In PRIMATE entwickelt sich der tropische Urlaub einer Freundesgruppe in eine erschütternde Horrorgeschichte und wird zu einem puren Überlebenskampf.
.INHALT.
Das erste Jahr am College ist geschafft! Lucy (Johnny Sequoyah) fährt deshalb zurück in die Heimat, um dort ihre Familie zu besuchen. Doch Entspannung und Harmonie sind Worte, die schnell kürzer treten müssen. Denn zu Lucys Familie gehört auch der Schimpanse Ben (Miguel Torres Umba). Und Ben hat sich mit dummerweise Tollwut infiziert. Aus dem eigentlich harmlosen Menschenaffen wird so schnell ein blutrünstiges Biest, das es auf Lucy, ihre Familie und ihre beste Freundin Hannah (Jessica Alexander) abgesehen hat. Alle springen in den Pool, weil sie glauben, dass Ben nicht schwimmen kann und sie dort sicher sind. Aber weit gefehlt…
.KRITIK.
PRIMATE ist definitiv nicht die Sonntagnachmittagsdoku auf einem Spartensender. Primate ist ein fast schon ungezügelter Instinkt, der nicht immer gleichermaßen zum Ausdruck kommt. Erzählerisch präsentiert sich der Film extrem reduziert. Die Ausgangsidee ist simpel – ein Ort, eine Gruppe, ein außer Kontrolle geratenes Tier – und genau daraus zieht der Film seine Energie. Kein großes Worldbuilding, keine komplizierten Nebenhandlungen, sondern ein klares Setup, das direkt auf Spannung und Eskalation ausgerichtet ist.
Regisseur Johannes Roberts bleibt dabei nah an dem, was er schon in früheren Genrearbeiten gezeigt hat: ein starkes Gefühl für räumliche Enge und unmittelbare Bedrohung. Genau diese Einfachheit ist gleichzeitig Stärke und Schwäche. Der Film baut schnell Spannung auf und hält sie über weite Strecken stabil, arbeitet viel über unmittelbare Reaktionen und körperliche Gefahr. Wenn Primate funktioniert, dann genau in diesen Momenten: wenn die Situation kippt und der Film nicht lange erklärt, sondern direkt in die Eskalation übergeht.
Gleichzeitig wird auch deutlich, wo die Grenzen liegen. Die Figuren bleiben eher funktional als wirklich ausgearbeitet, und nicht jede Szene trägt gleich stark zur Dynamik bei. Das erinnert stellenweise stark an ein B-Movie auf TELE 5, das bewusst auf Komplexität verzichtet – zugunsten von Tempo und Kills.
Trotzdem ist der Film erstaunlich konsequent in dem, was er sein will. Besonders positiv ist der Ton zwischen klassischem Creature-Horror und moderner Inszenierung: viel Bewegung, viel körperliche Energie, dazu eine klare Orientierung an Spannung statt Atmosphäre allein. Auch das Publikum scheint genau darauf zu reagieren – eher als kurzweiliges, intensives Genre-Erlebnis als als tiefes Drama.
Was mir beim Schauen hängen geblieben ist: Primate versucht gar nicht, mehr zu sein, als er ist. Und genau dadurch entsteht eine gewisse Ehrlichkeit. Der Film funktioniert am besten, wenn man ihn als direkten, schnellen Horror nimmt – ohne den Anspruch, alles psychologisch auszuleuchten.



.FAZIT.
Primate ist ein klar strukturierter, bewusst einfacher Horrorfilm, der seine Stärke aus Tempo, Nähe und konsequenter Eskalation zieht. Nicht jede Figur ist ausgearbeitet, nicht jede Passage ergibt Sinn – aber als kompakter Genre-Trip für einen cozy Filmabend funktioniert der Streifen überraschend gut.
| Originaltitel | Primate |
| Produktionsland/-jahr | USA, Vereinigtes Königreich, Australien, Kanada 2025 |
| Laufzeit | 92 min |
| Genre | Horror |
| Regie | Johannes Roberts |
| Drehbuch | Johannes Roberts, Ernest Riera |
| Kamera | Stephen Murphy |
| Kino | 29. Januar 2026 |
| Home Entertainment | 8. Mai 2026 |
| Verleih/Vertrieb | Paramount Home Entertainment/LEONINE Studios |

