THE QUARRY | Deine Entscheidung, kleine und große Folgen

The Dark Pictures Anthology“ oder „Until Dawn“ haben das narrative Spielerlebnis in den letzten Jahren auf ein neues Level gehoben. Jede Entscheidung, die man im Spiel trifft, hat Auswirkungen auf dem Ausgang. Leben oder sterben! Die Entwickler von Supermassive Games haben es nun mit THE QUARRY auf die Spitze getrieben und dabei eine Liebeserklärung an den Teen-Horror der 90er Jahre geschaffen – samt kraftstrotzender Klischees, die den Gesamteindruck abrunden.

.ZUM SPIEL.

Als die Sonne am letzten Tag des Sommercamps untergeht, wollen die Betreuer:innen von Hackett’s Quarry noch mal richtig feiern. Keine Kinder. Keine Erwachsenen. Keine Regeln.

Und dann geht auf einmal alles ganz schnell …

Aus dem Partyplan der Teenager wird eine unvorhersehbare Nacht des Grauens, als blutbeschmierte Einheimische und etwas viel, viel Schlimmeres Jagd auf sie machen. Aus Scherzen und Flirts entwickeln sich Entscheidungen, in denen es um Leben oder Tod geht, während sich Beziehungen bilden oder unter diesem unvorstellbaren Druck zerbrechen.

.TEST.

Die 90er sind zurück – mit THE QUARRY: Lagerfeuer-Idylle mit Grusel von den Until Dawn-Machern. Es ist ein erhabenes Gefühl mit seiner Entscheidung, das Schicksal seiner Protagonisten aktiv zu beeinflussen. Damit gehen Entwickler seit einigen Jahren neue Wege. Konnte man früher ausschließlich über Dialogfelder Beziehungen und Verläufe verändern, so hat der Spieler heutzutage Leben und Tod mehr denn je in der Hand. Einmal falsch reagiert oder zu spät den Controller-Knopf gedrückt… Ende aus, Mickey Mouse. The Quarry paart diese Macht mit ganz viel Flair und Teen-Horror – samt gewollten Klischee-Feuerwerk.

Es ist der letzte Abend im Sommercamp. Die Betreuerinnen und Betreuer sitzen gemütlich beisamen und lassen die letzten Wochen Revue passieren. Es könnte eigentlich nichts Idyllischeres geben. Es knistert im wahrsten Sinne des Wortes. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Der Horror bricht über das Sommercamp und seine Bewohner herein. Schnell wird klar: jetzt wird’s gefährlich und lebensbedrohlich. Aber hektisch wird es nicht. Es gibt keine wilden Actionsequenzen aus der Ich-Perspektive, stattdessen steuert man – wie auch bei Until Dawn – mehrere unterschiedliche Charaktere durch einen interaktiven Film. Welchen Weg die Handlung einschlägt, liegt allein in der Hand des Spielers.

Und da wären wir auch schon mittendrin. Während alle versuchen, zu verstehen, was gerade passiert, müssen wir zügig uns einen Überblick verschaffen. Vorrangig müssen wir erstmal die Figuren und ihre Eigenschaften kennenlernen, die diese sind auch maßgeblich für den Verlauf der Geschichte. Spannend: The Quarry kann auf drei Arten „genossen“ werden. So steht Euch der Singleplayer, der Coop- und Filmmodus zur Verfügung. Bei den ersten beiden Varianten steuert ihr aktiv eine oder mehrere Figuren. Beim Filmmodus schreitet dahingegen die Handlung alleine voran. So nehmt Ihr Platz auf dem Regiestuhl und entscheidet darüber, welche Eigenschaften die einzelnen Charaktere mitbringen. Diese sind dann wiederum entscheidet dafür, wie die Geschichte erzählt wird. Ich sage aber vorweg: Vorspulen an dieser Stelle ist nicht. Also wollt Ihr die Handlung anders erleben, geht es für Euch immer wieder zum Anfang.

Dann doch lieber selbst die Zügel in der Hand halten, dass macht auch um einiges mehr Spaß und bringt den notwendigen Thrill mit. Atmosphärisch und optisch ist The Quarry eine Augenweide geworden. Gerade auch die Animation der Charaktere, die ja auf realen Schauspielern basieren, ist wirklich sehr gut gelungen. So erkennt man hinter Abigail sehr gut Ariel Winter, die wir alle aus Modern Family kennen. Auch David Arquette (spielt/spricht Chris) bekannt aus der Scream-Reihe, Lin Shaye (spielt/spricht Constance) bekannt als Medium aus der Insidious-Reihe, Skyler Gisondo (spielt/spricht Max) bekannt aus der Netflix-Hitserie Santa Clarita Diet oder Justice Smith (spielt/spricht Ryan), den wir alle aus Jurassic World: Das gefallene Königreich oder Pokémon Meisterdetektiv Pikachu kennen, machen schon einiges her. So fühlt sich von der ersten Sekunde alles wie ein interaktiver Film mit Starbesetzung an. Dadurch wirkt alles sehr hochwertig und sorgt für das gewisse Etwas.

Um Euch den Spielspaß nicht zu nehmen, möchte ich Euch nichts über den Verlauf oder Ausgang vorweg nehmen. Klar ist jedoch, The Quarry lebt von seinen Wendungen in der Handlung und einer Geschichte, deren Bedeutung sich erst während des Spielens mehr und mehr offenbart. Logisch ist auch: es gibt mehrere Verläufe und Ausgänge – je nach dem, wie Ihr Euch schlussendlich entscheidet. Mehr gibt es hier auch nicht zu sagen.

Für mich äußerst schön, sind die Handlungsorte und Figuren. Die Entwickler haben ganz auf Klischees gesetzt, was in diesem Fall auch wirklich sehr gut passt. Die Handlungsorte wiederum bestehen aus – wie man es eben aus vergleichbaren Filmen kennt – einem Bootshaus, einem See, einem düsteren Wald, einem Schrottplatz, diversen Kellern und und und. Generell fühlt sich alles sehr flüssig an. Holprig wird es in den seltensten Fällen. Die meiste Zeit sind wir damit beschäftigt, verschiedene Entscheidungen zu treffen, und das – natürlich – meist unter Zeitdruck: Helfe ich meinem Freund, der in Not ist, oder rette ich mich selbst? Renne ich davon oder verstecke ich mich? Klaue ich einem Cop seine lose hängende Waffe und versuche ihn zu überlisten oder baue ich lieber langfristig Vertrauen auf? Bei vielen dieser Entscheidungen geht es um das nackte Überleben, bei anderen um die Beziehungen der Charaktere zueinander. Somit müsst Ihr schnell und vielleicht nicht immer logisch handeln. Es gibt auch Sequenzen, wo Ihr schnell durch den Wald rennt und im richtigen Moment die Tasten drücken müsst, um zu springen oder Euch zu ducken. Gelingt Euch das nicht, hat das natürlich auch Konsequenzen. Wesentlich ruhiger wird es dann bei den unzähligen Rätseln, die Ihr nebenbei lösen könnt und auch solltet. Wenig fördernd, aber zum Luft holen ideal. Langweilig wird es in The Quarry also nie. Schließlich geht es ja auch um den nackten Überlebenskampf.

Supermassive Games ist somit (fast) ein perfektes Spiel gelungen. Negativ ins Gewicht fallen eigentlich bei mir nur zwei Dinge: die doch recht langen Ladezeiten zwischen den Sequenzen, die durchaus auch ein bisschen den Grusel-Flow stören und die zu weilen recht behäbige Steuerung in der Open World, die ist nicht zwingend gebraucht hätte. Die Figuren bewegen sich recht langsam fort und das mit den stetigen Kamerawechseln hat mich doch ziemlich genervt. Vielleicht schaffen da kommende Updates für bessere Ablauf. Ansonsten hatte ich das Spiel nach 6 1/2 Stunden durch – mit Blick auf den Wiederspielwert, eine ordentliche Zeit. Stürzt Euch als ins Abenteuer.

.FAZIT.

The Quarry ist ganz großes Kino, in der Deine Entscheidungen kleine oder größere Folgen haben können. Abgesehen von kleineren Wertmutstropfen, spielt sich The Quarry großartig. Die dichte Atmosphäre, der Einsatz von bekannten Schauspielern hinter den Figuren und der Fakt, dass man nicht weiß, was als Nächstes passiert, machen die rund sechs Stunden Kernspielzeit zu einem echten Erlebnis. Eins der Highlights 2022 für mich.



GenreAction-Adventure
EntwicklerSupermassive Games
Publisher2K Games
Veröffentlichung10. Juni 2022
PlattformPlayStation®5, PlayStation®4, Xbox Series X|S, Xbox One und Windows PC via Steam