LARS UND DIE FRAUEN | Eine Freundin aus Plastik, aber ein Herz aus Gold

Eine Sexpuppe als Freundin? Was zunächst nach einer ziemlich geschmacklosen Komödie klingt, entpuppt sich erstaunlich schnell als eine der warmherzigsten Geschichten über Einsamkeit, die ich kenne. LARS UND DIE FRAUEN nimmt seine absurde Prämisse nämlich nicht zum Anlass, sich über seinen Protagonisten lustig zu machen – sondern dazu, ihn wirklich verstehen zu wollen.

.INHALT.

Als der introvertierte Lars (Ryan Gosling) seinem Bruder (Paul Schneider) und dessen Frau (Emily Mortimer) seine neue Freundin Bianca vorstellt, sind die beiden völlig perplex. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei Lars’ Internetbekanntschaft nicht um eine Frau aus Fleisch und Blut, sondern um eine lebensechte Puppe. Die ortsansässige Ärztin Dr. Dagmar Berman (Patricia Clarkson) rät dem Paar, die Illusion vorerst aufrechtzuerhalten, da Lars unter einer Wahnvorstellung leidet und es für alle das Beste ist, wenn auch die anderen Bewohner des Ortes mitspielen. Tatsächlich wird Bianca von der Gemeinschaft schon bald als vollwertiges Mitglied akzeptiert: Sie engagiert sich ehrenamtlich im Krankenhaus und im Kindergarten, modelt für ein Bekleidungsgeschäft und begleitet Lars zu gesellschaftlichen Anlässen, an denen er neuerdings teilnimmt. Entgegen jeder Erwartung erobert Bianca die Herzen aller im Sturm – nur nicht das von Lars, der allmählich ein echtes Sozialleben entwickelt …

©️ capelight pictures

.KRITIK.

LARS UND DIE FRAUEN ist einer dieser Filme, die eine eigentlich völlig absurde Idee nehmen und daraus etwas überraschend Menschliches machen.

Ich finde es fast schon bemerkenswert, wie konsequent der Film sich weigert, Lars zum Witz zu machen. Eine lebensgroße Sexpuppe als Freundin? Das schreit geradezu nach Fremdscham und billigen Gags. Stattdessen schaut Craig Gillespie sehr genau auf einen Menschen, der mit Nähe, Berührung und sozialen Kontakten schlicht nicht klarkommt.

Und Ryan Gosling ist dabei wirklich großartig. Er spielt Lars nicht „komisch“, sondern verletzlich. Die kleinen Gesten, seine Blicke und seine körperliche Unsicherheit erzählen teilweise mehr über die Figur als große Dialoge. Dass Roger Ebert gerade diese kontrollierte Darstellung so hervorgehoben hat, kann ich gut nachvollziehen.

Was mich aber fast noch mehr berührt, ist die Reaktion der anderen. Die Menschen um Lars herum entscheiden sich dafür, ihn nicht bloßzustellen. Sie akzeptieren Bianca, obwohl sie wissen, dass sie nicht real ist. Und irgendwann wird aus dieser zunächst absurden Situation etwas fast Rührendes: Die Gemeinschaft hilft Lars, wieder Kontakt zur echten Welt aufzunehmen. Das ist für mich die eigentliche Stärke des Films.

Allerdings ist mir Lars und die Frauen an einigen Stellen ein bisschen „zu lieb“. Die Welt, in der beinahe alle Menschen so verständnisvoll und geduldig reagieren, ist natürlich eine romantisierte Vorstellung. Und ich kann nachvollziehen, wenn man dem Film vorwirft, seine emotionale Wirkung etwas zu kalkuliert herbeizuführen.

.FAZIT.

Am Ende ist Lars und die Frauen viel weniger verrückt, als es zunächst klingt. Der Film erzählt mit erstaunlich viel Feingefühl davon, wie schwer Nähe sein kann – und wie wichtig es ist, einen Menschen nicht auf seine Andersartigkeit zu reduzieren. Ein ungewöhnlicher Film, der bei mir vor allem durch seine Menschlichkeit punktet.



OriginaltitelLars and the Real Girl
Produktionsland/-jahrUSA, Kanada 2007
Laufzeit106 min
GenreDrama, Komödie
RegieCraig Gillespie
DrehbuchNancy Oliver
KameraAdam Kimmel
Kino13. März 2008
Home Entertainment21. August 2009 / 27. August 2026 (digital)
Verleih/Vertriebcapelight pictures

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