ETERNALS | Wo wart ihr die ganze Zeit?

Die ETERNALS sind unsterblich und entstammen den Tiefen des Marvel Universums und haben das Schicksal der Menschen seit tausenden von Jahren begleitet – sind dabei aber immer im Hintergrund geblieben. Doch durch die mysteriöse Rückkehr der Deviants sieht sich die Erde nun einer Bedrohung gegenüber, der nur die Eternals gewachsen sind.

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© Walt Disney Studios Motion Pictures

Inhalt

Die Eternals mögen menschlich aussehen, doch sie sind eine übermächtige Alien-Rasse, die sich seit sieben Jahrtausenden auf dem Planeten Erde aufhält … allerdings unentdeckt. Denn auch wenn sie Zivilisationen und menschliche Geschichte im Hintergrund beeinflussten, haben sie sich mit ihren enormen Kräften nie selbst aktiv eingemischt. Selbst dann nicht, als Thanos im Kampf gegen die Avengers die Hälfte aller Lebewesen im Universum in Staub auflöste. Doch nachdem ihre Anwesenheit unter den Menschen so lange Zeit ein Geheimnis war, ändert sich nun ihr Credo, nicht einzuschreiten. Und Schuld daran sind die gefährlichen Deviants, die als uralte Feinde der Eternals plötzlich aus der Versenkung auftauchen und das Leben auf der Erde bedrohen.

Kritik

Film Nr. 4 nach Avengers: Endgame und einleitend lässt sich sagen: Ich kann Euch gar nicht sagen, was ich von den ETERNALS halten soll. Meine innere Zerissenheit ist schon enorm und hatte ich in dieser Form noch nie so ausgeprägt. Man muss sich zu Beginn eines vor Augen führen. Chloé Zhao inszeniert hier satte 157 Minuten und führt ganze zehn neue Helden und Heldinnen ein. Hier schreit mein System schon „overload“. Team up-Filme gehören zu Marvel, wie der Motor zum Auto. Ohne diese geht es einfach nicht wirklich voran, doch verliert das „Marvel Cinematic Universe“ zum ersten Mal so richtige seine gewohnte Linie. Zhao, die in diesem Jahr bei den Oscars mit ihrem sozialkritischen Drama Nomadland einen Preis nach dem anderen mit nach Hause nehmen durfte, darf die ambitionierte Charakter-Regisseurin sich nun an einem Epos versuchen, der zweifelsohne ihre Handschrift trägt, sich aber nur bedingt für diese Art von Filmen tatsächlich eignet. Ich würde das als Kompatibilitätsproblem bezeichnen. Hier kommt zwei Dinge zusammen, die nicht zusammengehören. Ich bin ein großer Fan von Zhao, doch so schwer mir das auch fällt, passt sie nicht zu den Erwartungen, die der Zuschauer an die kommenden MCU-Helden und -Heldinnen hat. Ein Fakt, den man leider nicht außer Acht lassen darf. Wenngleich Marvel-Neulinge durchaus diesen eher dramatischen, stark charakterbezogenen Einschlag auch wohlwollend aufnehmen. Doch für mich stand das MCU immer für Action, Humor und epochale Momente. Dieses Gefühl hat sich bei Eternals zu keinem Zeitpunkt eingestellt.

Eine grundlegende Entscheidung, getroffen von den Produzenten, die mit dem Echo nun leben müssen. Und da dürfte es einigen Gesprächsbedarf geben, denn die Kritiken zu den Eternals fallen international äußerst schlecht aus und ich kann einen Teil davon durchaus nachvollziehen. Einen Punkt habe ich indes schon angesprochen. Ein weiterer Kritikpunkt sind Laufzeit und die Charakterzeichnungen. Der Film wollte viel, gab aber im Kern nicht mehr her. Sicherlich erhalten wir viele Antworten auf Fragen, die gerade Thanos betreffen und warum die Eternals nicht eingeschritten sind, aber sonst bleibt das doch sehr erfrischende Ensemble blass und ohne Tiefgang. Hier werden traurige Erinnerungen an Joss Whedons Justice League, der zusammenhangslos viele Charaktere, wie AquamanThe Flash oder Cyborg eingeführt hat und sich damit im DCEU mächtig hingelegt hat. So schlimm ist es bei den Eternals zum Glück nicht, aber sollte Whedons Film ein warnendes Beispiel sein, wie es auch laufen kann. Grundsätzlich sind alle Charaktere überaus interessant, mystisch und zugleich so herzerwärmend. Allerdings schafft es Zhao nicht, trotz ihrem Gespür für Charaktere nicht, sie mit ausreichend Leben und Geschichten zu füllen. So fühlt es sich an, wie viele unausgereifte Solofilme, zusammengefügt zu einem Epos ohne wirklichen Epos. Was ich wirklich sehr schade finde, zumal ich mich vor allem auf diese neue Riege nach den Avengers gefreut habe. 

Es ist schon unglaublich, dass es sich bei den Eternals um den schlechtesten MCU-Film handeln soll. Bei Rotten Tomatoes erhält der Film eine Wertung von 54% bei 188 Reviews. Damit löst er den bis dato schlechtesten Film Thor: The Dark Kingdom ab (66%). Wie gesagt, zu einem gewissen Teil teile ich die Meinungen der Kritiker und Zuschauer. Für mich ist der Film definitiv zu lang und nicht zu Ende gedacht. Fakt. Zhao ist grandios, passt aber nicht zu derartigen Filmen. Fakt. Aber warum ich den Film bei aller Kritik dennoch nicht abstrafen möchte, liegt vor allem daran, dass er wirklich anders ist. Besonnen und ruhig, wie ein mystisches Märchen. Actiongeladen ist er nur bedingt und fügt dadurch dem MCU ein neues Gesicht hinzu, was man bis dato nicht kannte. Das mag abschreckend wirken, gerade für eingefleischte Fans. Aber bleibt doch eine gewisse Faszination hängen. Zumal ich die Besetzung herausragend und sehr facettenreich finde. Dadurch hebt sie sich schon automatisch von den Avengers oder Guardians of the Galaxy ab. Statt wie so sonst auf die Mischung Action-Comedy zu setzen, vertraut man auf das Gespür von Zhao. Denn wo es auf der einen Seite nicht passt, so passt es dann irgendwie doch. Der emotional-dramatische Hauch, der in der Luft liegt, ist ebenfalls ein neues Element und gewöhnungsbedürftig. Im Grunde lässt sich darüber streiten, was wäre besser gewesen und vor allem mit wem wäre es besser gewesen. Es gibt Dinge, die mich stören, aber vielleicht auch nur, weil ich so etwas als fremd sehe im Zusammenhang mit dem MCU. Auch muss ich sagen, bin ich kein sonderlich großer Fan von Angelina Jolie, wobei sie mich hier doch abholen konnte, aber es braucht glaube ich im Allgemeinen viel Zeit, um die Eternals zu verstehen. Der Cast um Gemma Chan, Richard Madden und Selma Hayek macht seine Rolle auch wirklich gut, was sehr positiv hervorzuheben gilt. Sie holen das Maximum aus ihren Charakteren raus, wobei Zhao sich auch wieder profilieren konnte. Die Bilder sind zudem schön und verträumt. In langsamen Sequenzen blicken wir in die Ferne oder sind auch sehr nah an den Figuren dran, wir empfinden gemeinsam mit ihnen und lassen uns auf ein ganz anderes Level ein. Es fehlt zwar noch das Momentum des Mitfieberns, aber die Eternals werden noch eine sehr große Rolle im MCU spielen. Sie sind jetzt endlich da und sie haben eine Aufgabe. Wir haben 7000 Jahre gewartet, dann machen diese paar Jahre den Kohl auch nicht mehr fett. 

Fazit: Die Eternals sind nun das dritte Team-up im MCU – nach den Avengers und Guardians of the Galaxy. Und gewiss haben sie a) kein leichtes Erbe und b) braucht es Zeit, um zu verstehen und anzunehmen. Chloé Zhao ist eine außergewöhnliche Regisseurin, die durchaus eine Bereicherung für das Marvel Cinematic Universe ist. Ihre Handschrift mag in erster Linie nicht gut zu den Ambitionen und Erwartungen der Zuschauer passen, dennoch ist sie mutig und verleiht mit ihrer individuellen Handschrift dem ganzen Treiben frischen Wind. Mit Sicherheit sind 157 Minuten zu viel, für das was man am Ende geboten bekommt und auch so fühlt sich alles wie eine langgezogene Einleitung an, doch braucht es auch diese Art von Helden und Heldinnen, um gegen noch größeren Gefahren als Thanos zu bestehen. Sie werden ihren Moment bekommen, diese war es noch nicht zu 100 Prozent, aber MCU-Ultras (wie ich) gingen müde, aber zufrieden aus dem Kino.

FSK ab 12 (grün)Originaltitel:           Eternals
Produktionsland/-jahr: US/UK 2021 Laufzeit: 157 min Genre: Action, Drama, Abenteuer Regie: Chloé Zhao Drehbuch: Chloé Zhao, Patrick Burleigh, Ryan Firpo, Kaz Firpo
Kamera: Ben Davis Kinostart: 4. November 2021
Home Entertainment: -

Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures

 

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