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JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN | Stille Wasser sind tief

JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN von Vincent Pérez, basiert auf einer wahren, von Hans Fallada kurz nach dem Krieg fiktionalisierten Geschichte und ist mit Oscar®-Preisträgerin Emma Thompson, Emmy®-Preisträger Brendan Gleeson sowie Daniel Brühl hochkarätig besetzt.

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© X-Verleih

Inhalt

Im Berlin des Jahres 1940 lebt ein ganzes Land in einem Haus: Die Bewohner in der Jablonskistraße 55 bilden einen Querschnitt der Bevölkerung: Ein Blockwart wohnt dort, eine versteckte Jüdin, ein Ex-Richter, ein Denunziant, ein Kleinkrimineller, ein Hitlerjunge, eine Briefträgerin – und das Arbeiterehepaar Anna (Emma Thompson) und Otto Quangel (Brendan Gleeson). Die Quangels müssen verkraften, dass ihr einziger Sohn Hans (Louis Hofmann) im Krieg gefallen ist. Otto fängt an, den Diktator auf seine Art zu bekämpfen, seine Frau macht bald mit: Das Paar schreibt klare Botschaften auf schlichte Postkarten, z. B. einen Aufruf zum Widerstand und eine Forderung nach Pressefreiheit. Kommissar Escherich (Daniel Brühl) nimmt die Verfolgung auf – mit der Gestapo im Nacken, die schnell Ergebnisse sehen will. Otto und Anna unterdessen finden durch die gemeinsame Rebellion wieder zueinander, nachdem sie sich über Jahre entfremdeten…

Kritik

Filmische Abbilder aus Nazi-Deutschland und dem Zweiten Weltkrieg gibt es zuhauf. Vor allem deutsche Produktionen haben sich des Öfteren dieses Thema ihrer Inszenierungen ausgesucht, um nicht zuletzt eine Aufarbeitung nach der anderen zu jagen. Einige sind zweifellos gut, die anderen hingegen ein Schatten ihrer selbst. Eigentlich ist auch JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN eine überwiegend deutsche Produktion. Mit großen deutschen Team im Rücken, hat Regisseur Vincent Perez sich den bereits mehrfach verfilmten Besteller von Hans Fallada angenommen. Dieses Werk ist eine Momentaufnahme des Alltagslebens in Berlin und damit ein wertvolles Zeugnis. Die Kriegsgeschehnisse oder die letzten Stunden Hitlers kennen wir bereits gut, doch selten wird auch einmal ein Blick auf das Volk zu dieser Zeit geworfen. Nobel ist der Versuch, authentisch und mit viel Hingabe die Bewohner der Jablonskistraße 55 zu porträtieren, jedoch wirkt die Inszenierung zu stark nach Geschichtsunterricht a la N24. Zu banal inszeniert und zu wenig kreative Eigeninitiative sieht man dem Film an. Bei der breiten Masse an Verfilmungen zu Falladas letzten Romans, droht der Film darin unterzugehen. Ebenso fragwürdig ist die Tatsache, dass zwei Deutsche durch Engländer besetzt wurden. Sicherlich sind Emma Thompson und Brendan Gleeson herausragende Darsteller mit einer facettenreichen Darbietung, doch in Hinblick auf Realismus und Zeitzeugen wären auch diese Rollen bestimmt mit einer deutschen, hochkarätigen Besetzung gut bedient gewesen. Den Film schließlich auf Englisch zu drehen, um international breit aufgestellt zu sein, wäre ja grundsätzlich kein Problem gewesen. Das größte Problem, welches zugleich die größte Stärke des Films sein kann, ist die fortwährende Stille – die Ruhe vor dem Sturm? Einerseits hinderlich beim Spannungsaufbau, ist das seichte Dahingleiten trügerisch. Man spürt, dass etwas in der Luft liegt, was idealerweise vielleicht dann doch ein Gefühl von Unbehagen und Spannung erzeugt. Kontrovers, aber irgendwie zutreffend. Somit sind die recht schlechten Kritiken bereits zur Berlinale teilweise nachvollziehbar. Perez hätte sich selber einen Gefallen tun können und etwas von der Buchvorlage abweichen sollen, um eine gewisse Eigendynamik zu entwickeln und dadurch das spannende Thema mehr Druck zu verleihen. Dennoch tue ich mich schwer, Jeder stirbt für sich alleine als Ausfall zu degradieren. Dafür finde ich dann doch viele gute Ansätze im Film: sei es der Look, die Leistung der Darsteller oder eben das Spiel mit der Stille. Schwierig eine eindeutige Meinung zu Perez‘ Werk zu finden.

Fazit: In Zeiten des Überschusses an Bewegtbild, ist es sicherlich schwer noch überzeugende Erzählungen mit solchem Charakter wie es Falladas letztes Werk besitzt. Vielleicht hat sich Perez zu viel versprochen und ist an der Aufgabe gescheitert etwas Neues zu erzählen? Oder hat er doch alles richtig gemacht und die größten Kritikpunkte sind ein Kniff zum richtigen Zeitpunkt? Fragen über Fragen ohne zufriedenstellender Antwort. Die Antwort muss jeder für sich alleine finden. 

FSK ab 12 (grün)Originaltitel:           Alone in Berlin
Produktionsland/-jahr:   UK/FR/DE 2016
Laufzeit:                103 min
Genre:                   Drama

Regie:                   Vincent Perez
Drehbuch:                Vincent Perez, Achim von Borries
Kamera:                  Christophe Beaucarne

Kinostart:               17. November 2016
Home Entertainment:      -

Verleih:                 X-Verleih 

(Quelle: xverleih)

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