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DAS BRANDNEUE TESTAMENT | Ein Miesepeter im karierten Bademantel

Was für ein Spaß! Erfreulich inkorrekt in jeder Beziehung erzählt Jaco Van Dormael von einer eher untypischen Kleinfamilie. Sie besteht aus Gottvater, Gottmutter und Gotttochter Éa, die zehn Jahre alt ist und ihrem herrschsüchtigen, prolligen Daddy mal so richtig eins auswischen will. Sie will nicht mehr mitansehen, wie er die Menschheit mit Kriegen und Katastrophen quält. Deshalb haut sie von Zuhause ab, sammelt eigene Apostelinnen und Apostel um sich und beginnt damit, DAS BRANDNEUE TESTAMENT zu schreiben.

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© NFP marketing & distribution GmbH

Inhalt

Gott (Benoît Poelvoorde) ist ein Bürger Belgiens und führt ein ganz normales, ziviles Leben mit Frau (Yolande Moreau) und Kind in Brüssel. Und so normal wie sein Leben sind auch seine familiären Probleme: Er hat Zoff mit Tochter Éa (Pili Groyne). Die Auswirkungen dieses Streits sind dann aber schon nicht mehr ganz so harmlos, denn da Papa Gott ist, führt es zu einem unglaublichen Chaos, als sich Ea in den Computer ihres Vaters hackt. Sie hat nämlich genug vom despotischen Verhalten des Allmächtigen und seinen Launen, die er in Form von Kriegen und Naturkatastrophen immer wieder auf die Menschheit herunterprasseln lässt. Und so durchkreuzt sie die Allmacht ihres Vaters, indem sie seine geheime Datei mit den Todesdaten aller Menschen öffnet und diese ganz persönliche Information jedem Sterblichen per SMS zukommen lässt. Prompt drehen die Menschen durch und Ea sieht ihre Chance gekommen, inmitten dieses Chaos ein brandneues Testament zu etablieren, samt neuen Aposteln und allem. Aber Gott findet sich mit der Revolte seiner Tochter natürlich nicht einfach so ab…

Kritik

Die aktuellen Ereignisse, die die belgische Hauptstadt heimgesucht haben, sind alles andere als fair. Da fällt es schwer zu glauben, dass der liebe Gott inmitten des Terrors seinen Platz gefunden hat. Mit solchen Geschehnissen im Bewusstsein würde es eigentlich ein wenig schwer fallen, DAS BRANDNEUE TESTAMENT möglichst unvoreingenommen zu sehen, wenn Jaco von Dormaels Film nicht eine ebenso böse Satire auf Religion wäre wie eine wunderbare Hommage an das Leben. Der Film ist eigentlich ein wunderbares Heilmittel für viele geschundene Seelen. Allein die Reaktionen der Menschen, die plötzlich über das Wissen ihres Todestages verfügen, sind so witzig, aber auch tiefgründig und voller Bedeutung. Das brandneue Testament lebt von seiner melancholischen Grundstimmung, die jedoch genau den richtigen Ton trifft. Der Ton macht die Musik und das ist auch wichtig, denn dieser vermittelt dem Zuschauer, dass Das brandneue Testament ein ernst zunehmender Film ist und keine übliche 0815-Produktion. Inszenatorisch teilt sich der Film nach der 30-minütigen Exposition in sechs Akte auf – jeder Akt steht dabei für einen Apostel. Die Akte bewegen sich qualitativ nicht zwingend auf demselben Niveau, allerdings bieten sie eine ganze Bandbreite an unterschiedlichen Lebensgestaltungen an. Herausragend ist sicher das Evangelium von Marc, dessen Bessesenheit des weiblichen Wesens mit einem wunderbaren Finale gesegnet ist. Auch die Geschichte um Killer François funktioniert gut – gerade seine Erklärung, warum er auf Menschen schießt, sorgt für eine herb-bittere Note. Dass Catherine Deneuve, die große Dame des französischen Kinos als einsame Martine die abstruseste aller Geschichten bekommt, ist der größte Fehler in Das brandneue Testament. Benoît Poelvoorde als alter Patriarch macht sich gut als fluchender Gottvater mit schmuddeligem Morgenmantel, versifftem T-Shirt und fettigen Haaren. Er ist auch derjenige, der den Film trägt – was irgendwie auch logisch ist. Wenn dann am Ende die brandneutestamentarische Wochenordnung eingeläutet wird und Gott nach Usbekistan abgeschoben wird, weiß man: Die Welt nach Éa mit den 18 Aposteln wäre eine bessere und vermutlich eine, in der Terror keine Wurzeln hätte.

Fazit: Nach diesem skurrilen und humorvollen Exkurs ins Leben von Gott, bleibt genug Raum, um mit sich und seiner Umwelt ins Reine zu kommen. Viele Fragen und viele Antworten erwarten den Zuschauer bei diesem eindrucksvollen Film, der leider eine recht ungünstige Zeit erwischt hat, veröffentlicht zu werden – aber dafür kann er leider auch nichts.

FSK ab 12 (grün)Originaltitel:           Le tout nouveau testament
Produktionsland/-jahr:   BE/FR/LU 2015
Laufzeit:                113 min
Genre:                   Komödie

Regie:                   Jaco Van Dormael
Drehbuch:                Thomas Gunzig, Jaco Van Dormael   
Kamera:                  Christophe Beaucarne 

Kinostart:               3. Dezember 2015
Home Entertainment:      7. April 2016

Verleih:                 NFP marketing & distribution GmbH 

(Quelle: vipmagazin)

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