Nach der bissig-humorvollen und bitterbösen Genre-Überraschung „Ready or not“ hat man Grace sofort ins Herz geschlossen. READY OR NOT 2: HERE I COME lässt daher seiner Hauptfigur wenig Zeit zum Durchatmen und startet deshalb mit vertrauter Energie, aber einem spürbar anderen Fokus: weniger Überraschung, mehr Variation des Bekannten. Doch hat man eine zweiten Teil wirklich gebraucht?
.INHALT.
Nur Momente nach dem brutalen Angriff der Familie Le Domas erkennt Grace (Samara Weaving), dass ihr Überleben sie in die nächste Stufe des albtraumhaften Spiels katapultiert hat – diesmal jedoch mit ihrer entfremdeten Schwester Faith (Kathryn Newton) an ihrer Seite. Grace hat nur eine Chance: selbst zu überleben, ihre Schwester zu beschützen und den Hohen Rat zu stürzen, der im Verborgenen die Geschicke der Welt lenkt. Vier rivalisierende Familien jagen sie gnadenlos, um den Thron zu erobern. Und am Ende gilt: wer gewinnt, kontrolliert alles.
.KRITIK.
READY OR NOT 2: HERE I COME macht keinen Hehl daraus, dass es auf dem Fundament des ersten Films aufbaut. Die Grundidee – ein tödliches Spiel, das eskaliert – funktioniert weiterhin, und die Fortsetzung findet genug neue Ansätze, um nicht wie eine reine Wiederholung zu wirken (auch wenn das einige anders sehen). Besonders die Art, wie das Spiel diesmal erweitert wird, sorgt für viele kurzweilige Momente, die Fans des Originals abholen, ohne sich komplett auf Nostalgie zu verlassen. Wenngleich der Tenor mit „Hoher Rat“, „Überlebenskampf“ und „Kopfgeld“ mich in manchen Zügen sehr stark an die John Wick-Reihe erinnert.
Samara Weaving bleibt das Herz des Films. Ihre Mischung aus Trotz, Galgenhumor und Überlebensinstinkt trägt erneut viele Szenen, auch wenn die Fortsetzung ihr weniger ikonische Momente bietet als der Vorgänger. Die neuen Figuren bringen frische Dynamik, doch nicht alle funktionieren gleich gut: Manche wirken eher wie funktionale Spielsteine, die das Chaos am Laufen halten sollen, statt echte Charaktere zu sein. Das ist nicht fatal, aber spürbar. Vor allem Kathryn Newton wirkt hier irgendwie deplatziert und manchmal auch nervig.
Inszenatorisch bleibt der Film solide. Das Tempo stimmt, die Action ist handwerklich sauber, und der Humor trifft oft ins Schwarze, um die Geschichte zu tragen. Gleichzeitig merkt man, dass die Fortsetzung weniger scharfkantig ist: Die Satire ist nicht mehr ganz so bissig, die Überraschungen sind vorhersehbarer und manche Gags wiederholen sich. Der Film ist unterhaltsam, aber nicht mehr so frech wie der erste Teil.



.FAZIT.
Ready or Not 2 liefert genau das, was man von einer Fortsetzung dieses Formats erwarten kann. Er ist laut, blutig, schnell und hat Spaß daran, seine Figuren durch ein absurdes Spiel zu jagen. Er erreicht nicht die kreative Wucht des Originals, aber bereuen, dass ich ihn gesehen habe, würde ich jetzt auch nicht sagen. Am Ende kann man darüber streiten, ob man diesen Film nun gebraucht hätte. Aber dies ist ja so oder so immer eine beliebte Debatte bei erfolgreichen Vorgängern.
| Originaltitel | Ready or Not: Here I Come |
| Produktionsland/-jahr | USA, Kanada 2026 |
| Laufzeit | 108 min |
| Genre | Action, Horror, Komödie |
| Regie | Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett |
| Drehbuch | Guy Busick, R. Christopher Murphy |
| Kamera | Brett Jutkiewicz |
| Kino | 9. April 2026 |
| Home Entertainment/Streaming | 3. Juli 2026 |
| Verleih | LEONINE Studios |

