HOWARD THE DUCK – EIN TIERISCHER HELD | Ein kultiger Fiebertraum aus dem Multiversum

Bevor die Avengers so richtig und erfolgreich auf der Bildfläche erschienen, schickte ein weltbekannter, aber chaotischer Comicbuch-Verlag in Zusammenarbeit mit George Lucas eine Ente ins Rennen, um die Welt zu retten. HOWARD THE DUCK ist kein Film, den man nüchtern analysiert – er ist ein Zeitkapsel; ein Beweis dafür, wie frei und furchtlos das Kino damals war. Für mich einer der wertvollsten Filmbeiträge der 80er-Jahre. Und entweder man liebt ihn oder man hasst ihn.

.INHALT.

Der anthropomorphe Erpel Howard (u.a. Ed Gale/Stimme: Chip Zien) lebt ein langweiliges Durchschnittsleben auf dem Planeten Duckworld – bis er eines Abends unversehens mitsamt seinem Fernsehsessel in den Weltraum katapultiert und auf der Erde wieder abgeworfen wird. Genauer gesagt: in Cleveland, Ohio, wo er als Hausmeister in einem Bordell jobbt, eine Affäre mit der erfolglosen Sängerin Beverly (Lea Thompson) anfängt – und schließlich ins Kreuzfeuer einer geplanten Invasion bösartiger Aliens gerät.

©️ PLAION Pictures

.KRITIK.

HOWARD THE DUCK ist einer dieser Filme, die man nicht rational bewertet, sondern emotional. Ein 80er‑Unikat, das mit einer Selbstverständlichkeit durch seine eigene Absurdität marschiert, dass man sich ihm kaum entziehen kann. Marvel war damals noch ein chaotischer Comicverlag ohne Masterplan, und genau deshalb konnte ein sprechender, zynischer Erpel aus einer anderen Dimension überhaupt auf die Leinwand gelangen. Und das Ergebnis? Ein Film, der heute mehr Persönlichkeit hat als viele glattgebügelte Blockbuster. 1986 ein kommerzielles Fiasko, genießt er heute absoluten Kultstatus.

Howard ist keine Randfigur. In den Comics war er immer ein Sonderfall: ein satirischer, philosophischer, oft politischer Antiheld, der die Absurditäten des Marvel‑Universums kommentierte, statt sie einfach zu bedienen. Er ist ein Außenseiter, der weiß, dass die Welt verrückt ist – und der sich weigert, sich ihr anzupassen. Genau diese Haltung macht ihn bis heute so kultig.

Der Film selbst fängt diesen Geist auf eine wunderbar chaotische Weise ein. Howard ist kein CGI‑Gag, sondern ein handgemachtes Animatronic‑Wesen, das mit echter 80er‑Haptik durch die Szenen stolpert. Das wirkt manchmal unbeholfen, manchmal schräg – aber immer charmant. Lea Thompson spielt das Ganze mit einer Hingabe, die man nur respektieren kann: Sie begegnet Howard nicht als Witzfigur, sondern als legitime Hauptfigur. Und das ist der Moment, in dem der Film funktioniert.

Erzählerisch ist Howard the Duck ein Fiebertraum. Sci‑Fi‑Elemente, Slapstick, Rockmusik, Monsteraction, ein bisschen Erotik, ein bisschen Comic‑Chaos – alles prallt aufeinander, ohne Rücksicht auf Verluste. Hier will vieles nicht zusammenpassen. Mich überkam auch manchmal ein gewisses Gefühl des Fremdschams. Aber genau das macht den Film heute so wertvoll: Er ist ein Zeitdokument aus einer Ära, in der Marvel noch experimentierte, riskierte und auf die Fresse fiel. Ein Marvel‑Film, der nicht nach Formel funktioniert, sondern nach Bauchgefühl.

.FAZIT.

Howard the Duck ist und bleibt (für mich) ein einzigartiges Stück 80er‑Popkultur, das sich mit nichts vergleichen lässt. Der Film ist wild, schräg und voller Entscheidungen, die heute niemals durch ein Studio‑Meeting kämen – und genau das macht ihn so charmant. Howard selbst ist ein Kultcharakter, der mit seiner handgemachten Haptik und seinem trockenen Humor bis heute heraussticht. Trotz erzählerischer Chaosmomente und mancher unfreiwilliger Komik sowie einem Hauch Fremdscham bleibt der Film ein Erlebnis.



OriginaltitelHoward the Duck
Produktionsland/-jahrUSA 1986
Laufzeit110 min
GenreAction, Horror, Komödie
RegieWillard Huyck
DrehbuchWillard Huyck, Gloria Katz
KameraRichard H. Kline
Kino18. September 1986
Home Entertainment/Streaming18. März 2004
VerleihPLAION Pictures

Kommentar verfassen