CYST | Eitrige Monster-Klamotte am Rande der Kotzgrenze

Ein echter „Durchbruch“ – auf allen Ebenen. Die wohl ekeligste Horrorkomödie der letzten Jahren wandelt auf den Spuren von H.P. Lovecraft und bewegt sich im Stile der B-Film Horror Hits eines Roger Corman, Jack Arnold und William Castle aus den 50er & 60er Jahren. CYST ist kompromisslos, handgemacht und Trash vom feinsten.

.INHALT.

USA in den 1960ern: Der plastische Chirurg Dr. Guy (George Hardy) ist besessen davon auf dem Gebiet der Zytologie einen revolutionären Durchbruch zu erzielen. Dazu hat er eine Apparatur entwickelt, die mittels eines Laserstrahls und einer Absaugvorrichtung Zysten jeglicher Größe, für den Patienten minimal invasiv, entfernen kann. Der große Tag ist gekommen, und nach einem Scheitern bei der ersten Präsentation soll nun die Kommission der Ärztekammer von der Funktionsweise des Apparates überzeugt werden. Krankenschwester Patricia (Eva Habermann), die am eigenen Leibe erfahren hat, dass der Apparat noch lange nicht ausgereift ist, und deshalb heute ihrem letzten Arbeitstag und dem Ende ihrer Schicht entgegenfiebert, assistiert Dr. Guy bei der Demonstration. Hierzu wurde ein Patient ausgewählt, auf dessen Rücken eine riesige Zyste gewachsen ist. Doch der Eingriff geht schief. Der Patient stirbt und ein riesiges Zystenmonster macht sich auf die Jagd nach jedem, der die Klinik, nicht rechtzeitig verlassen konnte. Dabei frisst und absorbiert es die Menschen nach Lust und Laune in einem Blut- und Schleimbad von unvorstellbarem Ausmaß…

© B-Spree Pictures / UCM.ONE

.KRITIK.

Einst habe ich ganz großspurig eine eigene Trash-Reihe auf filmspleen angekündigt, doch Zeit ist knapp und eine Pause brauchte ich auch mal. Doch habe ich dieses Vorhaben in den letzten Wochen nicht aus den Augen verloren und mir mal eine echte Perle herausgepickt. Da ich die deutsche Schauspielerin Eva Habermann sehr schätze, vor allem für ihre unermüdliche Arbeit für den Film ohne sich dafür zu verstellen, flatterte so immer mal wieder Werbung zum Film CYST über meinem Bildschirm. Darauf habe ich mir den Trailer gegönnt und schließlich dann auch das Endprodukt.

Sofern man dazu neigt, bei Ekel seinen Mageninhalt spontan zu entleeren, sollte man sich als sensibler Zuschauer eher andere Filme vornehmen. Cyst ist unfassbar, fast schon unendlich unerträglich. Aber das heißt nichts schlechtes. Cyst ist echte Handarbeit und was man mit so einem kleinen Budget an Effekten sowohl beim Make up als auch beim Zystenmonster (dazu erzähle ich noch etwas) geschafft hat, verdient echt Respekt. Natürlich fühlt sich dieser Film an wie ein lausiger Abschlussfilm an einer zweitklassigen Filmhochschule an. Damit hat er schon im Vorfeld seine Zielgruppe klar definiert. Es ist Müll, dass muss man sich vor Augen führen. Doch da ich jedem Film eine Chance gebe und an dieser Stelle ähnlich argumentiere wie bei Yummy – den Cyst schlägt hier in die gleiche Kerbe – finde ich auch Gefallen an Trash. Natürlich bevorzuge ich Blockbuster, Arthaus- oder Animationsfilme, aber hin und wieder auch mal derartige Filme zu konsumieren, zeigt mir immer wieder, wie facettenreich und wertvoll dieses Medium ist. Es kann auf so viele Arten genutzt werden und das macht mich als ausgebildeter Regisseur und Filmblogger sehr stolz.

[ YUMMY | Lasst es Euch schmecken – Kritik zum Nachlesen ]

Doch sprechen wir einmal über diese Mikrobudget-Produktion im Detail. Inhaltlich erfüllt sie sämtliche Trash-Klischees und Regisseur Tyler Russell kostet auf dieser Ebene auch die volle Bandbreite des niederen Storytellings aus. Die Kameraarbeit ist wackelig und fördert a la Seegang das gewisse Unwohlsein und die schauspielerische Leistung einer Eva Habermann oder George Hardy ist dem Inhalt absolut angemessen. Der Film nimmt sich selbst nicht ernst, versucht aber phasenweise witziger zu sein als er tatsächlich ist. Mit Sicherheit lacht man hier und dort, aber Punkten tut er an anderer Stelle. Blut, Eiter und weitere Körperflüssigkeiten spritzen wie Regen in der Monsumzeit in jede erdenkliche Ecke des 16:9-Bilds. Diese überstrapazierte Darstellung passt aber ins Gesamtbild. Cyst ist nun mal Ekel pur, aber sehr unterhaltsam, wenngleich auch ziemlich speziell. Er hat schon seine Fans gefunden und da wird auch noch der eine oder andere hinzukommen. Die Geschichte ist Mittel zum Zweck, die Effekte sind sau cool und die Schauspieler holen aus diesem vermüllten Drehbuch, das Beste heraus. Ich glaube, man muss den Film selbst gesehen haben, um es selbst zu glauben.

.FAZIT.

Kurzweilige Übelkeit gefolgt von explosionsartiger Magenentleerung: Cyst dreht Dir alles um. Fakt! Aber die Liebe zum Film, die handwerklich guten Effekte und eine Palette an sympathischen Darstellern sorgen für überdurchschnittlich gute Reaktionen bei mir. Das kommt unerwartet, aber die deutsch-amerikanische Koproduktion spricht viele Trash-Liebhaber an und kann auch mir ein Grinsen abgewinnen. Jut gemacht!



OriginaltitelCyst
Produktionsland/-jahrUSA 2020
Laufzeit73 min
GenreHorror, Komödie, Science-Fiction
RegieTyler Russell
DrehbuchTyler Russell, Andy Silverman
KameraNick Gardner
Kinostart21. Oktober 2021
Home Entertainment12. November 2021
VerleihB-Spree Pictures / UCM.ONE / Fantomfilm

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