Öl, Geld, Macht und jede Menge Männer, die aussehen, als hätten sie seit drei Tagen nicht geschlafen: Willkommen in West Texas. Mit LANDMAN schickt Taylor Sheridan seinen ganz eigenen Blick auf die amerikanische Ölindustrie ins Rennen – irgendwo zwischen knallhartem Wirtschaftsthriller, Familiendrama, Western und ziemlich schwarzer Comedy.
.INHALT.
Staffel 1
Boomtown von West Texas: Willkommen in der Welt der Ölindustrie. Auf der Jagd nach Reichtum und Macht stehen sich harte Arbeiter und waghalsige Milliardäre gegenüber, die einen Boom vorantreiben – so gewaltig, dass er unser Klima, unsere Wirtschaft und die globale Politik verändert. Und in dieser giftigen Atmosphäre versucht der abgehalfterte Manager Tommy Norris (Billy Bob Thornton) sein Unternehmen an die Spitze zu führen.
Staffel 2
In West Texas sprudelt nicht nur das Öl an die Oberfläche, sondern auch lang gehütete Geheimnisse – und Tommy Norris steht kurz davor, an allem zu zerbrechen. Der Druck von M-Tex Oil wächst, Cami Miller (Demi Moore) zieht die Schlinge enger, und auch der Schatten seiner eigenen Familie lässt ihn nicht los. In West Texas ist Überleben kein Akt von Größe, sondern ein gnadenloser Kampf. Und früher oder später muss etwas zerbrechen…
.KRITIK.
Im Mittelpunkt steht Tommy Norris, gespielt von Billy Bob Thornton. Tommy ist der Mann, der gerufen wird, wenn irgendwo zwischen Bohrturm, Vorstandsetage und Kartell etwas gehörig schiefläuft. Und schieflaufen tut bei LANDMAN eigentlich ständig etwas. Die 1. Staffel etabliert dabei schnell, was die Serie besonders macht: Sie nimmt ihre Welt durchaus ernst, hat aber gleichzeitig einen Hang zu völlig überdrehten Situationen und Dialogen, bei denen man nie ganz weiß, ob man gerade mitfiebern oder lachen soll.
Genau hier liegt allerdings auch die große Stärke von Landman. Billy Bob Thornton trägt die Serie praktisch mühelos auf seinen Schultern. Als abgeklärter, zynischer und gleichzeitig erstaunlich verletzlicher Tommy Norris bekommt er jede Menge großartiger One-Liner serviert und macht selbst aus längeren Erklärungen über Ölrechte, Fördermengen und Unternehmenspolitik noch unterhaltsames Fernsehen. Dazu kommt ein Ensemble, das sich sehen lassen kann. Jon Hamm, Demi Moore und Andy Garcia sorgen bereits in Staffel 1 für ordentlich Starpower, während Sam Elliott in Staffel 2 als Tommys entfremdeter Vater T.L. einen zusätzlichen Charakter ins Spiel bringt, der zwischen Tragik, Grobschlächtigkeit und völligem Wahnsinn pendelt.
Gerade die 2. Staffel macht aus dem zunächst noch relativ überschaubaren Ölgeschäft ein deutlich größeres Machtspiel. Demi Moore bekommt als Cami Miller wesentlich mehr Raum und kann endlich zeigen, was in ihrer Figur steckt. Auch die geschäftliche Seite der Serie wird interessanter, weil Landman stärker auf die Frage setzt, wer eigentlich von diesem gigantischen Ölgeschäft profitiert und wer am Ende nur versucht, nicht unter die Räder zu kommen. Einige Kritiken sahen genau darin eine Verbesserung gegenüber der 1. Staffel.
Das Problem: Landman kann sich einfach nicht entscheiden, welche Serie sie eigentlich sein möchte. Eben noch geht es um milliardenschwere Deals, Kartelle und lebensgefährliche Arbeitsbedingungen – und wenige Minuten später befindet man sich mitten in einer völlig absurden Familien- oder Beziehungsszene. Staffel 2 treibt dieses Prinzip teilweise bis zum Anschlag. Manche Momente sind herrlich bekloppt und gerade deshalb unglaublich unterhaltsam, andere wirken schlicht wie aus einer völlig anderen Serie.
Auch mit den weiblichen Figuren hat Sheridan seine Schwierigkeiten. Zwar bekommen Cami und einige andere Charaktere in Staffel 2 mehr Gewicht, gleichzeitig sind insbesondere Angela und Ainsley immer wieder so überzeichnet geschrieben, dass die Serie ihre Figuren eher als Karikaturen denn als glaubwürdige Menschen behandelt.
Dafür funktioniert das eigentliche Landman-Gefühl erstaunlich gut. Die staubige Weite West-Texas‘, die Bohrtürme, Raffinerien und endlosen Straßen verleihen der Serie eine eigene Identität. Landman fühlt sich weniger nach Hochglanz-Prestigedrama und mehr nach einer dreckigen, leicht verrückten Texas-Saga an. Und wenn die Serie ihre Ölindustrie tatsächlich in den Mittelpunkt stellt, ist sie meistens auch am stärksten.
Die 2. Staffel wirkt dabei insgesamt etwas souveräner als die erste, obwohl sie gleichzeitig noch stärker aus dem Ruder läuft. Sie entwickelt einige Figuren weiter, erweitert die Welt und liefert mit Sam Elliott einen starken Neuzugang. Gleichzeitig zersplittert die Handlung immer wieder und gönnt sich erzählerische Ausflüge, bei denen man sich fragt, wer im Autorenraum eigentlich gerade die Kontrolle verloren hat.
Und genau da lande ich letztlich auch. Landman ist keine fein austarierte Prestige-Serie und will es wahrscheinlich auch gar nicht sein. Sie ist laut, dreckig, manchmal dämlich, manchmal überraschend clever und vor allem verdammt unterhaltsam. Billy Bob Thornton ist dabei der entscheidende Faktor. Wann immer Tommy Norris einen Raum betritt, funktioniert die Serie am besten.
Wer sich auf diesen ziemlich eigenwilligen Mix aus Ölindustrie, Familiendrama, Gewalt, schwarzem Humor und Taylor-Sheridan-typischer Männerromantik einlassen kann, bekommt erstaunlich kurzweilige Unterhaltung. Wer dagegen eine stringente, realistische und dramaturgisch sauber erzählte Serie erwartet, dürfte sich spätestens in Staffel 2 häufiger fragen, was hier eigentlich gerade passiert. Na mal schauen, was da noch so kommt…



.FAZIT.
Landman ist eine dieser Serien, bei denen man gleichzeitig den Kopf schütteln und die nächste Folge starten möchte. Während die 1. Staffel ein starkes Fundament legt, baut Staffel 2 fast schon experimentell darauf auf und verliert dabei aber teilweise die Bodenhaftung. Dafür gibt es Billy Bob Thornton, ein großartiges Texas-Setting, starke Nebenrollen und genügend absurde Momente, um die Serie aus dem Einheitsbrei herauszuheben. Nicht immer clever. Nicht immer treffsicher. Aber verdammt unterhaltsam. Das macht Lust auf mehr, so lange man den Fokus nicht aus den Augen verliert.
| Originaltitel | Landman |
| Produktionsland/-jahr | USA 2024– |
| Laufzeit | Folgen | ca. 1103 Minuten (⌀ 55 Minuten pro Episode) | 20 Episoden in 2 Staffeln |
| Genre | Drama, Western |
| Regie | Stephen Kay, Taylor Sheridan, Michael Friedman |
| Drehbuch/Idee | Tylor Sheridan, Christian Wallace |
| Kamera | Robert McLachlan, Mike Parry |
| Dt. Erstausstrahlung | 17. November 2024 auf Paramount+ |
| Home Entertainment | 12. Juni 2025 (Staffel 1) 9. Oktober 2026 (Staffel 2) |
| Verleih | LEONINE Studios |

