LIEBER KURT | Eine feine, schmerzhafte Beobachtung

Til Schweigers Liebesdrama LIEBER KURT ist eine herzzerreißende, traurig-schöne Geschichte über drei Menschen, die versuchen, mit dem größten vorstellbaren Verlust fertig zu werden, den man erleben kann. So nah liegen Lachen und Weinen selten beieinander – berührend und doch voller Humor erzählt der Film vom Loslassen und vom Weiterleben und davon, wie man jemandem Halt geben kann, wenn man ihn selbst verloren hat.

.INHALT.

Kurt (Til Schweiger) und Lena (Franziska Machens) ziehen gemeinsam in ein altes, renovierungsbedürftiges Haus außerhalb der Stadt, um näher bei Kurts sechsjährigem Sohn, dem kleinen Kurt (Levi Wolter), und Exfrau Jana (Jasmin Gerat) zu sein. Doch bevor ihr Patchwork-Familienglück so richtig beginnen kann, kommt der kleine Kurt bei einem Unfall ums Leben – und lässt drei Erwachsene zurück, die nicht wissen, wie sie mit diesem tragischen Verlust weiterleben sollen. Während der große Kurt sich völlig zurückzieht und – wenn überhaupt – fast nur noch mit Kurtis Mutter spricht, versucht Lena, gefangen zwischen ihrer eigenen Trauer und dem Wunsch Kurt zu trösten, ihre Rolle in dieser nicht mehr existenten Familie zu finden. Mithilfe ihrer Erinnerungen an die schönsten, komischsten und bedeutendsten Momente mit ihrem Kind versuchen die drei Erwachsenen – Jeder für sich und alle gemeinsam – auf ihre eigene Art und Weise mit der neuen Situation umzugehen.

© Filmwelt Verleihagentur


.KRITIK.

Der Verlust eines geliebten Menschen. Etwas, was man keinen wünscht, aber jeden von uns eines Tages wenig überraschend oder unerwartet trifft. Letzteres wird Kurt zu Teil. Ein Mann aus der Großstadt, der mit seiner Lebensgefährtin aufs Land zieht, um näher bei seinem Sohn und seiner Ex-Frau zu sein. Die Weichen standen auf ein harmonisches Patchwork Life. Doch ein tragischer Unfall sollte diese ambitionierten Pläne auf brutalste Weise tilgen. Kurts Sohn, der kleine Kurt, kommt ums Leben und lässt drei trauernde Menschen zurück, die alle für sich und alle zusammen sich neu sortieren müssen.

LIEBERT KURT geht dabei elementaren Fragen auf den Grund. Was macht der Verlust eines geliebten Menschen mit den Angehörigen? Wie weit geht die Trauer? Wie kommen die Betroffenen aus dem Loch wieder raus? Bei der Beantwortung dieser Fragen geht man einen weiten und emotionalen Weg, der mitten ins Herz führt. Man sieht den Eltern ihren Verlust an, sie weinen, sie erinnern sich und versuchen irgendwie ein halbwegs normales Leben danach zu führen. Das ist ergreifend und lässt auch kein Auge beim Zuschauer trocken. Es ist bemerkenswert. Bemerkenswert, dass wir einen derartigen Film mit so viel Gefühl ausgerechnet von Til Schweiger kommt. Versteht mich nicht falsch. Man kann sagen, was man will über ihn, aber es gab eine Zeit, in der er einer der Kinokassenschlager war. Doch er baute kontinuierlich ab. Polarisierte und hat mit seinen letzten beiden Filmen niemanden einen Stempel aufgedrückt. Sein Stammpublikum strich enttäuscht die Segel. Und ja, ich war einer der „Glücklichen“, die sein eigenes US-Remake von Head Full of Honey gesehen haben. Da drängt sich mir die Frage auf: Warum? Und auch Die Rettung der uns bekannten Welt glich einem filmischen Himmelfahrtskommando, wenngleich Lob und Kritik sich hier noch recht ausgeglichen verhielten. Aber es war nicht mehr dieser einfallsreiche Til, der keine Kosten und Mühen scheute, seine gesamte Familie zu besetzen. Der keine Angst davor hatte, Risiken einzugehen.

Irgendwie, irgendwo, irgendwann – Til Schweiger hat sich scheinbar rehabilitiert. Er zeigt mit der Verfilmung des Sarah Kuttner Romans „Kurt“ eindrucksvoll, wofür wir ihn einst so anhimmelten. Das eigentliche Metier war immer die Komödie, doch ihn hier derart vor und hinter der Kamera leiden zu sehen. So geerdet, gereift und mit Mut zur Hässlichkeit, verdient das gehörig viel Respekt. Lieber Kurt ist kein aufgedunsene Klischee-Klamauk-Pop-Film, er widmet sich einer ernsten Aufgabe und bringt eine neue Note mit. Fühlt sich der deutsche Film stets träge und eintönig an, so beweist Schweigers Film (schließlich ist er auch Produzent und Regisseur), trotz Tod, Verlust und Trauer, wie bunt das Leben dennoch sein kann – auch im deutschen Kino.

Ich bin ziemlich begeistert, wie ruhig, besonnen und dennoch eindringlich hier satte 130 Minuten erzählt werden. Es eine Reise, die wir mit den Protagonisten gemeinsam gehen. Umhüllt von einer gelassenen Bildsprache, sanften Klängen und großem Schauspiel bekommen wir als Zuschauer selbst genügend Raum, um sich mit den Fragen und vielleicht auch dem Sinn des Lebens auseinanderzusetzen.

.FAZIT.

Wer hätte das gedacht? Til Schweiger stimmt ruhige Töne an und liefert damit eine seiner besten Filme (!) der letzten Jahre ab. Mit viel Feingefühl inszeniert Schweiger eine tragische Geschichte und transportiert diese durch ein exzellentes Schauspiel, ruhigem Erzähltempo und mitreißenden Momentaufnahmen direkt nach draußen. Wie leiden als Zuschauer mit, wir sind dazu eingeladen, mit zu weinen. Doch so viel Tragik wie dieser Film zu bieten hat, vermag er es auch gezielt und in der richtigen Situation, mit Humor aufzuwerten und uns damit auch mal Luft zum Atmen zu geben.



OriginaltitelLieber Kurt
Produktionsland/-jahrDeutschland 2022
Laufzeit136 min
GenreDrama
RegieTil Schweiger
DrehbuchTil Schweiger, Vanessa Walder, Sarah Kuttner (Buch)
KameraRené Richter
Kino15. September 2022
Home Entertainment
VerleihFilmwelt Verleihagentur

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..