AMBULANCE | Null Anspruch, maximale Unterhaltung

Es soll eigentlich nur ein schneller, sauberer Banküberfall werden – doch er entwickelt sich zu einer explosiven Hetzjagd durch die Straßen von L.A., die das Leben von drei Menschen für immer verändern wird.

.INHALT.

Um die Behandlung seiner schwer erkrankten Frau zahlen zu können, wendet sich Will Sharp (Yahya Abdul-Mateen II) an die eine Person, die er normalerweise niemals um Hilfe bitten würde, seinen Adoptivbruder Danny (Jake Gyllenhaal). Aber statt ihm auszuhelfen, lockt ihn der charismatische Profidieb mit der Chance seines Lebens: ein Bankraub mit einer 32-Millionen-Dollar-Beute. Ein hoher Einsatz und ein noch höheres Risiko, doch um seine Frau zu retten, lässt sich Will auf den riskanten Überfall ein. Bis zum letzten Moment scheint tatsächlich alles zu gelingen, doch kurz bevor sie unbehelligt verschwinden können, läuft der perfekte Plan spektakulär aus dem Ruder. Um doch noch entkommen zu können, kapern die beiden Brüder einen Krankenwagen mit einem angeschossenen Cop und der routinierten Rettungssanitäterin Cam Thompson (Eiza González) an Bord. Gejagt von allen Einsatzkommandos, Hubschraubern und jedem Polizisten der Stadt beginnt eine halsbrecherische Vollgas-Flucht durch die Straßen von Los Angeles. Die Uhr tickt, ihre Leben hängen am seidenen Faden und ganz L.A. wird zum Schauplatz der wohl explosivsten Hetzjagd aller Zeiten.

© Universal Pictures Home Entertainment

.KRITIK.

Michael Bay ist eine Institution. Von vielen gehasst und geliebt. Seine Handschrift unverkennbar: explosiv, actionreich, hirnlos – und hirnlos ist ein besonderes und zugleich positives Prädikat. Kein anderer schrottet so viele Autos und betreibt so glorreich bezahlten Vandalismus, wie er. Für mich hat Bay, mit einigen wenigen Ausnahmen, immer das abgeliefert, was er zuvor großspurig angekündigt hat. Zu einem gewissen Punkt fand ich auch die Transformers-Reihe unter seine Obhut gut. Bad Boys von 1995 großes Kino und einstiges Sprungbrett für Will Smith. Kaum zu glauben, dass der ambitionierte Filmemacher aus Los Angeles mit Musikvideos für Tina Turner oder Lionel Richie zu Beginn seiner Karriere seine Brötchen verdient hat.

Es ist auch schon eine ganze Weile her, dass ich zuletzt eine Bay’sche Zerstörungsorgie gesehen habe. Tatsächlich war es Pain & Gain, den ich ziemlich langatmig, aber durchaus unterhaltsam fand. Fast zehn Jahre habe ich Bay gemieden, bewusst. Es war mir irgendwann dann doch zu eintönig und immer dasselbe. Und im Grunde ist das AMBULANCE auch, mit einem Unterschied: Jake Gyllenhaal und die gut funktionierende Dramatik im Action-Kontext. Damit habe ich auch schon zwei äußerst positive Punkte angesprochen. Jake Gyllenhaal ist ein unfassbar guter und wandelbarer Schauspieler. Er kann den Gutmenschen, aber auch den Bösewicht mimen. Der Spagat ist in diesem Vergleich gewaltig. In Ambulance ist es die Rolle des Profidiebs, der seinem Adoptivbruder in der wohl größten Verzweiflung ein lukratives Angebot macht und ihn damit so richtig in die Scheiße reitet, denn der fast schon sichergeglaubte Raub nimmt eine ungeahnte Wendung an. An der Seite von Gyllenhaal brilliert Yahya Abdul-Mateen II. Viele, die jetzt vielleicht an einen Newcomer denken, weil der Name nicht gerade geläufig ist, muss einen selbstbewussten Blick in die Vita des 35-Jährigen werfen. The Greatest Showman, Aquaman oder Candyman sind nur einer der wenigen Filme, in den er mitgewirkt hat. Somit schon ein alter Hase. Aber diese geballte Erfahrenheit merkt man Gyllenhaal und Abdul-Mateen an. Die Chemie stimmt und macht diese Hetzjagd durch L.A. noch fesselnder. Brüderlicher Tiefgang fehlt aber gänzlich, schließlich steht Bay nicht so auf die großen (wahren) Gefühle und lässt es dafür mehr krachen. Das macht aber Ambulance nicht schlecht – im Gegenteil. Neben den Hauptdarstellern, zu denen ich auch sehr löblich Eiza González zählen muss, die in dieser geballten Testosteron-Ladung für die notwendigen, weiblichen Akzente setzt, ist vor allem diese fast schon in Perfektion aufgehenden Actionsequenzen. Wenn es etwas gibt, was Bay kann, dann das. Und seine legendäre Einstellungen samt dazugehöriger Farb(über)sättigung dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Ambulance ist irgendwie ein Geschwisterdrama, aber vielmehr dann doch eine nervenaufreibende Verfolgungsjagd. Mit satten 136 Minuten reizt Bay natürlich auch wieder die Geduld seiner Zuschauer aus. Hier hätte tatsächlich eine Kürzung gut getan. Zehn Minuten weniger wären auch nicht sonderlich ins Gewicht gefallen. Ansonsten darf man wieder keinen intellektuellen Film erwarten. Wie hat Bay einst selbst über sein Schaffen im Rahmen von Transformers gesagt: „Ich mache Filme für Jungs im Teenageralter. Oh je, was für ein Verbrechen.“ Und das trifft hier auch wieder zu, wenngleich der spürbar dramatische Einschlag die Zielgruppe erweitern dürfte. Enttäuscht wird man definitiv nicht.

.FAZIT.

Typisch Bay! Ambulance ist Popcornkino ohne Ansprüche. Schnörkellos und zielstrebig inszeniert Bay sein Actionfeuerwerk. Für mich definitiv zu lang, aber unterm Strich sehr kurzweilig.



OriginaltitelAmbulance
Produktionsland/-jahrUSA 2022
Laufzeit136 min
GenreAction, Drama, Krimi
RegieMichael Bay
DrehbuchChris Fedak
KameraRoberto De Angelis
Kinostart24. März 2022
Home Entertainment9. Juni 2022
VerleihUniversal Pictures Home Entertainment