ASTEROID CITY | Ein polarisierendes Wirrwarr

NO ONE WILL SAVE YOU ist ein actiongeladener Kampf zwischen Brynn und einer Schar außerirdischer Wesen, die ihre Zukunft bedrohen und sie zwingen, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

.INHALT.

Asteroid City, irgendwo im Nirgendwo der USA in den Fünfzigerjahren. Das Programm der Junior Stargazer bekommt ein kurzfristiges Update, als ein weiterer Besucher von außerhalb in die Stadt kommt. Von sehr weit außerhalb …

Bringt das Alien eine Botschaft des Universums oder hat es gar Antworten auf existenzielle Fragen? Vielleicht. Sicher ist, dass Asteroid City vorsichtshalber vom Militär zur Sperrzone erklärt wird, und so stecken Witwer Mitch Campbell (Jason Schwartzman) und seine vier Kinder in dem abgelegenen Nest fest. Während sich sein Schwiegervater (Tom Hanks) um die Enkel kümmert, Amerikas Wissen über den Weltraum ins Wanken gerät und im Hintergrund Atombomben getestet werden, freundet sich Mitch mit einer Schauspielerin an (Scarlett Johansson). Wenn da nur nicht dieses Gefühl wäre, dass das Alien kein Überbringer guter Nachrichten ist.

©️ Universal Pictures Home Entertainment

.KRITIK.

Erst gestern habe ich auf Netflix den Kurzfilm Ich sehe was, was du nicht siehst gesehen. Knappe 40 Minuten Wes Anderson in seiner wohl reinsten Form. Ich war angetan, einmal mehr. Mit welcher Finesse dieser Mann seine Filme inszeniert. Sie sind mitunter anspruchsvoll und nicht für jeden gleichermaßen bestimmt. Aber als Filmemacher und Filmliebhaber sind sie immer wieder ein Augenschmaus. Aber auch inhaltlich überrascht mich Anderson. Davon ist, zu meiner großen Verwunderung, ASTEROID CITY weit entfernt. An diesen kurzen Glanz, den der auf Netflix veröffentlichte Kurzfilm ausstrahlt, fehlt es Asteroid City. Der Film ist anders, aber nicht weniger besonders. Einzig das Drehbuch gehört definitiv nicht zu den besten Werken des visuellen Großmeisters.

Asteroid City hat mich in ein Gefühlschaos gestürzt. Wie gewohnt ist der Film stilistisch beeindruckend und legt großen Wert auf eine exorbitante Ensemble-Arbeit der Schauspieler, was in Andersons Filmen zum Standardrepertoire gehört. In einem Ensemble-Film wie diesem liegt die Verantwortung für den Erfolg des Films ganz beim Regisseur. In herkömmlichen Erzählfilmen tragen Protagonisten und Antagonisten die Hauptlast des Erfolgs, in der Hoffnung, dass das Publikum eine Verbindung zu den Hauptcharakteren herstellt, ihre Entwicklung verfolgt und die Geschichte während der gesamten Laufzeit miterlebt.

Allerdings birgt dies auch ein gewisses Risiko. Wenn diese Verbindung ausbleibt, könnten die hochgesteckten Ziele und Ambitionen verpuffen. In Asteroid City zeigt sich jedoch, dass Andersons Ensemble-Prinzip ein doppelter Gewinn sein kann. Die Schauspieler kommen für einige Tage ans Set, um ihre Szenen zu drehen, und falls eine Leistung (tatsächlich) nicht überzeugt, wird sie von den anderen hochkarätigen Darstellern aufgefangen. So bleibt der Film insgesamt von gewissen Qualität. So sind es vereinzelte Performances, die blass bleiben, während andere herausragen. Ein ungewöhnliches Leistungsprinzip – Fluch und Segen zu gleich. Anderson kann jedoch mit dieser Fülle an Talent jonglieren, ohne wirklich Fehler zu begehen. Allerdings sind wir hier nicht bei Avengers: Endgame und irgendwann wird diese Überangebot an Potential zu einer großen Publikumslast. Die einen finden dies jedoch super. Mir fiel es allerdings unglaublich schwer, jede einzelne Darbietung ausreichend zu folgen und so entsprechend auch zu würdigen. Überreizt und frustriert – nicht so gut. Immerhin fängt dieses eher unglückliche Gefühl Andersons unverkennbarer Stil auf. Die Kameraführung ist auffälliger als gewohnt, mit einem starken Fokus auf Produktions- und Kostümdesign. Die Kamerabewegungen wirken beinahe freier als in seinen vorherigen Werken, dennoch ist die Komposition stets von Symmetrie geprägt. Ungewohnt für seinen Stil sind die gelegentlichen Inserts (Nahaufnahmen von Objekten, die normalerweise für mehr filmische Tiefe sorgen) und einige „Dutch Angles,“ die dem Publikum in surrealen Momenten ein Gefühl der verzerrten Realität vermitteln. Hier bricht Anderson tatsächlich für kurze Momente aus seiner gewohnten Routine aus, was unglaublich erfrischend ist.

Asteroid City mag vielleicht nicht jedermanns Geschmack treffen, aber die treuen Anhänger von Wes Anderson werden das bekommen, was sie erwarten – einen Film, der stilistisch faszinierend ist. Doch inhaltlich bleibt der Film vergleichsweise unaufgeregt und blass. Wer sich zum ersten Mal an einen Anderson traut, dürfte jedoch den Eindruck haben, dass der Film stilistisch nicht ganz schlüssig ist. Es ist kompliziert.

.FAZIT.

Mit Asteroid City weiß man, was man bekommt. Einen typischen Wes Anderson, der allerdings auch mal mit gewissen Erzähltechniken experimentiert. Der Film besitzt eine visuelle Brillanz, bleibt aber inhaltlich hinter den Erwartungen. Hier fehlt es wiederum an Substanz. Stattdessen wirkt alles zu lose und überfrachtet. Es ist ein filmisches Wirrwarr – irgendwo im Nirgendwo – ein kosmisches Wirrwarr zwischen cineastischer Intelligenz und undurchsichtiger Erzählung. Für Fans des Filmemachers ein tägliches Gebet, für Neueinsteiger ein undefinierbarer Haufen. Ich tendiere mehr zu ersteres.



OriginaltitelAsteroid City
Produktionsland/-jahrUSA 2023
Laufzeit105 min
GenreKomödie, Drama
RegieWes Anderson
DrehbuchWes Anderson, Roman Coppola
KameraRobert Yeoman
Kino15. Juni 2023
Home Entertainment19. Oktober 2023
VerleihUniversal Pictures Home Entertainment

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