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GEMINI MAN | Doppelter Smith gleich doppelter Erfolg?

Will Smith in einer gnadenlosen Verfolgungsjagd von Regisseur und Oscar-Preisträger Ang Lee, die sich gelegentlich im Sand der hochgesteckten Erwartungen festfährt, aber viel Positives aus Sci-Fi, Action und Drama verbindet.

Gemini Man_Poster

© Universal Pictures Home Entertainment

Inhalt

Henry Brogan (Will Smith) ist ein Weltklasse-Attentäter, der sich in den Ruhestand begeben will. Da setzt sein ehemaliger Vorgesetzter Clay Verris (Clive Owen) plötzlich einen gefährlichen Assassinen auf ihn an, der sich als Henrys eigener, im Geheimen erzeugter und vor allem viel jüngerer Klon (ebenfalls Smith, aber aus dem Computer) entpuppt. Es entbrennt ein ebenbürtiges Duell zwischen dem menschlichen Original und seiner Kopie, in dem beide immer den nächsten Schritt des jeweils anderen zu kennen scheinen. Brogan wird dabei von der Regierungsagentin Danny Zakarweski (Mary Elizabeth Winstead) und seinem Kollegen Baron (Benedict Wong) beim Überleben unterstützt, während sein Klon in eine Identitätskrise stürzt. Werden die Profi-Killer den tödlichen Teufelskreis durchbrechen können, den der undurchsichtige Verris in Gang gesetzt hat?

Kritik

Seit I, Robot hat es Will Smith in punkto Entscheidungen darüber, welche Rolle er annimmt, kein glückliches Händchen bewiesen. Mit Das Streben nach Glück, Men In Black 3 oder Aladdin konnte das Multitalent definitiv einen bei Kritikern positiven Eindruck hinterlassen und maßgeblich dazu Beitragen, dass die Kassen klingelten. Und Will Smith funktioniert tatsächlich, denn gerade erobert er im dritten Teil der Bad Boys-Reihe die weltweiten Kinos. Also satt gesehen hat man sich am sympathischen US-Amerikaner nicht. Viele Misserfolge haben oftmals einen inhaltlichen Hintergrund und wurde folglich von Kritikern gleichermaßen zerrissen, und so erging es in diesem Fall wohl auch GEMINI MAN. Dabei weckten die Rahmenbedingungen viel Hoffnung auf einen sensationellen Streifen. Einerseits Ang Lee als gefeierter und prämierter Regisseur als kreativer Strippenzieher an vorderster Front und andererseits der Einsatz des etablierten De-Agings. Einen Darsteller mit Einsatz von viel Rechenleistung zu verjüngen, erwies sich in der Vergangenheit als probates Mittel von Prequels. Populäre und gut umgesetzte Beispiele sind da vorrangig die Filme des Marvel Cinematic Universe. So wurde beispielsweise Samuel L. Jackson in Captain Marvel ansehnlich verjüngt und auch Robert Downey Jr. wurde bereits ins beste Teenageralter zurückversetzt als Teil seiner eigenen Erinnerung in The First Avenger: Civil War.

Und so wurde dieses beliebte und für mich schon recht gut eingebrachte Stilmittel auch für Gemini Man verwendet. Das raubt beim ersten Auftritt des Smith’schen Klons vielen den Atem. Kaum zu glauben, hier eine deutlich jüngere Ausgabe vom Schauspieler zu sehen – aus Zeiten, wo er noch den Fresh Prince mimte. Allein das bildet für mich mitunter einer der größten Schauwerte des Films, ebenso auch die damit einhergehende platzierte Action des Films. Das größte Verhängnis ist die fehlende Logik. Auch für mich, der einen Film stets bis zum letzten Detail aufsaugt, war es schwierig den eigentlichen Sinn des Films nachzuvollziehen. Ich tue mich in diesem Zusammenhang schwer, von einer Hanebüchen Geschichte zu reden, aber in Ansätzen trifft das zu. Es fehlt an vielen Ecken im Drehbuch die gewisse Substanz und Beweggründe. Daran haben sich eben auch Filmkritiker aufgehängt und so für einen mächtigen Verriss gesorgt, den Gemini Man so hart und der Form eigentlich gar nicht verdient gehabt hätte. Vielleicht ist es auch der Anzug, der Will Smith nicht so recht stehen will. Hier setzen die Spekulationen an.

Man muss aber echt festhalten: Wir erleben – blenden wir die Handlung bewusst aus – einen mehr als soliden und auch kunstvoll inszenierten Actioner, der seine Kinderkrankheiten hat, aber bei Weitem nicht so schlecht ist, wie sein Ruf. Kampf- und Verfolgungsszenen sind gut und ansehnlich, und der restliche Cast lässt sich ebenfalls gut aushalten. Was nun maßgeblich zum Scheitern des Films an den Kinokassen führte, darf diskutiert werden. Ich stelle nur Vermutungen an, weil ich generell ein sehr aufgeschlossener Filmliebhaber bin und Filme auch bei totalen Verriss eben eine Chance auf Sichtung gebe. Auch hier bietet es sich tatsächlich an, sein eigenes Bild vom Film zu machen und sich dann final einzubringen.

Fazit: Wer hier wirklich versagt, ist nicht Smith. Aufopferungsvoll und mit dezenten Overacting mimt er den sichtlich schockierten Auftragskiller in geregelten Bahnen, verliert sich jedoch auf halben Weg in einer kontroversen Handlung, die er nicht zu verantworten hat. Mehr Tiefgang und Ausarbeitung hätten einen deutlich positiveren Eindruck hinterlassen, sowie zahlreiche Kritiker versöhnlicher gestimmt. So bleibt bei vielen die Ernüchterung, für mich aber die Hoffnung auf bessere Zeiten mit Will Smith. Solider Film, der einen Abend sehr gut füllen kann.

FSK ab 12 (grün)Originaltitel:           Gemini Man
Produktionsland/-jahr:   US/CN 2019
Laufzeit:                117 min
Genre:                   Action, Sci-Fi, Drama

Regie:                   Ang Lee
Drehbuch:                Darren Lemke, Billy Ray, David Benioff
Kamera:                  Dion Beebe

Kinostart:               3. Oktober 2019
Home Entertainment:      13. Februar 2020

Verleih:                 Universal Pictures Home Entertainment

(Quelle: Universal Pictures Home Entertainment)

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