SEE FOR ME | Eine blinde Frau gegen den „Rest“ der Welt

Bewaffnet nur mit einem Smartphone muss sich in SEE FOR ME die blinde Sophie gegen ein skrupelloses Einbrecher-Trio verteidigen.

.INHALT.

Als die junge Athletin Sophie (Skyler Davenport) durch eine Krankheit erblindet, wird ihre vielversprechende Ski-Karriere abrupt beendet. Nun schlägt sie sich mit Gelegenheitsjobs bei wohlhabenden Familien durch. Ihr neuester Auftrag: Cat-Sitting in einer abgelegenen Luxusvilla in Upstate New York. Aus dem vermeintlich langweiligen Job wird ein Kampf ums nackte Überleben, als nachts drei skrupellose, brutale Einbrecher in die Villa eindringen.

Sophies letzte Hoffnung: Die App „See For Me“. Über ihr Smartphone wird sie per Zufall mit der Veteranin Kelly (Jessica Parker Kennedy) verbunden, die jetzt das Sehen für Sophie über die Webcam übernimmt. Mit vereinten Kräften stellen sich die beiden jungen Frauen den Eindringlingen, die nicht einmal vor einem Mord zurückschrecken.

© Atlas Film

.KRITIK.

Mit Don’t Breathe gelang es Regisseur Fede Alvarez das Horrorgenre neu zu beleben. Der Umstand, das eine Gruppe halbstarker Einbrecher einen blinden Kriegsveteranen ausrauben wollen und der plötzlich den Spieß umdreht, ist elektrisierend. Atmosphäre, die permanente Stille und die Frage, wer hier wirklich der Böse ist, haben mich sehr beeindruckt – und auch Sony. So bekam Don’t Breathe eine Fortsetzung spendiert, die fast schon für sich steht und weitaus brutaler daherkommt, aber nicht weniger gut ist.

Somit war ich bezüglich der Thematik etwas vorbelastet, als ich mir SEE FOR ME angesehen habe. Doch zu meiner großen Überraschung ist der Film doch etwas völlig anderes. Nicht nur, dass eine erblindete Leistungssportlerin im Fokus der Handlung steht, sondern auch die Art, wie sie mit der Bedrohung umgeht. Die Protagonistin Sophie wird unweigerlich Opfer eines bitteren Zufalls. Sie möchte sich als Cat-Sittern etwas dazu verdienen und das ausgerechnet bei Schwerreichen in einer opulenten Villa. Und dass diese natürlich auf der Liste von äußerst skrupellosen Einbrechern steht, überrascht zu Beginn wenig. So steht Sophie einem nervenzerreißenden Überlebenskampf gegenüber. Doch diesen Kampf nimmt sie an, dank einer App. „See for Me“ verbindet Sophie in ihrer größten Not mit der Veteranin Kelly, die schnell den ernst der Lage erkennt und gemeinsam mit Sophie versucht, dem Unheil zu entkommen.

Damit sind die Parameter klar. See for Me schafft es, viel aus seinen Gegebenheiten herauszuholen, verschenkt aber über weite Strecken viel Potential. Da wäre in der Tat noch mehr drin gewesen, was nicht heißen mag, dass der Film schlecht ist. Ich begrüße es sehr, dass die Thematik aus Don’t Breathe eine Variation erhält, die damit noch weiter die Spannung nach oben treibt. Dieses Szenario ist beklemmend, das Setting cool und besonders erfreulich ist der Auftritt von Kim Coates. Alles in allem macht der Film Spaß, ist mit seinen knappen 90 Minuten perfekt für einen Abend zu Zweit auf der Couch und fügt sich wirklich gut in die Reihe von Don’t Breathe oder Hush ein. Ein weitergedachter, sowie wendungsreicher Home-Invasion-Thriller, der als solider Genrevertreter abwechslungsreiche Maßstäbe setzen kann, aber leider für etwas Frust sorgt, wenn man Sophie beim Agieren zu sieht – denn immer logisch ist das nicht, aber verzeihbar.

.FAZIT.

Nach Don’t Breathe und Hush liefert Regisseur Randall Okita einen äußerst mitreißenden Home-Invasion-Thriller ab, der vieles richtig macht, aber leider nicht ganz sein Potential ausschöpft. See for Me präsentiert sich aber grundsätzlich gut durchdacht, dynamisch und atmosphärisch dicht. Somit sind die Voraussetzungen für spannendes Heimkino-Erlebnis erfüllt.



OriginaltitelSee for Me
Produktionsland/-jahrKanada 2021
Laufzeit92 min
GenreDrama, Horror, Thriller
RegieRandall Okita
DrehbuchAdam Yorke, Tommy Gushue
KameraJordan Oram, Jackson Parrell
Kinostart
Home Entertainment20. Mai 2022
VerleihAtlas Film