THE PASSENGER | Dank „Anhalterin“ durch die Hölle

THE PASSENGER ist spanischer Horror vom Feinsten: jede Menge schwarzer Humor, exzentrische Charaktere, blutrünstige Kreaturen und übernatürliche Elemente.

.INHALT.

Diese Reise verläuft alles andere als planmäßig: Vier Fremde, unterwegs in einem muffigen Van, die Stimmung ist angespannt – und dann überfährt der Fahrer nachts versehentlich auch noch eine mysteriöse Frau. Gemeinsam beschließt man, die verletzte Wanderin ins Krankenhaus zu bringen. Doch auf dem Weg dorthin wird bald klar, dass es besser gewesen wäre, sie gar nicht erst aufzunehmen.

© Neue Pierrot le Fou


.KRITIK.

Einsteigen auf eigene Gefahr: eine kleine Gruppe fährt mit einem Van durch Spanien. Jeder hat ein anderes Ziel, schließlich fährt sie Blasco von A nach B um sich ein bisschen was dazu zu verdienen. Sonderlich gut können sich aber alle nicht leiden. Aber jeder macht das Beste daraus. Doch bei über 30 Grad und einem ziemlich muffigen Geruch, ist es eben nur eine Frage der Zeit bis die Stimmung am Siedepunkt angelangt. Doch wären die zwischenmenschlichen Probleme nicht schon alarmierend, fährt Blasco auch mitten in der Nacht eine mysteriöse Frau um. Immerhin: statt Fahrerflucht zu begehen, entscheiden sich alle geschlossen, die verletzte Frau ins Krankenhaus zu bringen. Doch damit beginnt der eigentliche Albtraum, denn die Frau ist nicht so ganz von dieser Welt.

THE PASSENGER ist ein besonderes kleines Filmchen, dass stark an die Horrorfilme der 70er- und 80er-Jahre erinnert. Somit versteht sich der Film auch als liebevolle Hommage an diese Zeit. Eigentlich kann man sogar sagen, dass der Film durchaus auch als Kammerspiel bezeichnet werden kann. Das Setting konzentriert sich zum Großteil auf den stinkenden Van. Und obwohl der Spielraum begrenzt ist, ist es erstaunlich, wie vielseitig dieser ausfällt. Wir haben viel Licht und Schatten. Dafür schon mal großen Respekt. Aber nicht der Van ist der eigentliche Star des Films. Gerade Ramiro Blas und Paula Gallego drücken The Passenger ihren Stempel auf und tragen den Film mit ihrem Schauspiel gewaltig.

Dieses kleine Horror-Roadmovie weiß 90 Minuten gut zu unterhalten. Die Atmosphäre ist dicht und beklemmend und die Effekte sind solide sowie handgemacht. Wenngleich der Body-Horror durchaus noch üppiger hätte ausfallen können, macht er unfassbar viel Laune. Er hält sich auch nicht lange auf und kommt gleich zur Sache. Jeder kennt seine Aufgabe und versteht sich als feiner Genrebeitrag. Die Spanier wissen, wie Horror mit der besonderen Prise Humor funktioniert und dieses Verständnis und Liebe, sieht man den Film an. Fast schon das größte Laster, was wenig überrascht, ist die deutsche Synchronisation und Tonabmischung. Hier hätte es etwas mehr Feingefühl gebraucht. Aber das ist auch schon meckern auf hohem Niveau.

.FAZIT.

Klein, aber oho. The Passenger wirkt über 90 Minuten zielstrebig und unterhaltsam. Der Balance aus Horror und Comedy ist gelungen, wenngleich es von beiden gerne noch mehr hätte geben können. Ansonsten wird vor allem die Performance von Ramiro Blas im Gedächtnis bleiben, der hier ganz besonders heraussticht.



OriginaltitelLa pasajera
Produktionsland/-jahrSpanien 2021
Laufzeit90 min
GenreHorror, Thriller
RegieRaúl Cerezo, Fernando González Gómez
DrehbuchLuis Sánchez-Polack, Asier Guerricaechebarría
KameraIgnacio Aguilar
Kino
Home Entertainment30. September 2022
VerleihNeue Pierrot le Fou