Nachtgestalten

NACHTGESTALTEN | Ein bisschen Klischee muss schon sein

Der Film skizziert das nächtliche Berlin anhand dreier „Paare“ und einer Gruppe Jugendlicher. So unterschiedlich sie sein mögen, vereint sie eines: Sie alle stehen nicht auf der Sonnenseite des Lebens – sie sind die NACHTGESTALTEN.

Nachtgestalten

© Pandora Film Verleih

Inhalt

Berlin in der Nacht des (fiktiven) Papstbesuchs im Jahr 1999: Die Pennerin Hanna (Meriam Abbas) findet einen Hundertmarktschein in ihrer Sammelschachtel und macht sich daraufhin mit ihrem ebenfalls obdachlosen Freund Victor (Dominique Horwitz) auf die Suche nach einem Hotelzimmer, um endlich einmal wieder ein Bad zu nehmen und in einem Bett zu schlafen. Der unbedarfte Bauer Jochen (Oliver Bäßler) aus Neu-Ruppin sucht in der Hauptstadt nach einem sexuellen Abenteuer, denn auf dem Land sind die jungen Frauen entweder arrogant oder verheiratet. Mit der minderjährigen, drogensüchtigen Prostituierten Patty (Susanne Bormann) geht er in das trostlose Zimmer eines Stundenhotels – und wird von dem Mädchen ausgeraubt. Der Geschäftsmann Peschke (Michael Gwisdek), ein spießiger Verlierertyp, trifft am Flughafen statt auf die erwartete japanische Geschäftspartnerin auf den kleinen Angolaner Feliz (Ricardo Valentim), der gerade ankam und nicht abgeholt wird, weil Ricardo (Ade Sapara) im Stau steckt. Zuerst verdächtigt er den schwarzen Jungen als Dieb, dann nimmt er sich seiner an. Dabei wird ihm auch noch sein Auto von Jugendlichen gestohlen.

Kritik

Der erste Blick, den wir in die Welt von NACHTGESTALTEN werfen, ist der eines Hundes. Konsequenterweise behält der Film diese Perspektive bei, von Anfang bis Ende, und erzählt drei Geschichten aus zeitgenössischen Berliner Hundeleben. Keine dieser à la Short Cuts nur sehr lose verknüpften Geschichten ist als solche einfallsreich oder überraschend. Nicht die des Landeis, das eine Nacht mit einer vorlauten Prostituierten verbringt, nicht die der beiden Obdachlosen, die sich eine sorgenfreie Nacht im Hotel gönnen wollen und nicht die des von seinem Chef tyrannisierten Firmenmitarbeiters, der einen kleinen afrikanischen Jungen am Flughafen aufgabelt und beharrlich beim richtigen Adressaten zuzustellen versucht. Nicht in den Geschichten liegt der Reiz des Films, eher schon in der Perspektive, vor allem aber in der Genauigkeit, die insbesondere eine der präzise geführten Schauspieler ist. Gwisdek wird immer kurz vorm Chargieren gebremst und einige der anderen Figuren, deren Weg ins Detlev-Buck-hafte mitunter nicht weit wäre, werden nicht zugunsten naheliegender Pointen verramscht, sondern dürfen sich als Nebendarsteller in Szene setzen. So in einer Kreuzberger Kneipe ein Besoffener am Thresen, eine Frau am Spielautomaten, ein gutmütiger Polizist auf der Polizeiwache, der mit tröstenden Taschentüchern zur Hand ist. Die Balance zwischen bloßer Nettigkeit und düsteren Klischee hält der Film im großen und ganzen in der Waage. Am höchsten ist ihm dabei anzurechnen, dass er sich nicht in falsche Versöhnlichkeit flüchtet. Die Prostituierte klaut ihrem Wohltäter das Geld und die Jugendgang zerstört das Auto des Gutmütigsten von allen, des armen Peschke. Beinahe ist es schon wieder eine Stärke des Films, dass es ihm an der Eleganz der Verknüpfungen mangelt, die Empfindung ein wenig ungeschickt eingefordert wird. Hier zeigt keiner sein Können oder will mit Perfektion beeindrucken und seine Einfallslosigkeit damit übertünchen. Es ist die Verbindung von Liebe zum Detail und dem Beharren auf den Reizen des Unspektakulären, die einem diesen Film sympathisch machen.

Fazit: Ein zurecht mehrfach ausgezeichnetes Werk von Andreas Dresen. Mit kleinem Team und Handkamera wird Berlin in seiner ursten Form eingefangen und bespickt mit authentischen Charakteren, die das Leben nicht hätte besser auf die Welt bringen können.

FSK ab 12 (grün)Originaltitel:           Nachtgestalten
Produktionsland/-jahr:   DE 1999
Laufzeit:                101 min
Genre:                   Drama

Regie:                   Andreas Dresen
Drehbuch:                Andreas Dresen     
Kamera:                  Andreas Höfer                     

Kinostart:               12. August 1999
Home Entertainment:      18. September 2015 (remasterte Neuauflage)

Verleih:                 Pandora Film Verleih

(Quelle: TrailerDwelling)

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