SPENCER | Freiheit im Schatten des royalen Scheins

In der Ehe zwischen dem Prinzen und der Prinzessin von Wales herrscht seit Langem Eiszeit. Trotz der wilden Gerüchte über Affären und eine Scheidung wird für die Weihnachtsfeierlichkeiten auf dem königlichen Landsitz der Frieden verhängt. Doch im Schatten von Glanz und Gloria schmiedet Diana – einstige SPENCER – einen lebensverändernden Plan.

.INHALT.

Diana (Kristen Stewart), Prinzessin von Wales, ist Anfang der 1990er-Jahre weit davon entfernt, glücklich zu sein – weder an der Seite von ihrem Gatten Prinz Charles (Jack Farthing), noch mit ihrer Berühmtheit und ihrer festgefahrenen Rolle im englischen Königshaus. Also fasst sie die Entscheidung, dass sie etwas unternehmen muss, um schnellstmöglich aus ihrem goldenen Käfig auszubrechen. Nur wenn sie die Ehe zu dem britischen Thronfolger beendet und den Mut fasst, eigenen Wegen zu gehen, hat sie die Chance, ihr Leben eigenmächtig zu verändern. Während der drei Weihnachtsfeiertage auf dem königlichen Anwesen Sandringham in Norfolk ringt sich die junge Frau durch, ihr royales Dasein endgültig abzulegen, auch wenn das weitreichende Konsequenzen nach sich zieht…

© DCM

.KRITIK.

Meinen ersten Berührungspunkt mit Kristen Stewart hatte ich 2002. Als Panic Room erschien und ich ihn sah, war ich danach total begeistert. Setting, Story und Charaktere waren einem kurzweiligen Thriller würdig und im Mittelpunkt spielt sich eine blutjunge Kristen Stewart ins Gedächtnis des Zuschauers. Ich fand sie toll, doch schon damals hat sie sich diesen unvergleichlichen Blick patentieren lassen. Was in den darauffolgenden Jahren als durchaus verständlicher Kritikpunkt gewertet wurde, scheint jetzt wieder richtig in Mode zu kommen. Aber Stewart, die durch ihre Einbahnstraßen-Mimik, aber natürlich auch durch ihr Schauspiel zu Weltruhm gelangte, hat eine für mich der größten Entwicklungen durchgemacht. Nach dem Twilight-Kapitel brach sie auf zu neuen Ufer, hat sich und Filme ausprobiert – mal mit guten, mal sehr mäßigem Erfolg. Sie macht das worauf sie Lust hat. Eine waschechte Rebellin.

Doch die Experimentierfreude hat sie reifen lassen. Anspruchsvolle Rollen, wie einst Personal Shopper oder Café Society gehören immer stärker zu Stewarts Vorliebe. Selten verirrt sich ein Blockbuster aus der Mainstream-Schublade in Stewarts Tanzbereich. Underwater war so ein Ding, was ich irgendwie gut, aber nicht schlecht fand. Damit macht man eben die dickste Kohle. Aber nun überrascht Stewart mit einer ausdrucksstarken Biopic-Rolle. In SPENCER mimt Stewart Diana in einem der wohl wichtigsten Kapitel ihres Lebens. Schon oft wurde das und der Mensch Diana, dessen Schicksal wir alle kennen, porträtiert. Immer wieder wurde eine andere Seite ihres facettenreichen Lebens gezeigt. Doch das verändert sich nun – igendwie.

Regisseur Pablo Larraín hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Stewart ein gewaltiges Drama zu inszenieren, dass sich in keinem vorgeschrieben Muster bewegt. Tiefgründig ist der Ausflug von Stewart als Diana nicht, aber erfüllt er seinen Zweck. Und zur großen Überraschung vieler Kritiker ihrer früheren Filme, stemmt sie diese Rolle mit unglaublicher Leichtfüßigkeit und Feingefühl. Der Spagat aus Glanz, Glamour und Albtraum wird durch ihre Verkörperung greifbar. Und schafft es, was ich besonders herausstellen muss, fast zwei Stunden gebannt an ihr zu kleben. Es ist ein Zauber, den man selten erlebt und Stewart ist rein auf schauspielerischer Ebene noch ein viel schönerer Schmetterling geworden. Unfassbare Prozesse hat sie durchlaufen und meistert Diana in einem wunderschön fotografierten England der 1990er-Jahre bravourös. So gefällt mir auch mal diese Art von Film, die sonst eher selten den Weg in meinen Tanzbereich findet.

.FAZIT.

Oft kritisiert, straft sie nun ihre schärfsten Kritiker ab. Spencer ist der Film, der Kristen Stewart und ihr Schauspiel gerecht wird und der einen Ausschnitt aus Dianas Leben zeigt, der alles in ihr und um sie herum verändert. Larraín hat es geschafft ohne Ausufern und Tiefgründigkeit, ein doch in Gänze würdiges und eindrucksvolles Werk zu schaffen. Eine schön inszenierte Interpretation der einstigen Spencer, die aus dem goldenen Käfig ausbricht und fliegen lernt. Und die Konsequenzen ihrer Entscheidung schon bald zu spüren bekommt.



OriginaltitelSpencer
Produktionsland/-jahrGroßbritannien, Deutschland, USA 2021
Laufzeit117 min
GenreDrama, Biografie
RegiePablo Larraín
DrehbuchSteven Knight
KameraClaire Mathon
Kinostart13. Januar 2022
Home Entertainment
VerleihDCM
Quelle: Kinoschmiede

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