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ROADS | Auf den Straßen, die die Welt bedeuten

Der preisgekrönte Regisseur Sebastian Schipper (Victoria) hatte schon vor vielen Jahren die Vision eines Roadmovies vor Augen, dem der Zauber einer Freundschaft innewohnt: Ein junger Erwachsener, alleine mit dem Auto unterwegs, stößt auf einen Gleichaltrigen und begibt sich mit ihm auf einen bewegten Trip. Nun, etwa zehn Jahre später, nach über elf Wochen Dreharbeiten in drei Ländern, vor 100 verschiedenen Motiven, von Marokko über Spanien bis nach Frankreich, erweckt Sebastian Schipper seine Vision zum Leben und bringt die Geschichte zweier Freunde „on the ROADS“.

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© STUDIOCANAL

Inhalt

Der 18-jährige Gyllen (Fionn Whitehead) aus London hat das Wohnmobil seines Stiefvaters entwendet und ist dem Familienurlaub in Marokko entflohen, als er zufällig auf den gleichaltrigen William (Stéphane Bak) aus dem Kongo trifft, der versucht, die Grenze nach Europa zu überwinden, um dort seinen verschollenen Bruder zu suchen. In diesem Moment größter Verlorenheit beschließen die beiden Verbündete zu werden: Angetrieben von jugendlicher Abenteuerlust bahnt sich das ungleiche Paar seinen Weg durch Marokko, Spanien und Frankreich bis nach Calais. Während die Freundschaft und das Vertrauen der jungen Männer zueinander mit jedem Tag wächst, werden sie mit Entscheidungen konfrontiert, die nicht nur ihr eigenes Leben nachhaltig beeinflussen…

Kritik

Sebastian Schipper setzt bei seiner Arbeit auf Qualität statt Quantität. Erlesene Projekte, entsprungenen einer beispiellosen Vision. Beispiellos, das ist wohl Victoria. Ein Film ohne Schnitt, eingebettet im kriminellen Nachtleben von Berlin, in der das Drama zwei Menschen zusammenführt und ebenso wieder auseinanderreißt. Victoria setzte Maßstäbe und wurde international bis zum intellektuellen Erbrechen gefeiert. Verdient. Vier Jahre mussten Fans von Schipper auf einen Nachzügler warten. Eine Fortsetzung von visionären Gedanken. ROADS ist nun das Produkt, was den Weg auf die Leinwand gefunden hat. Ebenso eindringlich und nicht minder gesellschaftskritisch aufgehübscht. Wobei „aufhübschen“ ist das falsche Wort. Es ist eine aktuelle und notwendige Kritik. Gut umgesetzt mit zwei gut harmonierenden Darstellern in der Hauptrolle. So treffen ein Kongolese und ein England vom Schicksal geführt aufeinander und beschließen einen Trip durch das gespaltene Europa. In der Gastfreundschaft und offene Arme im Gegensatz zu Rechtspopulismus und Ausweisung steht. Das Feel-Good-Movie weiß, wie man den Ernst der Zeit auf eine charismatische und zuweilen humorvolle Art erzählt. Statt mit der Brechstange auf die Problematik einer Flüchtlingspolitik aufmerksam zu machen, nutzt Schipper den seichten Weg und sensibilisiert das Publikum wesentlich erfolgreicher. Ambitioniert schreiten wir so voran und erfreuen uns an vielen kleinen und besonders intimen Momente, die gut funktionieren und das Geschehen emotional aufladen, wie auch unter dem Strich begeistern. So wird Roads zu einem bewussten Roadmovie mitten ins Herz. Überraschend wenige Innovationen, aber dennoch ein ergreifendes Werk mit offensichtlicher Botschaft.

Fazit: Niveauvolles Roadmovie im Einklang mit dem europäischen Weltgeschehen. Realistisch und gar nicht fremd, schickt Schipper sein Duo auf eine erleuchtende Reise. Höchst ansehnlich und toll gespielt. Gut investierte 100 Minuten.

FSK ab 6 (gelb)Originaltitel:           Roads
Produktionsland/-jahr:   DE/FR 2019
Laufzeit:                99 min
Genre:                   Komödie, Drama

Regie:                   Sebastian Schipper
Drehbuch:                Sebastian Schipper, Oliver Ziegenbalg
Kamera:                  Matteo Cocco

Kinostart:               30. Mai 2019
Home Entertainment:      -
  
Verleih:                 STUDIOCANAL

(Quelle: STUDIOCANAL Germany)

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