DIE DEFEKTE KATZE

DIE DEFEKTE KATZE | Erst heiraten, dann verlieben

Regisseurin Susan Gordanshekan hat mit ihrem leisen, unaufgeregten Film über eine gewissermaßen umgekehrt verlaufende Liebesgeschichte DIE DEFEKTE KATZE einen der Publikumslieblinge der Berlinale 2018 inszeniert. Hauptdarstellerin Pegah Ferydoni lässt in der Rolle der Mina den knalligen Vorabendhumor von „Türkisch für Anfänger“ weit hinter sich.

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© Alpenrepublik Filmverleih

Inhalt

Als die moderne, im Iran lebende, Mina (Pegah Ferydoni) und Kian (Hadi Khanjanpour) durch eine arrangierte Heirat  zusammen kommen, bricht nicht gleich die große Romantik aus. Aber die Jungvermählten hoffen auf eine glückliche Beziehung in Deutschland, wo Kian aufgewachsen ist und als Arzt arbeitet. Doch obwohl sich beide bemühen, scheint die Beziehung zunehmend ebenso defekt wie die graue Katze, die sich Mina kauft und die Kian nicht ausstehen kann. Jeden Tag versucht das Paar aufs Neue sich zu finden. Eine Wendung ist erst in Sicht, als sie es schaffen, sich langsam von den aufgeladenen Erwartungen, ihren eigenen sowie denen von Freunden und Familie, zu lösen.

Kritik

Das jede Ehe einmal kriselt, ist nichts Ungewöhnliches. Interessen und Prioritäten verschieben, Bedürfnisse verändern sich. Ein normaler Prozess, den die gefestigte Liebe zweier Menschen grundsätzlich übersteht. Meist finden sie wieder geeint und stärker denn je zueinander. Somit gibt es immer mal wieder Schwierigkeiten. Doch wie übersteht eine Ehe das Ungewisse und Unbekannte? Besitzt es die gleichen Fähigkeiten besagte Diskrepanzen zu erleben, zu meistern und daraus zu lernen? Wie soll man den anderen verstehen, wenn man ihn nicht kennt? Wenn man rein gar nichts von ihm weiß, geschweige denn ihn gar nicht erst liebt? Arrangierte Ehen verfügen über keinen Raum des Kennenlernens, des Verliebens oder der Annährung, sie sind da. Eltern suchen den vermeintlich passenden Partner aus. Friss oder stirb. Regisseurin Susan Gordanshekan geht in DIE DEFEKTE KATZE mit diesem heiklen Thema behutsam und sehr sensibel um, gestaltet eine arrangierte für uns und zeigt, wie sehr Frauen, aber durchaus auch Männer in arrangierten Ehen leiden. So ist es der gelehrte Arzt, der in Deutschland lebt und die Sprache fließend spricht. Dessen Pendant ist eine moderne, als Ingenieurin im Iran arbeitende Frau, die nun alles in ihrer Heimat stehen und liegen lassen soll, um fortan in der Ehe mit einem ihr unbekannten Mann zu leben. Reibungen sind damit vorprogrammiert. Während beide also aneinander vorbeileben, unausweichlich auf eine Scheidung steuern, scheint in der defekten Liebe und Ehe, eine „defekte“ Katze die beiden am Ende doch zu retten. Mina brachte eine mit einem Gendefekt zur Welt gekommene Katze ins Haus, die nun über alle Berge ist. Doch aus dieser alltagstypischen Suchaktion entwickelt sich dann doch so etwas wie eine Annährung, ein Kirmes-Flirt und dann auch mehr? Gordanshekan beweist viel Fingerspitzengefühl, traut sich aber am Ende nicht ganz das Problem bei den Hörnern zu packen. Auch kulturelle Grenzen werden angespielt, doch zu wenig ins ganzheitlich beleuchtet, sodass am Ende viele Fragen offen bleiben. Alles wieder auf Anfang zu setzen und so weiterzumachen, als wäre nie was gewesen, ist zu einfach und entspricht somit nicht der problematischen Tragweite von arrangierten Ehen. Am Ende fehlt somit die letzte Konsequenz in einem interessanten Machwerk über Kultur, Religion, Grenzen, Völkerverständigung und die unbekannte Liebe.

Fazit: Eine Liebesgeschichte, die anders beginnt. Erst wird geheiratet, danach wird sich auf Teufel komm raus verliebt. Hat diese Ehe, Chancen zu bestehen? Gordanshekan geht dieser Frage sensibel nach und bringt dabei die kulturellen Gegensätze zwischen Deutschland und Iran ins Spiel. Das ist gut vorgetragen und gespielt, aber nicht immer zu 100 Prozent treffend und konsequent – aber dafür liebevoll, dramatisch und zuweilen auch ein klein wenig witzig.

FSK ab 6 (gelb)Originaltitel:           Die defekte Katze
Produktionsland/-jahr:   DE 2018
Laufzeit:                93 min
Genre:                   Drama

Regie:                   Susan Gordanshekan
Drehbuch:                Susan Gordanshekan
Kamera:                  Julian Krubasik

Kinostart:               4. Oktober 2018
Home Entertainment:      26. April 2019

Verleih:                 Alpenrepublik Filmverleih

(Quelle: Alpenrepublik GER)

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