THE WEATHER MAN | Nicolas Cages Karriere im Schnelldurchlauf

Nicolas Cage blickt auf 40 Jahre Film zurück und bei kaum einen anderen liegen Sieg und Niederlage so eng beieinander. Auf ertragreiche Blockbuster folgten fast karrierevernichtende Düren. Beruflich wie privat eine Achterbahnfahrt, doch was er nie wirklich verloren hat, ist sein schier unerschöpfliches Talent. Bezeichnend für diese Wechselbad der Gefühle ist einer seiner wohl besten Filme. THE WEATHER MAN ist eine hinreißende Mischung aus „American Beauty“ und „About Schmidt“ und zeigt, wie schwierig ein sinnvolles Leben in einer Fastfoodwelt ist und nicht zuletzt auch, warum er einst den Oscar als „Bester Hauptdarsteller“ gewann. Ein Rückblick.

.INHALT.

Chicagos Wettermann David Spritz (Nicolas Cage) lebt so, wie es sich die meisten erträumen: Er ist eine Berühmtheit, bezieht für nur zwei Stunden Arbeit am Tag ein sechsstelliges Gehalt und ist aussichtsreicher Kandidat für den begehrten Posten als Meteorologe einer großen Morning-Show. Im Privatleben jedoch scheint der erfolgsverwöhnte Karrieremensch zu scheitern. Seine Frau hat sich von ihm scheiden lassen, seine Kinder machen einen großen Bogen um ihn und nicht einmal sein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Vater (Michael Caine) nimmt ihn ernst.

Doch die Ereignisse überschlagen sich und David muss sich schließlich (neu) sortieren…

© Paramount Home Entertainment

.KRITIK.

Oft ein bedröppeltes Gesicht, dann mal wieder ein verschwitztes Lächeln. Dazwischen Tränen, Wut, auch mal ein kesser Spruch und viele positive Auren. Nicolas Cage hat die letzten 40 Jahre beruflich wie auch privat polarisiert. Doch trotz seiner nicht immer guten Schlagzeilen, die er über die Jahrzehnte gesammelt hat, so gab es an einer Stelle nie wirklich Zweifel: Cage ist einer der begabtesten Schauspieler in Hollywood. Wandelbar, überzeugend, charismatisch und gleichzeitig so überheblich, naiv und kontrovers. Es ist ein Mix, den man benötigt – um aufzufallen. Gerade in den 90er Jahren mauserte sich Cage zu einem der gefragtesten Darsteller. Bekam diverse Schlüsselrollen, die einem unglaublichen Boost verschafften. Den Höhepunkt dieses Aufstiegs markiert zweifellos sein Oscar-Gewinn 1996 für seine Hauptrolle in Leaving Las Vegas. Ein beeindruckendes Psychodrama, was sich in der Glücksspielhölle seinen Weg bahnt.

Aus diesem Erfolg resultierten weitere Hochkaräter, die die Kinokassen klingeln ließen. The Rock – Fels der Entscheidung (1996), Con Air (1997) oder Nur noch 60 Sekunden (2000) (es sei bemerkt, dass das einer meiner liebsten Cage-Filme ist) überzeugten. Doch auf der Überholspur kam Cage zunehmend ins Schleudern. Aufgrund seines doch sehr ausgiebigen Lebensstils war er gezwungen Filme am Fließband zu produzieren. Quantität statt Qualität. Nur noch vereinzelt gab es Lichtblicke. Lord of War Händler des Todes (2005) oder jenen Film, über den ich noch ein paar Extraworte verlieren möchte: THE WEATHER MAN.

The Weather Man – Sinnbild für das Auf und Ab von Cage. Doch untermauert er, was für ein exzellenter Charakterdarsteller er doch ist. Der Film zeichnet das Bild eines nach Außen perfekten, smarten und souveränen TV-Wettermannes, der innerlich von seinen Zwängen, seinen Neurosen und seiner Angst vorm Scheitern durchzogen ist. Vor allem der Schrei nach Akzeptanz, Respekt und Liebe gegenüber seinem Vater gehört zu den tragenden Elementen. Am Rand kämpft die Figur David Spritz auch noch um seine Kinder, wo gerade sein Sohn für viel Aufregung sorgt. The Weather Man ist einer dieser Filme, die trotz ihres Alters von 17 Jahren kaum besser zum heutigen Cage passen könnten.

Obwohl Cage nach einigen doch sehr fragwürdigen Ausflügen im B-Movie-Sektor, hier durchaus auch ansehnliche Filme machte – ich denke hier vor allem an Mandy (2018) oder Die Farbe aus dem All (2019) – hat sich gerade in den letzten zwei Jahren für meine Verhältnis unfassbar gut rehabilitiert und für ein erneutes Mitwirken für Kino-Blockbuster empfohlen. Das liegt zum einen an dem sehr tiefgründigen Drama Pig (2021), wo Cage wirklich alles an Acting abspult, und jenen Film, für den ich ihn aktuell ziemlich feiere. Massive Talent hat ihn zurück ins Fadenkreuz des Hollywood’schen Erfolgs gebracht. Ich sehe hier auch sehr viele Parallelen zu The Weather Man – inhaltlich, wie auch der schauspielerischen Leistung. Nach all den Direct-to-DVD-Veröffentlichungen tun solche Filme sehr gut und geben mir Hoffnung, auf wirklich große Film mit Cage in der Hauptrolle. Er kann es ja schließlich. Und blicke ich da auf The Weather Man so bin ich tatsächlich frohen Mutes. Kein spektakulärer Film, aber ein netter Schnelldurchlauf von Nicolas Cages Karriere, der einfach passt, zusammenfasst und zeigt, was in ihm steckt.

.FAZIT.

Totgesagte Leben länger. Haben Kritiker Nicolas Cage fast schon abgeschrieben, kämpft sich der einstige Oscar-Preisträger kontinuierlich zurück an die Weltspitze. The Weather Man ist ein Paradebeispiel dafür, warum wir ihn brauchen und lieben. Wandelbar, einfühlsam und auch ein wenig chaotisch. Von allem, fast nur das Beste. Ich werde wohl nie aufhören, begeistert seine Filme zu schauen. Da muss es nicht nur Anspruchsvolles sein, an schlechten Tagen reicht mir auch mal ein unterbelichteter Ninja-Cage gegen Aliens.



OriginaltitelThe Weather Man
Produktionsland/-jahrUSA 2005
Laufzeit102 min
GenreKomödie, Drama
RegieGore Verbinski
DrehbuchSteve Conrad
KameraPhedon Papamichael
Kinostart2. März 2006
Home Entertainment14. Juli 2022 (erstmals auf Blu-ray)
VerleihParamount Home Entertainment