THE FRENCH DISPATCH | Ein kunstvolles Wimmelbild

Nach „Isle of Dogs – Ataris Reise“ meldet sich Ausnahmeregisseur Wes Anderson nun zurück: THE FRENCH DISPATCH erweckt eine Sammlung von Geschichten aus der letzten Ausgabe einer amerikanischen Zeitschrift zum Leben, welche in einer fiktiven französischen Stadt im 20. Jahrhundert erscheint.

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© 20th Century Studios

Inhalt

Anlässlich des Todes ihres vielgeliebten, ursprünglich aus Kansas stammenden Verlegers Arthur Howitzer Jr. versammeln sich die Mitarbeiter von „The French Dispatch“, eines bekannten Magazins mit Sitz in der französischen Stadt Ennui-sur-Blasé, um seinen Nachruf zu verfassen. So entstehen vier, von den Erinnerungen an Howitzer geprägte Geschichten: eine Art Reiseführer über die schäbigsten Ecken der Stadt von dem „radelnden Reporter“; „Das Beton-Meisterwerk“ über einen geistesgestörten, kriminellen Maler, seine Gefängniswärterin und Muse sowie seinen raffgierigen Kunsthändler; „Korrekturen eines Manifests“, eine Chronik von Liebe und Tod auf den Barrikaden, auf dem Höhepunkt einer Studentenrevolte; sowie „Das private Speisezimmer des Polizeichefs“, eine fesselnde Geschichte über Drogen, Kidnapping und die gehobene Küche.

Kritik

Drei Jahre nach Isle of Dogs – Ataris Reise kehrt Wes Anderson zurück – und wie! Allein die Besetzung liest sich wie die Einladung zu einer renommierten Preisverleihung: Benicio del Toro, Adrien Brody, Tilda Swinton, Léa Seydoux, Frances McDormand, Timothée Chalamet, Lyna Khoudri, Jeffrey Wright, Mathieu Amalric, Stephen Park, Bill Murray und Owen Wilson zählen dabei nur zu denjenigen, die spür- und sehbare Screentime besitzen. Fast schon unter gehen dabei Größen wie William Dafoe, Edward Norton, Liev Schreiber, Elisabeth Moss, Saoirse Ronan oder Rubert Friend. Anderson ist beliebt. Sein Handwerk sucht seines Gleichen. Der Hang zu kunstvollen Inszenierungen ist beliebt und gefragt. Vor allem Leinwandlegende Bill Murray kehrt immer wieder zurück in die Welt von Anderson. Murray ist zu Anderson Stilmittel geworden. Charismatisch, erfahren und ein Leuchtturm, der andere am Set und weiter leiten kann. Murray ist als Arthur Howitzer Jr. auch der Ausgangspunkt einer erzählerischen Achterbahnfahrt. THE FRENCH DISPATCH ist Anderson ganzer Ausdruck künstlerischer Freiheit. In mehreren Episoden wird der Zuschauer an der Nase herumgeführt und verwirrt. Das Ensemble so mächtig und mit ihren Figuren so ausdrucksstark, fördern dieser überfrachtete Geschichte meisterlich. Wo vorne und hinten ist, keine Ahnung. Es verhält sich wie ein Wimmelbild. Wir suchen keine Figur, sondern eine Geschichte, die wir anfangs nicht verstehen. Aber müssen wir sie verstehen? Wes Anderson bezaubert wie einst in Grand Budapest Hotel. Bunt, verzückt und frisch, aber zusammenhangslos. The French Dispatch habe ich nicht verstanden. Wohin der Film will oder vorher er kommt. Ich verstand es einfach nicht. Doch lass ich diese schwarz-weiße Revue passieren, lass ich die aufploppenden Farben wirken, so dann wird mir alles klar. Es ist ein Spiel. Ein fiktives, aber zugleich fleischgewordenes Gemälde. Es erzählt vieles, nicht nur das eine. Es ist die Verspieltheit in Person. So braucht es nicht zwangsläufig eine Geschichte, die Geschichte erzählen wir und die zahlreichen Figuren in einer erfundenen Welt sind unsere Inspiration. Eine Interpretation, die mir in den Sinn kam. Doch blicke ich auf vergangene Werke, ist es ein Teil des Besten, ein Hauch Handschrift und die Freiheit eines jeden, sich zu verlieren. The French Dispatch wird spalten. Die einen werden es lieben und verstehen, die anderen abnicken und verdrängen. Mit Sicherheit nicht das stärkste Werk Andersons, aber ein Erquickung des Kinos. 

Fazit: Eine melancholische Komödie à la Wes Anderson. Kunstvoll und stillsicher, aber überfrachtet. Ein lebendiges Gemälde auf Identitätssuche. The French Dispatch verspricht viel, kann aber nicht allem gerecht werden.

FSK ab 12 (grün)Originaltitel:           The French Dispatch
Produktionsland/-jahr: US/DE 2021 Laufzeit: 108 min Genre: Komödie, Drama, Romanze Regie: Wes Anderson Drehbuch: Wes Anderson, Jason Schwartzman, Roman Coppola, Hugo Guinness
Kamera: Robert D. Yeoman Kinostart: 21. Oktober 2021
Home Entertainment: -

Verleih: 20th Century Studios

 

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