THE FURIOUS | Ein Brett von einem Actionfilm

Ein Vater sucht seine entführte Tochter. Die korrupte Polizei schaut weg. Ein ehrgeiziger Journalist wird zu seinem engsten Verbündeten. Eigentlich ist damit bereits die komplette Geschichte von THE FURIOUS erzählt. Was danach kommt, lässt sich dagegen kaum in Worte fassen – man muss es mit eigenen Augen gesehen haben.

.INHALT.

Nachdem seine Tochter von einem skrupellosen Verbrechersyndikat entführt wird und die korrupte Polizei untätig bleibt, nimmt Wang Wei (Xie Miao) ihre Rettung selbst in die Hand. Auf seiner Suche trifft er auf den kompromisslosen Journalisten Navin (Joe Taslim), der seit dem mysteriösen Verschwinden seiner Frau einen persönlichen Feldzug gegen das Netzwerk führt. Getrieben von Verlust und Vergeltung geraten die beiden Männe r in einen brutalen Strudel der Gewalt – und stellen sich einer übermächtigen Organisation, die keine Zeugen hinterlässt.

©️ capelight pictures

.KRITIK.

THE FURIOUS verschwendet nicht viel Zeit damit, seine Geschichte unnötig aufzublasen. Wang Weis Tochter wird entführt und weil die Polizei entweder unfähig oder korrupt ist, nimmt der Vater die Sache selbst in die Hand. Gemeinsam mit dem Journalisten Navin legt er sich mit einem Menschenhändlerring an.

Und dann wird geprügelt. Und geprügelt. Und geprügelt. Den lieben langen Tag.

Was Kenji Tanigaki daraus macht, ist allerdings weit mehr als gewöhnliche Martial-Arts-Kost. Die Kämpfe sind der eigentliche Star des Films. Statt hektischer Schnitte setzt The Furious auf lange Einstellungen, klare Raumaufteilung und eine Kamera, die tatsächlich zeigt, was die Darsteller leisten.

Dabei gleicht kaum ein Kampf dem anderen. Fäuste, Messer, Hämmer, Fahrräder (ja, Fahrräder) – einfach alles, was gerade in Reichweite liegt – wird zur Waffe. Die Choreografie findet ständig neue Möglichkeiten, Körper und Umgebung miteinander zu verbinden. Das Ganze ist brutal, akrobatisch und teilweise so überzogen, dass man irgendwann nur noch staunend vor dem Fernseher sitzt. Genau diese Mischung aus Präzision und völliger Eskalation macht den Film so verdammt unterhaltsam.

Natürlich hat The Furious auch eine Schwachstelle: die Geschichte. Die Entführung der Tochter ist vor allem der Motor, der die nächste Prügelei ermöglicht. Die Figuren bleiben dagegen vergleichsweise simpel, und wer hier einen ausgefeilten Thriller mit Tiefgang erwartet, dürfte enttäuscht werden.

Mich stört das allerdings erstaunlich wenig. The Furious weiß genau, was er sein möchte. Und er macht das mit einer Konsequenz, die man im modernen Actionkino inzwischen fast schon vermisst.

Hier wird nicht versucht, die Action durch tausend Schnitte größer wirken zu lassen. Hier lässt man die Leute einfach kämpfen. Und wenn nach fast zwei Stunden der Abspann läuft, fühlt man sich tatsächlich ein bisschen so, als hätte man selbst einen Vollkontakt-Kurs hinter sich.

The Furious ist kein besonders tiefgründiger Film. Er ist auch nicht unbedingt realistisch. Aber er ist eine verdammt beeindruckende Demonstration dessen, was physische Action und die Schauspieler vor der Kamera leisten kann beziehungsweise können.

.FAZIT.

The Furious ist genau der Film, den Actionfans seit Jahren fordern: weniger CGI-Gewitter, weniger hektisches Schnittgewitter und dafür echte Körper, echte Stunts und eine Kamera, die tatsächlich hinschaut. Die Geschichte ist dabei kaum mehr als Mittel zum Zweck. Aber wenn der Zweck darin besteht, knapp zwei Stunden lang einige der beeindruckendsten Martial-Arts-Kämpfe der letzten Jahre zu zeigen, kann ich damit ziemlich gut leben.



OriginaltitelHuo zhe yan
Produktionsland/-jahrHongkong, China 2025
Laufzeit113 min
GenreAction, Krimi, Thriller
RegieKenji Tanigaki
Drehbuch/KonzeptMak Tin Shu, Lei Zhilong, Shum Kwan Sin, Frank Hui
KameraMeteor Cheung
Kino18. Juni 2026
Home Entertainment/Streaming8. Oktober 2026
Verleih/Vertriebcapelight pictures

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