JEEPERS CREEPERS: REBORN | Sind schon wieder 23 Jahre rum?

Die Wiederbelebung eines Horrorfranchises: Und niemand geringeres als „Iron Sky“-Regisseur Timo Vuorensola holt die Kult-Reihe mit JEEPERS CREEPERS: REBORN aus dem 23-jährigen Dämmern. Lohnt sich die Neuauflage oder hätte man lieber doch 23 Jahre warten sollen?

.INHALT.

Das legendäre Horror Hound Festival lockt hunderte Geeks und Horror-Fans aus der ganzen Welt nach Louisiana – darunter auch Chase (Imran Adams) und seine Freundin Laine (Sydney Craven). Doch je näher das freudig erwartete Event rückt, umso häufiger wird Laine von beunruhigenden Visionen heimgesucht, die mit der düsteren Vergangenheit der Stadt in Zusammenhang zu stehen scheinen. Die Legende des Creepers überdauert die Zeit und sorgt bei vielen Einheimischen immer noch für Angst und Schrecken. Als die erste Nacht des Festivals anbricht und sich das blutgetränkte Programm dem Höhepunkt nähert, ahnt Laine, dass etwas Mächtiges und Übernatürliches heraufbeschworen wurde – und sie scheint auf mysteriöse Art damit verbunden zu sein. 

© splendid film


.KRITIK.

„Das Böse kehrt zurück“ heißt es großspurig auf dem doch recht imposanten Plakat von JEEPERS CREEPERS: REBORN. Ich bin durchaus ein Fan des Franchises, wenngleich es nicht zu meinen Favoriten gehört. Aber ist die Reihe recht unterhaltsam und bietet innovative Ansätze. Bereits in meiner Kritik zu Jeepers Creepers – Es ist angerichtet [ Hier zum Nachlesen ] habe ich umfangreich über diesen Kultstreifen geschrieben und mich auch genügend zum Fall Victor Salva geäußert. An dieser Stelle möchte ich mich allein auf den künstlerischen und im Allgemeinen filmischen Wert konzentrieren – dies gilt auch für die Neuauflage, wenngleich sie nicht mehr von Salva beeinflusst ist.

Ich bin ein Zuschauer, der Filmen eine Chance gibt und versucht herauszufinden, welche Daseinsberechtigung sie haben. Als die Wiederbelebung von Jeepers Creepers angekündigt wurde, habe ich mich sehr darüber gefreut, schließlich markiert er um die Jahrhundertwende einen kleinen Meilenstein des Creature Horrors. Die urbane Legende, die um das mysteriöse Wesen aufgebaut wurde, sucht seines Gleichen. Alle 23 Jahre, für 23 Tage begibt sich das Wesen auf die Jagd nach Menschen. Doch nicht jeder fällt ihm zum Opfer. Du musst etwas an dir haben, was ihm gefällt. Was er unbedingt haben möchte, um es schließlich zu verspeisen, in sich aufzunehmen und sich damit stetig zu erneuern. Konventionelle Waffen töten es nicht. Robust und kaltblütig zieht es mit seinem Truck umher. Und du kannst nur hoffen, dass er dich nicht auserwählt hat.

Eine mitreißende Schauergeschichte, die ihren Reiz hat und 2001 mit Justin Long und Gina Philips recht sogar recht prominent besetzt war. Nun greift der finnische Regisseur Timo Vuorensola mit reichlich Rückenwind und ordentlich viel Trash-Erfahrung die Geschichte auf, um ihr ein neues Leben einzuhauchen – was tatsächlich nur bedingt gelingt. Dazu gleich mehr. Auf jeden Fall kann man Vuorensola nicht absprechen, ambitioniert jedes Projekt anzugehen und daraus ein Feuerwerk zu machen. Seine beiden populärsten Werke Iron Sky und Iron Sky: The Coming Race haben Liebhaber und auch mich haben die alternativen und abgedrehten Historienfilme, die Mondnazis und Nazis auf Dinos salonfähig gemacht haben, ein gewaltigen Unterhaltungswert. Sicherlich sind sie irgendwie hohl, aber verfolgen sie dennoch recht frische Ansätze. Im Film gehört auch Mut einfach dazu. Was ich mir bei Jeepers Creepers: Reborn tatsächlich von ihm gewünscht hätte. Der Film lässt seine Handschrift stark vermissen, vielmehr spult der Finne nach Schema F hier eine ganze Reihe an typischer Slasher-Klischees ab. Was also das alte Franchise noch irgendwie hatte, fehlt jetzt hier: Charakter. So ehrlich müssen wir sein.

Jeepers Creepers: Reborn ist tatsächlich nichts für die alten Fans. Vielmehr bemüht man sich, neue Zuschauer zu gewinnen. Der Ton ist nicht mehr so rau, die Brutalität (für die man die Vorgänger abgefeiert hat) wurde heruntergeschraubt und es werden mehr Kampfszenen mit dem Monster eingesetzt. Der Kern an Darstellern schafft es, entgegen des für mein Empfinden recht dünnen Drehbuchs, nicht blass zu bleiben und hier alles aus sich herauszuholen. Die Stimmung ist aber im Großen und Ganzem schön düster. Die Atmosphäre ist dicht. Viel darf man bei knapp 90 Minuten nicht erwarten, doch ist das durchaus ein netter Stoff für einen gemütlichen Horrorabend. Ich glaube tatsächlich, der Film ist eine Bauchentscheidung. Entweder er gefällt oder nicht. Ich habe gute und schlechte Ansätze, aber einen Totalausfall gesehen. Wichtig ist, jetzt etwas Abstand zu gewinnen und auf die Zuschauer zu hören. Denn das war erst der Anfang und bietet viel Potential dieser urbanen Legende mehr Wahrhaftigkeit zu verleihen.

.FAZIT.

Jeepers Creepers: Reborn kommt viele Jahre zu früh. Vor fünf Jahren fand die von Victor Salva initiierte Trilogie erst ihren dürftigen Abschluss und Fans haben sich erstmal auf eine mehrjährigen Pause eingestellt. Die Ankündigung einer Neuauflage kam aber dann doch recht schnell, hat aber viel Positives bewegt, um auch dieser Figur ihren würdigen Platz im Horrorgenre zu geben. Denn: Jeepers Creepers 3 hat die Fanherzen nicht mehr höher schlagen lassen. Viele hoffen nun auf den Neustart. Allerdings fällt dieser mit gemischten Gefühlen aus. So wirkt das Projekt ein wenig zu überhastet. Es fängt nicht mehr so ganz den Geist seiner Vorgänger ein. Die Neuauflage ist vielmehr ein klassischer Slasher mit Katz-und-Maus-Spiel. Er hätte Potential für mehr gehabt, aber noch sind Hopfen und Malz nicht verloren. Da kann etwas heranwachsen, wenn man die konstruktive Kritik am Film umwandelt und verstärkt. Vuorensola hat alles versucht und gegeben, ist ein paar mal gestolpert, aber auch wieder aufgestanden. Vielleicht das nächste Mal ein paar mehr Kanten einbauen, so wirkt alles mir ein bisschen zu glatt.



OriginaltitelJeepers Creepers: Reborn
Produktionsland/-jahrUSA, Finnland, Großbritannien 2022
Laufzeit88 min
GenreHorror, Mystery, Thriller
RegieTimo Vuorensola
DrehbuchSean-Michael Argo
KameraRené Richter
Kino15. September 2022
Home Entertainment
Verleihsplendid film

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