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EIN DORF SIEHT SCHWARZ | Culture Clash in der französischen Provinz

Lachen und Weinen, Humor und Gefühl, ein Clash der Kulturen, wie er heftiger nicht sein könnte: Regisseur Julien Rambaldi verbindet in seinem zweiten Film EIN DORF SIEHT SCHWARZ all diese Zutaten zu einem fulminanten Mix aus bewegender und leichtfüßiger Komödie, zielt gekonnt auf Herz und Hirn.

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© Prokino

Inhalt

Im Jahr 1975 zieht der kongolesische Arzt Seyolo Zantoko (Marc Zinga) mit seiner Familie fort aus der Heimat – denn Seyolo hat sich entschlossen, ein Stellenangebot in dem kleinen Dorf Marly-Gomont im Norden Frankreichs anzunehmen und einen Neuanfang in einem fremden Land zu wagen. Dort hofft die Familie aus dem Kongo ein europäisches Großstadtleben wie aus dem Bilderbuch vorzufinden, doch die Realität ist weit weniger glamourös: Die Einwohner des Dorfes haben noch nie zuvor einen Menschen aus Afrika gesehen und sind anfangs wenig begeistert von ihrem neuen Arzt, Ganz im Gegenteil tun sie sogar ihr Bestes, um den Neuankömmlingen das Leben schwer zu machen. Doch so leicht lassen sich Seyolo, seine Frau Anne (Aïssa Maïga), ihr Sohn Kamini (Bayron Lebli) sowie Tochter Sivi (Médina Diarra) nicht unterkriegen…

Kritik

Das Menschen in unserer Gesellschaft nach wie vor von gewissen Vorurteilen gelenkt werden, ist nicht von der Hand zu weisen. Sobald wir einen scheinbar Arabisch-stämmigen mit Vollbart und entsprechendem Gewand sehen, denken wir sofort an einen Terroristen. Gewisse Dinge, haben sich basierend auf Angst, in unseren Köpfen festgesetzt. Manchmal können wir nichts dafür, weil uns die Angst kontrolliert. Auch die Angst vor dem Ungewissen, gehört ebenfalls dazu. Gleiches verhält es sich mit der schwarzen Bevölkerung. Noch immer existiert Rassismus und Gewalt gegen vermeintliche Minderheiten, aber wieso eigentlich. Haben uns die Nazi-Doktrien nicht gezeigt, wohin das alles führt. Vorurteile sind schlecht. Jeder Mensch hat eine Chance verdient. Daher ist EIN DORF SIEHT SCHWARZ, wenngleich es in den 1970er Jahren angesiedelt ist, ein mit viel Ironie aufgearbeitetes Stück Toleranz-Lehre. Zantoko hat hart für Akzeptanz kämpfen müssen, dabei ist er ein Mensch, wie jeder andere auch. Julien Rambaldi zeichnet eine schöne Biografie, die alles besitzt, uns zu berühren und zum Nachdenken anzuregen. Es bietet uns als Zuschauer auch die Gelegenheit, in uns zu sehen. Was wir empfinden würden, wenn wir Zantoko aus dem Kongo wären. Der ganze Film bewegt sich auf eine humoristischen Ebene, wirkt alles andere als trocken, trotz dem ernsten Unterton. Die Momente, in der Zantoko in Kontakt mit den Einheimischen tritt, um ihr Vertrauen zu gewinnen, zeichnet diesen Film aus. Es sind tollpatschige, unbeholfene Schritte in eine für ihn fremden Welt, doch beweist er Mut für seinen Traum endlich anzukommen und als Arzt zu helfen. Er macht keine Unterschiede, sieht in der weißen Bevölkerung nichts anderes als Menschen, wie er selbst einer ist. Andersrum bestimmt „Was der Bauer nicht kennt, isst er auch nicht“ das Bild. Traurig, aber wahr und heute aktueller denn je.

Fazit: Fernab des moralischen Fingerzeigs, bewegt sich Rambaldi auf einer ironischen Ebene der Leichtigkeit und des Witzes. Er verunglimpft das Thema nicht, im Gegenteil, er bietet ein herzwärmendes Plädoyer an die Menschen, die von Vorurteilen getragen werden.

FSK ab 0 (weiß)Originaltitel:           Bienvenue à Marly-Gomont
Produktionsland/-jahr:   FR 2016
Laufzeit:                96 min
Genre:                   Biografie, Komödie, Drama

Regie:                   Julien Rambaldi
Drehbuch:                Benoît Graffin, Julien Rambaldi
Kamera:                  Yannick Ressigeac

Kinostart:               20. April 2017
Home Entertainment:      -

Verleih:                 Prokino

(Quelle: Prokino – Einzigartige Unterhaltung)

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