NICHT SCHON WIEDER ALLEIN ZU HAUS | Die Zerstörung eines Weihnachtsklassikers

Vor über 30 Jahren schuf John Hughes einen Weihnachtsklassiker. „Kevin allein zu Haus“ haben wir alle schon gefühlt hundertmal gesehen. Wir können ihn auswendig und doch wird er niemals langweilig. Heutzutage ist das eine Seltenheit. Einen Film mit so weitreichendem Einfluss ohne abbauenden Interessensverlust des Zuschauers zu kreieren, ist ganz großes Kino und ein Glanzstück. Kein Wunder also, dass Fortsetzungen äußerst beliebt sind.

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© 20th Century Studios

Inhalt

Max Mercer (Archie Yates) ist ein frecher und einfallsreicher Junge, der zurückgelassen wurde, während seine Familie die Feiertage in Japan verbringt. Als ein Ehepaar das Haus der Familie Mercer ins Visier nimmt, um ein unbezahlbares Erbstück zu stehlen, liegt es an Max, es vor den Eindringlingen zu schützen… und er wird alles tun, um sie aufzuhalten. Es kommt zu urkomischen Verwicklungen epischen Ausmaßes, aber im absoluten Chaos erkennt Max, dass es keinen Ort gibt, der so schön ist wie das eigene Zuhause – Home Sweet Home.

Kritik

Vor über 30 Jahren schuf John Hughes einen Weihnachtsklassiker. Kevin allein zu Haus haben wir alle schon gefühlt hundertmal gesehen. Wir können ihn auswendig, zitieren fleißig seine besten Momente und doch wird er niemals langweilig. Heutzutage ist das eine Seltenheit. Einen Film mit so weitreichendem Einfluss zu kreieren, ist ganz großes Kino und ein Glanzstück. Viele sind mit Kevin aufgewachsen. Wer hat sich nicht schon immer mal als kleines Mädchen und kleiner Junge gewünscht, sturmfrei und seine nervenden Eltern nicht 24/7 um sich zu haben. Eine Traumvorstellung, die jeden schnall auch zu Albtraum werden kann. Familie ist an Weihnachten das A und O. Gerade jetzt, wichtiger denn je. Kevin allein zu Haus lehrt uns Vieles, auch die Kunst herzhaft zu lachen. Der Kampf eines scheinbar hilflosen Achtjährigen gegen zwei skrupellose Verbrecher hat Filmgeschichte geschrieben. Der „Battle Plan“ die Ausgeburt kindlicher Fantasie und die Umsetzung Comedy in Reinform. Macaulay Culkin, Joe Pesci und Daniel Stern sorgen als Trio für eine wunderbare Zeit. Eine eben liebgewonnene Tradition, dessen Bedeutung man nicht außer Acht lassen sollte. Doch das ist tatsächlich geschehen.

Disney und die Verantwortlichen von 20th Century Studios haben es tatsächlich geschafft, einen Weihnachtsklassiker zu Zerstörung. NICHT SCHON WIEDER ALLEIN ZU HAUS ist 90 Minuten nicht zu ertragen. In meinem kurzen Statement auf Facebook und Instagram habe ich bereits davor gewarnt, diesem Film keinerlei Beachtung zu schenken. Doch wo fange ich bei all den Kritikpunkten an? Ich konzentriere mich auf drei wesentliche Aspekte, die mir sämtliche Freude aus dem Körper gezogen haben. Grundlegend wird dieser Film als Fortsetzung erzählt, fühlt sich aber jede Sekunde wie ein überzogenes und zwanghaftes Remake von Kevin allein zu Haus an. Besonders erschreckend empfand ich dabei die mutwillige Boshaftigkeit und verstörende Performance von Hauptdarsteller Archie Yates, der den Kevin für Arme namens Max verkörpert. Die Motivation, die sich hinter seinem Handeln versteckt beruht allein darauf, dass er total klischeebehaftet und beschränkt sich einem Missverständnis hingibt und infolgedessen einen Schlachtplan gegen die „bösen“ Einbrecher ausarbeitet. Diese zielt aber bewusst nur auf die körperliche Verletzung bis hin zu einer potentiellen Gefahr für Leib und Seele ab. Das spielerische und kindliche, wofür wir eben Kevin so sehr lieben, ist hier komplett ausgeufert und alles andere als nachvollziehbar und sympathisch. Sympathie ist hier auch das richtige Stichwort. Keiner der Charaktere spielt gut und verständlich seine Rolle. Immerhin kann man zu einem Minimü Pam und Jeff McKenzie verstehen und warum sie diese Tortur auf sich nehmen. Wir fangen an, mit ihnen mitzufühlen. Wir entwickeln Empathie für die beiden und wünschen dem kleinen Max nur das Schlechte. Die Art und Weise, wie das hier von Dan Mazer und den unterbelichteten Drehbuchautor inszeniert wurde, ist eine Schande und eine 90-minütige Körperverletzung. 

Auch diese Zwang, Verbindungen zu Kevin allein zu Haus herzustellen passiert so plump und lieblos, dass ich wieder völlig verzweifelt den Kopfschütteln. Immerhin schafft es Regisseur Dan Mazer in einem kurzen Moment der Besinnlichkeit, den Spagat aus Erstling und Katastrophe zu meistern und für einen – ja wirklich einen – Schmunzler zu sorgen. Ansonsten ist der Film ein Totalausfall. Voller Klischees, unterirdischer Schauspielleistung, Drehbuch-Desastern, Logiklücken, überzogener Brutalität und einem Ende, dass ich eigentlich vor Gericht gesehen hätte. Erspart Euch den Versuch, diesen Film mit der Familie zu schauen. Bleibt beim einzig wahren Weihnachtsklassiker. Ich mach hier jetzt auch Schluss, denn sonst schreib ich mich in Rage.

Fazit: Eine bodenlose Frechheit, die es immerhin nicht ins Kino geschafft hat. Jede Faser meines Körpers sträubt sich dagegen, Nicht schon wieder allein zu Haus etwas Gutes abzugewinnen. Ich bin bitterlich enttäuscht und rate Euch, hier einen ganz großen Bogen zu machen. Einer der schlechtesten Filme, die ich jemals gesehen habe. Schämt euch Disney!

FSK ab 6 (gelb)Originaltitel:           Home Sweet Home Alone
Produktionsland/-jahr: US 2021 Laufzeit: 93 min Genre: Komödie, Action, Familie Regie: Dan Mazer Drehbuch: Mikey Day, Streeter Seidell
Kamera: Mitchell Amundsen Startdatum (online): 12. November 2021 (auf Disney+)
Home Entertainment: -

Verleih: 20th Century Studios