Produziert von Oscar®-nominierten Filmemacher J.A. Bayona: Im Mittelpunkt von CRAZY OLD LADY steht Alicia – eine alte Frau, deren zunehmend verwirrter Geist die dunkelsten Geheimnisse ihrer Vergangenheit an die Oberfläche drängen lässt. Als Pedro widerwillig die Betreuung der dementen Frau übernimmt, gerät er in einen albtraumhaften Strudel aus Schuld, Rache und Wahn. Gefangen in einem abgelegenen Haus, wird er zum Spielball einer Vergangenheit, die niemals begraben wurde.
.INHALT.
An einem stürmischen Abend erhält Pedro (Daniel Hendler) einen verzweifelten Anruf seiner Ex-Freundin Laura (Agustina Liendo). Sie bittet ihn, sich für eine Nacht um ihre demenzkranke Mutter Alicia (Carmen Maura) zu kümmern, nachdem deren Pflegekraft auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Doch kaum betritt Pedro das Haus, spürt er, dass etwas nicht stimmt. Alicia erkennt ihn nicht. Vielmehr glaubt sie, in ihm Cesar zu sehen: einen geheimen Liebhaber aus ihrer Vergangenheit, mit dem sie ein schreckliches Geheimnis verbindet.
Im Laufe der Nacht verwandelt sich das von einem Park umgebene Haus in ein albtraumhaftes Gefängnis. Gefesselt an einen Sessel und Alicias Wahn ausgeliefert, muss Pedro die Rolle des verhassten Cesar übernehmen, während sie mit immer grausamerer Entschlossenheit Vergeltung für das Leid sucht, das sie einst ertragen musste. Schon bald verschwimmen die Grenzen zwischen Realität, Schuld und Wahnsinn und Pedro erkennt, dass manche Geheimnisse niemals ans Licht hätten kommen dürfen.
.KRITIK.
Manchmal sollte man einfach Nein sagen. Pedro (Daniel Hendler) hätte sich mit dieser Erkenntnis einiges ersparen können. Als seine Ex-Freundin Laura ihn bittet, nach ihrer zunehmend verwirrten Mutter Alicia (Carmen Maura) zu sehen, willigt er trotzdem ein. Ein paar Stunden Gesellschaft, ein Auge auf die Medikamente und anschließend wieder nach Hause – klingt machbar. Doch in dem abgelegenen Haus stimmt etwas ganz und gar nicht. Alicia hält Pedro plötzlich für ihren früheren Partner César und hat mit diesem offenbar noch eine Rechnung offen. Ehe Pedro richtig versteht, was passiert, sitzt er gefesselt fest und steckt mitten in einem ziemlich unangenehmen Familienbesuch.
Martín Mauregui macht aus dieser simplen Ausgangslage ein düsteres Kammerspiel, das vor allem von seiner Hauptdarstellerin lebt. Carmen Maura ist als Alicia eine echte Wucht. Sie wechselt zwischen scheinbarer Hilflosigkeit, irritierender Vertrautheit und erschreckender Grausamkeit, ohne dass man jemals sicher sein kann, was als Nächstes passiert. Auch Daniel Hendler funktioniert als verzweifelter Gegenpart, der irgendwie mitspielen muss, um überhaupt eine Chance auf die Flucht zu haben. Das Zusammenspiel der beiden ist die große Stärke des Films.
Dazu kommen das abgelegene Haus, die düstere Atmosphäre und ein schwarzer Humor, der immer wieder für Momente sorgt, in denen man nicht genau weiß, ob man lachen oder lieber ein Stück weiter vom Bildschirm wegrücken sollte. CRAZY OLD LADY setzt weniger auf aufwendige Schockeffekte als auf ein zunehmend groteskes Machtspiel. Und wenn die Gewalt schließlich eskaliert, wird aus dem zunächst eher schrägen Besuch ein ausgesprochen unangenehmer Horrortrip.
Aber ich hatte an manchen Stellen so meine Wehwehchen. Die Ausgangssituation ist stark, doch das Hin und Her zwischen Alicia und Pedro nutzt sich im Mittelteil allerdings – stellenweise – ab. Die Geschichte wiederholt ihre Konfrontationen, statt die Spannung konsequent weiterzudrehen. Auch die Hintergründe, die sich nach und nach offenbaren, hätten mehr Tiefgang vertragen können. Gerade weil der Film Themen wie Alter, Demenz und verdrängte Gewalt miteinander verbindet, wäre mehr Differenzierung durchaus interessant gewesen. Stattdessen bleibt manches eher Andeutung als wirklich ausgearbeiteter Gedanke. Und da ich die Devise vertrete „Ein Film steht oder fällt mit seinem Ende“, hat mir das Finale leider nicht zufriedengestellt und ich glaube, einigen von euch dürfte dieser Umstand auch nicht gefallen.



.FAZIT.
Crazy Old Lady ist ein schön fieser, schwarzhumoriger Horrorfilm, der vor allem dank Carmen Maura hier die meiste Annerkennung einfährt. Die Atmosphäre stimmt, das Kammerspiel hat Biss und einige Szenen gehen ordentlich unter die Haut. Dass die Geschichte zwischendurch auf der Stelle tritt und nicht jede Idee konsequent zu Ende führt, verhindert allerdings den ganz großen Wurf. Als Auftakt für eine Halloween-Woche ist das trotzdem eine passende Wahl – auch wenn man nach diesem Film vielleicht zweimal überlegt, ob man der Ex wirklich noch einen Gefallen schuldet.
| Originaltitel | Vieja loca |
| Produktionsland/-jahr | Argentinien, Spanien, USA 2025 |
| Laufzeit | 94 min |
| Genre | Horror, Thriller |
| Regie | Martín Mauregui |
| Drehbuch/Konzept | Martín Mauregui |
| Kamera | Julián Apezteguia |
| Kino | 29. Oktober 2026 |
| Home Entertainment/Streaming | – |
| Verleih/Vertrieb | Happy Entertainment |

