Eine Erfahrung wie keine andere: POOR THINGS von Yorgos Lanthimos schickt sich an einer der besten FIlme des Jahres zu werden. Warum es trotz des Hypes nicht ganz dazu reicht, erfahrt Ihr hier…
.INHALT.
Bella Baxter (Emma Stone), einer jungen Frau, wird von dem ebenso brillanten wie unorthodoxen Wissenschaftler Dr. Godwin Baxter (Willem Dafoe) von den Toten zurück ins Leben geholt. Unter Baxters Anleitung und Schutz ist Bella begierig zu lernen. Sie ist hungrig auf das Leben und die Lebenserfahrung, die ihr fehlt. Mit Duncan Wedderburn (Mark Ruffalo), einem raffinierten und verrufenen Anwalt, bricht sie zu einem rasanten Abenteuer über die Kontinente auf. Sie befreit sich immer mehr von den Zwängen und Vorurteilen ihrer Zeit und wächst zunehmend in ihrer Entschlossenheit, für Gleichheit und Freiheit einzutreten.
.KRITIK.
Das Jahr ist noch so jung und von gut bis abstrus hab ich bereits jetzt schon alles gesehen. Nun bin ich an den Punkt gelangt, sogar einen der besten Filme des Jahres Euch jetzt schon präsentieren zu können. Yorgos Lanthimos emanzipierte Frankenstein-Geschichte in einer skurrilen Theaterfassung auf großer Leinwand – so und nicht anders lässt sich POOR THINGS beschreiben. Mit über 140 Minuten kein Fast Food für Filmliebhaber, aber wer Sitzfleisch mitbringt, findet in atemberaubenden Bildern, einer großartigen Schauspieldarbietung und experimentierfreudigen Kameraarbeit großen Gefallen.
Absolut phänomenal, wie Emma Stone hier performt. Die Entwicklung einer Frau, die von den Toten auferstanden ist, um ihren Platz in der Welt zu finden, ist ganz großes Kino. Auf den Punkt werden hier Charaktere realisiert, die verrückt und gleichzeitig so faszinierend sind. Man merkt von Anfang bis Ende, was für eine Vision Lanthimos hier verfolgt. Alles hat hier Hand und Fuß, was sich nahezu auch in der harmonischen Musikuntermalung oder eben in einer fast beispiellosen Kameraführung widerspiegelt. Ein klares Konzept, was zu begeistern weiß. Sei es die stringente Ausarbeitung der Figuren, die Verflechtung von Wirklichkeit und Traum oder die Theaterhaftigkeit, die mit unter fabelhafte Kamerafahrten ohne Schnitt uns förmlich dahinschmelzen lässt. Und trotz dieser Detailfülle, hat Lanthimos viel Zeit, die Reise einer eigentlich unwirklichen Frau zu beleuchten. Schließlich geht es auch um die Erforschung der menschlichen Sexualität. Es war erfrischend, diesen Schritt durch die Augen einer wiedergeborenen Person zu sehen, bereit für alles, was das Leben ihr entgegenwirft. An Tiefe und Seele fehlt es dem Film nicht. Dennoch bleibt in meinen Augen die Perfektion aus.
Größter Kritikpunkt dürfte hierbei die spürbare Langatmigkeit sein. An vielen Stellen hätte auch der Schnitt früher erfolgen können oder der weiteren Handlung zu schaden. Hier wäre tatsächlich und buchstäblich weniger, mehr gewesen. Und ich schließlich mich einigen Kritikern an, die vielleicht was am Film zu bemängeln haben: die Besetzung von Mark Ruffalo ist für mich das Haar in der Suppe. Es hätte durchaus bessere Schauspieler gegeben, die dieser Rolle den notwendige Notwendigkeit und Überzeugung verliehen hätten. Ruffalo, ich mag ihn, aber wirkt hier oft deplatziert und besitzt in der Gesamtheit nicht die Strahlkraft, die die Rolle eigentlich verdient hätte. Er ist nicht der geborene Charakterdarsteller, was ich grundsätzlich ziemlich schade finde.
.FAZIT.
Insgesamt würde ich Poor Things Euch wärmstens empfehlen. Mit Sicherheit dürfte dieser experimentelle Theaterfilm nicht für jeden gleichermaßen geeignet sein, aber bringt er alles für großes Kino mit. Es ist sehr künstlerisch, sexuell durchaus auch unbequem und auf seine Weise so seltsam, dass er wieder völlig normal ist. Am Ende sind es Nuancen, die mich stören und ihn zu mindestens auf die Liste der besten Filme des Jahres (vorerst) bringt.
| Originaltitel | Poor Things |
| Produktionsland/-jahr | Irland, Großbritannien, USA 2023 |
| Laufzeit | 141 min |
| Genre | Komödie, Drama, Liebesfilm |
| Regie | Yorgos Lanthimos |
| Drehbuch | Tony McNamara, Alasdair Gray |
| Kamera | Robbie Ryan |
| Kino | 18. Januar 2024 |
| Home Entertainment | – |
| Verleih | 20th Century Studios |

