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VERLIEBT, VERLOBT, VERLOREN | Wenn die globale Politik keine Rücksicht auf persönliche Schicksale nimmt

Der Dokumentarfilm VERLIEBT, VERLOBT, VERLOREN berichtet von den nordkoreanischen Studenten, die bis in die frühen 60er Jahre in der DDR aufgenommen wurden. Sie gründeten Familien und bekamen Kinder. Dann wurden sie Opfer der Weltgeschichte.

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© farbfilm verleih

Inhalt

1952, noch während des Koreakrieges, schickte Nordkorea auserwählte Studenten in sozialistische Bruderländer mit dem Ziel, sie dort auszubilden und mit dem neuen Wissen irgendwann zurück in die Heimat zu schicken, um das zerstörte Vaterland wieder aufzubauen. Die DDR nahm einen großen Teil der koreanischen Studenten auf. Die höflichen jungen Männer beherrschten neben der deutschen Sprache bald auch die landestypischen Tanzschritte. Das war die Zeit, in der junge deutsche Frauen ihnen so schicksalhaft begegnen sollten: Ihre persönliche Liebes- und Lebensgeschichte begann vor der Kulisse der großen Weltgeschichte. Es kam, wie es kommen musste: Sie verliebten sich, sie verlobten sich, sie bekamen Kinder. Anfang der 60er Jahre mussten die jungen Nordkoreaner nach Hause zurückkehren und zum Teil ihre frisch gegründeten Familien für immer zurücklassen.

Kritik

VERLIEBT, VERLOBT, VERLOREN erzählt von Frauen aus der ehemaligen DDR, die sich in den 50er Jahren in nordkoreanische Gaststudenten verliebten, sie zum Teil heirateten und eine Familie gründeten. Die zärtlichen Liebesgeschichten finden ein jähes Ende, als der Kommunismus nach seinen „Kindern“ ruft und ohne Rücksicht auf Verluste diese aus der eigentlich heilen Welt reißt. Auf Grund der schwierigen politischen Lage in Nordkorea haben die zurückgebliebenen Frauen und ihre Kinder über Jahrzehnte keinen Kontakt zu den Vätern mehr gehabt, oftmals wissen nicht einmal, ob diese überhaupt noch leben. Sung-Hyung Cho kommt mit den Betroffenen ins Gespräch. Mit einem wehmütigen Lächeln auf den Lippen erzählen die in die Jahre gekommenen Frauen von ihrer ersten großen Liebe, von heimlichen Begegnungen und Beziehungen, die aufgrund ihres potentiellen Skandalfaktors besonderen Zauber versprühen. Diese Momente sind rührend, so dass wir uns doch alle mit diesen Geschichten und Gefühlen identifizieren können. Umso erschütternder gestaltet sich der Verlauf des Films, wenn der Schmerz über die erzwungene Trennung zu Tage tritt. Tränen fließen auf beiden Seiten: bei den Müttern wie bei den Kindern. Insbesondere die Kinder fühlen eine tiefe Sehnsucht und Verlangen in sich. Sie wollen schließlich ihren Vätern näher kommen. An eine echte Begegnung glaubt kaum eine(r) von ihnen. Drei der Kinder, die inzwischen selbst Eltern sind, fassen gemeinsam den Entschluss nach Nordkorea zu reisen. Diese Passagen gehören zu den einprägsamsten Momenten in Verliebt, Verlobt, Verloren. Die Tagebuchaufzeichnung einer Protagonistin, von ihr selbst mit den entsprechenden Emotionen vorgetragen, begleiten die Amateuraufnahmen. Die Rundreise steht dabei jede Sekunde unter enorm strenger Überwachung. Zutritt zu den vermeintlichen Wohnorte der gesuchten Väter erhalten die Kinder nicht. Und doch finden sie in der Begegnung mit der nordkoreanischen Lebenswelt ein gewisses Maß an Genugtuung.

Fazit: Sung-Hyung Cho untermalt den Bruch in ihrer Dramaturgie – den Übergang von Liebes- zu Leidensgeschichte – auch durch ihre Inszenierung. Zu Beginn schmückt sie die Begegnungen der deutschen Frauen mit den koreanischen Männern durch liebevolle Animationen aus, die mit deutschen Schlagern der 50er Jahre untermalt sind. Nach und nach weicht die fröhliche Stimmung der zunehmenden Tragik. Verliebt, verlobt, verloren ist ein wertvolles Stück Zeitgeschichte, dass einen noch nie dagewesenen Teil deutsch-nordkoreanischer Beziehung beleuchtet und diesem endlich ein würdiges Bild verleiht.

FSK ab 0 (weiß)Originaltitel:           Verliebt, verlobt, verloren
Produktionsland/-jahr:   DE 2015
Laufzeit:                95 min
Genre:                   Dokumentation

Regie:                   Sung Hyung Cho
Drehbuch:                Sung Hyung Cho
Kamera:                  Thomas Schneider   

Kinostart:               25. Juni 2015
Home Entertainment:      22. Januar 2016

Verleih:                 farbfilm verleih

(Quelle: vipmagazin)

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