih/Vertrieb | PLAION Pictures |

