WILD MEN | Was macht einen Mann zum Mann?

In WILD MEN veruscht Martin in der norwegischen Wildnis seiner Midlife-Crisis zu entkommen. Das gestaltet sich jedoch nicht so einfach, wie er sich das vorgestellt hat…

.INHALT.

Job, Frau, Kinder – Martin (Rasmus Bjerg) hat die Schnauze voll. Also zieht er sich Fellklamotten an, geht mit Pfeil und Bogen in die norwegischen Berge und erprobt das Leben als steinzeitlicher Jäger und Sammler. Das klappt so lang, bis er vor Hunger eine Tankstelle überfällt. Danach flieht er vor den Cops, vor wildgewordenen Drogenschmugglern, seiner Göttergattin und nicht zuletzt vor ein paar Einsichten über sich selbst…

© Koch Films

.KRITIK.

Es ist nicht unüblich, der Gesellschaft den Rücken zu kehren und ein neues Leben abseits der Zivilisation zu führen. Für dieses Leben haben sich weltweit schon viele Menschen entschieden, weil private und berufliche Probleme beziehungsweise Veränderungen einen „Anreiz“ dafür bieten. Generell geht aber damit der Wunsch nach Autonomie und Selbstverwirklichung fernab irgendwelcher Regeln und Konventionen einher. Den Schritt in die Wildnis aus persönlichen Befindlichkeiten zu gehen, ist eher selten – aber nicht unmöglich. Martin zum Beispiel. Eigentlich hat der Däne alles, was er zum Leben braucht. Eine intakte Familie, viele Freunde und einen Job, doch Martin befindet sich in einer schweren Midlife-Crisis.

Er trifft allein die Entscheidung, als Wilderer in den Bergen und Wäldern Norwegens ein neues Leben zu beginnen. Er lässt Frau, Kind und alles andere zurück. Dass die nicht sonderlich angetan von seinem Schritt sind, liegt auf der Hand. Aber Martin juckt das alles nicht. Doch schnell holt ihn das Aussteiger-Dasein ein: Überleben in der Wildnis ist gar nicht so einfach und läuft weniger gut als erhofft. Nahrung, Trinkwasser, Unterschlupf und Wärme sind alles Dinge, worin Martin nicht sonderlich begabt ist zu beschaffen. Die Lage eskaliert völlig, als er eher unfreiwillig eine Tankstelle überfällt – aus Verzweiflung und Not. Dies wirkt gerade in seiner Fellkluft sehr humorvoll, aber zeigt auch das ganze Ausmaß des Schlamassels. Schließlich macht die Polizei jagt auf Martin und die Tragödie nimmt seinen Lauf.

Als Freund skandinavischer Filme konnte ich es mir nicht nehmen lassen, Thomas Daneskovs WILD MEN mir anzusehen. Gerade die Themen Midlife-Crisis, Aussteigen und die kritische Auseinandersetzung mit dem veraltetet Bild von Männlichkeit haben mich besonders gereizt. Und Wild Men ist nicht nur bestückt mit viel Dramatik und Komik, es sind auch Martins Momente, die zum Nachdenken anregen. Martin wird zum „Going native“ und mimt hingebungsvoll und einfallsreich den schrägen Typen, der die Lage so ziemlich unterschätzt hat. Darüber hinaus erzählt der Film auch mit Empathie von Figuren, die ihren Platz im Leben suchen. Wie fragen uns, hätten wir an Martins Stelle auch so gehandelt oder gab es einen anderen Ausweg? Wie sehr geht es auch darum, sich und anderen etwas zu beweisen? Gerade hier fand ich es schön, wie Daneskov mit dem andauernden Bild des Mannes abrechnet und so völlig neue Ansätze schafft. Ein Film, von großem intellektuellen Wert.

.FAZIT.

Witzig, dynamisch und nachdenklich – Wild Men rüttelt am Bild des Mannes und stellt – endlich – alles ein wenig auf den Kopf. Daneskov skizziert eine interessante Aussteiger-Geschichte, die mit lockeren Momenten und schönen Bildern sich gut mit dem Fokus des Filmes stützt. Rasmus Bjerg brilliert dabei als Martin, der in der Midlife-Crisis nicht gerade die beste Entscheidung, aber eine Entscheidung trifft und damit das Weltbild des Mannes zusätzlich ins Wanken bringt. Manchmal ist das etwas holprig, macht aber größtenteils sehr viel Spaß.



OriginaltitelVildmænd
Produktionsland/-jahrDänemark 2021
Laufzeit104 min
GenreKomödie, Drama
RegieThomas Daneskov
DrehbuchThomas Daneskov, Morten Pape
KameraJonatan Rolf Mose
Kinostart
Home Entertainment23. Juni 2022
VerleihKoch Films