AS THEY MADE US | Wenn Familie nicht selbstverständlich ist

Mit AS THEY MADE US erzählt „The Big Bang Theory“-Star Mayim Bialik eine bewegende, einfühlsam-inszenierte Familiengeschichte und liefert damit ihr eindrucksvolles Regiedebüt. Im Fokus der Geschichte steht Abigail, die dafür kämpft, das Gleichgewicht innerhalb ihrer dysfunktionalen Familie wiederherzustellen, während sie selbst versucht, eine neue Liebe zu finden. 

.INHALT.

Abigail (Dianna Agron), eine geschiedene, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, gibt ihr Bestes, um ihre Eltern Eugene (Dustin Hoffman) und Barbara (Candice Bergen) zu unterstützen. Ihr Vater Eugene leidet unter einer degenerativen Krankheit, die er und seine Frau Barbara nicht akzeptieren wollen, während ihr Bruder Nathan (Simon Helberg) sich seit Jahrzehnten von der Familie entfremdet hat. Als sich herausstellt, dass Eugene nur noch wenige Wochen zu leben hat, versucht Abigail alles, um ihre komplizierte Familie wieder in Ordnung zu bringen, bevor es zu spät ist. 

©️ EuroVideo Medien

.KRITIK.

Sie hielt es neun Jahre mit dem wohl anspruchsvollsten Charakter der Seriengeschichte aus und hatte dennoch nie genug von ihm. Im Gegenteil – sie schaffte es, den wissenschaftlichen Eigenbrötler zu sozialisieren und ihm das Wunder der Liebe zu lehren. Ja, als Amy Farrah Fowler hat Mayim Bialik sich wohl viel Respekt verdient. Doch mit dem Ende der Erfolgsserie taten sich für die ambitionierte Schauspielerin neue Möglichkeiten auf. Möglichkeiten, die gleichsam mit ihrem Regiedebüt AS THEY MADE US nutzte.

Man merkt von der ersten Sekunde, wie viel Herzblut Bialik in diesen Film gesteckt hat. Für einige mag es einer von vielen sein, mit einer austauschbaren Geschichte und Charakteren, doch muss man genau hinschauen. Bialik schafft es, ihr starbesetztes Ensemble derart zu führen und gleichzeitig so viele Freiräume zu lassen, dass diese Vertrautheit zwischen allen Parteien auch auf den Zuschauer überschwappt. Von Sekunde Eins ist die Verbindung da. Wir alle kennen einen Eugene, eine Barbara, und vielleicht sind wir ein Nathan oder eine Abigail. Die Geschichte fühlt sich lebensnah an, da sie humorvolle Elemente inmitten des Herzensschmerzes platziert. Manchmal ist dies auch recht unangenehm mitanzusehen, aber am Ende einfach nur schön.

Die Besetzung hat eine starke Chemie. Dianna Agron trägt einen Großteil der emotionalen Last des Films, tut dies jedoch scheinbar mühelos. Candice Bergen bringt viel Humor und eine Menge Spannung ein. Und ein in Ungnade gefallener Dustin Hoffman ist so gut wie eh und je (da muss man so fair sein, denn er spielt wirklich gut). Und Simon Helberg, ebenfalls Spaßvogel und Wissenschaftler aus The Big Bang Theory und damit Ex-Kollege von Bialik, zeigt sein tiefes Talent, welches oft übersehen wird. Ich war glücklich, ihn eine so komplexe Rolle spielen zu sehen und er macht das wunderbar. In Florence Foster Jenkins fand ich ihn schon sensationell. Aber seine Performance in As They Made Us ist nochmal persönlicher und tiefgründiger.

Bialik stößt elementare Fragen rund um die Familie an, die durchaus Anklang und Antwort finden. Es ist nicht alles leicht und das muss es auch nicht sein. Definitiv regt der Film zum Nachdenken an. Man muss nur mutig sein und ihm auch eine Chance geben dazu, einen zu erreichen.

.FAZIT.

As They Made Us hat eine dieser Handlungen, zu denen fast jeder eine Beziehung herstellen kann. Der Film steckt voller Herz und Emotionen. Er bringt dich zum Weinen und Lächeln gleichermaßen. Die gesamte Besetzung ist großartig. Wenn die Geschichte nur etwas tiefer in die Charaktere eindringen könnte, insbesondere in die Beziehung zwischen Mutter und Sohn, wäre es fast ein kleines Meisterwerk geworden.



OriginaltitelAs They Made Us
Produktionsland/-jahrUSA 2022
Laufzeit100 min
GenreDrama
RegieMayim Bialik
DrehbuchMayim Bialik, Jonathan Cohen
KameraAaron Morton
Kino
Home Entertainment26. Oktober 2023
VerleihEuroVideo Medien

Kommentar verfassen