DER WUNDERWELTENBAUM | Ein märchenhaftes Abenteuer mit Ecken und Kanten


Die Fantasy-Geschichte DER WUNDERWELTENBAUM basiert auf der gleichnamigen Buchreihe von Enid Blyton, deren erster Band bereits 1939 erschien. Für die Verfilmung wurde der Stoff allerdings deutlich modernisiert und in die Gegenwart versetzt. Statt einer nostalgischen Reise in Blytons ursprüngliche Welt erwartet das Publikum ein modernes Familienabenteuer über Smartphones, Fantasie und die Frage, was Kindern eigentlich verloren geht, wenn die digitale Welt zu viel Raum einnimmt.

.INHALT.

Beth (Delilah Bennett-Cardy), Joe (Phoenix Laroche) und Frannie (Billie Gadsdon) ziehen aufs Land und stoßen dort auf einen gewaltigen magischen Baum, dessen Spitze immer wieder neue fantastische Welten erscheinen lässt. Gemeinsam mit ungewöhnlichen Bewohnern wie Moonface (Nonso Anozie) und Silky (Nicola Coughlan) reisen sie in wechselnde Reiche voller Wunder, Gefahren und Überraschungen. Jede dieser Reisen stellt die Kinder vor neue Herausforderungen und stärkt den Zusammenhalt unter den Freunden.

©️ LEONINE Studios

.KRITIK.

Polly (Claire Foy) arbeitet als Ingenieurin, während ihr Mann Tim (Andrew Garfield) sich um die drei Kinder Beth, Joe und Fran kümmert. Die Familie steckt allerdings in einer schwierigen Phase: Die Kinder hängen ständig an Smartphones, Computerspielen und sozialen Medien, während Tim zunehmend den Zugang zu ihnen verliert. Als Polly ihren Job kündigt und die Familie aus ihrer bisherigen Wohnung ausziehen muss, beschließt Tim, aufs Land zu ziehen.

Die Begeisterung hält sich dort allerdings in Grenzen. Ohne Internet und andere digitale Ablenkungen wissen die Kinder zunächst wenig mit ihrer neuen Umgebung anzufangen. Nur die jüngste Tochter Fran zeigt sich neugierig und erkundet den nahegelegenen Wald. Dort entdeckt sie schließlich den titelgebenden Wunderweltenbaum – und damit eine magische Welt, die deutlich mehr zu bieten hat als das Landleben.

Gerade hier entwickelt der Film seine größten Stärken. Der Wunderweltenbaum und die verschiedenen Welten, die sich über ihn erreichen lassen, sind liebevoll gestaltet und versprühen jede Menge kindliche Fantasie. Skurrile Figuren wie das Mondgesicht, die Fee Seidenhaar oder der Pfannenmann sorgen für einen angenehm verspielten Ton. Auch die Kostüme gehören zu den Highlights und machen die märchenhafte Welt zu einem echten Hingucker.

Dabei gelingt es dem Film durchaus, seine moderne Botschaft mit dem klassischen Fantasy-Abenteuer zu verbinden. Die Kinder müssen lernen, ihre Umgebung wieder mit offenen Augen wahrzunehmen, während gleichzeitig die Eltern erkennen müssen, dass auch Erwachsene ihre Fantasie nicht verlieren sollten. Das ist zwar stellenweise etwas deutlich formuliert, funktioniert als Grundidee aber gut.

Weniger überzeugend ist dagegen die Erzählstruktur. DER WUNDERWELTENBAUM nimmt sich viel Zeit, um seine magische Welt aufzubauen, während die Geschichte rund um die Familie immer wieder in den Hintergrund rückt. Dadurch entsteht ein etwas ungleichmäßiges Tempo. Gerade im letzten Drittel versucht der Film dann, mehrere Handlungsstränge zusammenzuführen, wodurch das Finale ziemlich hastig wirkt.

Auch einzelne Figuren hätten mehr Aufmerksamkeit verdient. Rebecca Ferguson macht als Gegenspielerin Madam Snap zwar sichtbar Spaß, bekommt aber zu wenig Gelegenheit, ihrer Figur echte Tiefe zu verleihen. Dafür funktioniert das Zusammenspiel von Andrew Garfield und Claire Foy erfreulich gut, während vor allem die jüngeren Darstellerinnen Delilah Bennett-Cardy und Billie Gadsdon überzeugen.

Trotz dieser Schwächen besitzt „Der Wunderweltenbaum“ eine angenehme Wärme. Die Geschichte erinnert daran, dass Fantasie, Neugier und gemeinsame Erlebnisse auch im Zeitalter von Smartphone und Social Media ihren Wert behalten. Gerade für jüngere Zuschauer dürfte die Mischung aus skurrilen Figuren, farbenfrohen Welten und klassischem Abenteuer bestens funktionieren.

.FAZIT.

Der Wunderweltenbaum ist eine liebevoll ausgestattete und fantasievolle Buchverfilmung, die ihre größten Stärken in der visuellen Gestaltung und ihren märchenhaften Figuren findet. Inhaltlich bleibt das Abenteuer dagegen etwas hinter seinen Möglichkeiten zurück. Das Drehbuch wirkt stellenweise überladen, das Erzähltempo schwankt und insbesondere das Finale hätte mehr Ruhe vertragen.

Trotzdem steckt in dem Film genügend Charme, Humor und Fantasie, um sowohl Kindern als auch erwachsenen Begleitern einen unterhaltsamen Kinonachmittag zu bescheren. Kein perfektes Fantasy-Abenteuer, aber eines mit viel Herz und einer durchaus schönen Botschaft.



OriginaltitelThe Magic Faraway Tree
Produktionsland/-jahrVereinigtes Königreich, USA, Frankreich 2026
Laufzeit110 min
GenreAbenteuer, Fantasy
RegieBen Gregor
DrehbuchSimon Farnaby, Enid Blyton (Buch)
KameraZac Nicholson
Kino30. April 2026
Home Entertainment14. August 2026
Verleih/VertriebLEONINE Studios

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