FREAKY | Mordendes Mauerblümchen vs. hilfsbedürftiger Hüne

Eine altbekannte Filmformel mit einer gehörigen Prise Horror und damit ausreichend frischem Wind versehen – eine Strategie, die bereits bei „Happy Deathday“ vortrefflich funktionierte und nun auch bei FREAKY voll einschlägt.

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© Universal Pictures International Germany

Inhalt

Eigentlich wollte die 17-jährige Millie Kessler (Kathryn Newton) nur noch ihr Abschlussjahr an der High School hinter sich bringen, doch mit einem Mal gerät ihr Leben auf sehr unerwartete Weise durcheinander. Der berüchtigte Serienmörder ‚Blissfield Butcher‘ (Vince Vaughn) versetzt die Stadt in Angst und Schrecken und trifft dabei auch bald auf Millie. Beim Versuch, sie zu seinem nächsten Opfer zu machen, löst er versehentlich einen uralten Fluch aus, der die Teenagerin und den Killer im Körper des jeweils anderen erwachen lässt. Jetzt hat Millie nur 24 Stunden Zeit, um den Fluch zu brechen und nicht für ewig in der Gestalt des Psychopathen gefangen zu sein, nach dem überall gefahndet wird. Mit Hilfe ihrer Freunde Nyla (Celeste O’Connor), Joshua (Misha Osherovich) und ihres Schwarms Booker (Uriah Shelton) kämpft Millie gegen die Zeit. Der „Blissfield Butcher“ findet indes Gefallen an seinem neuen Aussehen. Der Körper eines Teenagers ist für ihn die perfekte Tarnung, um zur blutigen Tat zu schreiten. 

Kritik

BLUM IN DA HOUSE: Fast ein Jahr mussten wir auf FREAKY warten, doch das hat sich gelohnt, denn der Film besticht nicht durch typische Horror-Klischees, sondern eher wie er diese gekonnt aufs Korn nimmt. Ein passendes Beispiel hierfür, ist die Verfolgung von Millies Clique. Hier ruft Josh seiner Freundin Nila zu: „Du bist schwarz, ich bin schwul, wir werden die ersten sein, die getötet werden.“ Lacher sind ebenso Programm, wie derbe Gewalt. Aber im Vergleich zu anderen Filmen des Genres gibt Landon auch den Nerds und Cheerleadern eine Überlebenschance, was gleich wesentlich sympathischer wirkt. Dennoch müssen allerhand an illustren Zeitgenossen, vor allem die richtig bösen Hunde im regelmäßigen Abstand und auf sehr brachiale Weise dran glauben. Wenn man einen starken Magen besitzt, hat mir definitiv viel gewonnen. Besonders erfrischend sind dabei die Nebencharaktere, die erfahrungsgemäß und nach festem Muster in solchen Filmen billiges und dummes Kanonenfutter sind. Dabei sorgen sie für den gewissen Touch und machen Freaky auf so vielen Ebenen persönlicher. Im Kontrast dazu stehen Vince Vaughn und Kathryn Newton. Beide brauchen eine gewisse Zeit um im Film anzukommen. So hat Vaughn erhebliche Probleme, den Serienkiller überzeugend zu spielen, während Newton an der Rolle des Mauerblümchen scheitert. Passiert allerdings der Switch, so erleben wir zwei gänzlich neue Figuren und erleben auch eine entsprechende Leistung der Schauspieler. Darauf zielt es ja im Endeffekt auch ab, schließlich ist das die größere Herausforderung. 

Doch bei all der Gewalt und der denkwürdigen Comedy findet Regisseur Landon auch den Raum, um seinen Film in ernstere Gefilde zu führen. So ist der thematisierte Alkoholismus von Millies Mutter nicht nur ein dramatisches Problem, sondern auch handlungsrelevant. So bringt dieser Umstand Millie unweigerlich zu dem Augenblick, in dem sie den „Butcher“ das erste Mal begegnet. Ein ähnliches Element hat beispielsweise auch wunderbar in Happy Deathday funktioniert. Tree bekommt die Gelegenheit vor allem an ihrer Beziehung zu ihrem Vater zu arbeiten und erhält sogar in der Fortsetzung die Chance, fortan ein Leben wieder als intakte Familie zu führen – an der Seite ihre eigentlich verstorbenen Mutter. Entscheidungen und Werdegänge, die emotional durchaus auch Sinn machen. Nur auf rohe Gewalt und Humor zu setzen, reicht bei Blumhouse nicht aus. Die emotionale Ebene ist eines der Credos und verleiht den Filmen, wie auch Freaky, mehr Menschlichkeit. 

Fazit: Locker-flockige Körpertausch-Thematik gepaart mit viel Gewalt und noch mehr Humor. Landon setzt wieder einmal ein Genre-Ausrufezeichen, in dem er mit typischen Klischees bricht und diese sogar ironisiert. Ein wunderbarer Beitrag, der durchweg gefällt, aber nicht perfekt ist.

FSK ab 16 (blau)Originaltitel:           Freaky
Produktionsland/-jahr: US 2020 Laufzeit: 102 min Genre: Horror, Thriller, Komödie Regie: Christopher Landon Drehbuch: Christopher Landon, Michael Kennedy Kamera: Laurie Rose Kinostart: 24. Juni 2021
Home Entertainment: -

Verleih: Universal Pictures International Germany

 

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