Mit mittlerweile 10 Bänden bietet die beliebte Buchreihe um die vier „Chaosschwestern“ mit einer verkauften Auflage von über 270.000 Exemplaren nun schon seit vielen Jahren grossartige Unterhaltung für Gross und Klein. Jetzt wird es Zeit, dass DIE CHAOSSCHWESTERN UND PINGUIN PAUL auch die große Leinwand erobern.
.INHALT.
Das Chaos hat vier Namen. Livi (Lilit Serger), Tessa (Momo Beier), Malea (Cara Vondey) und Kenny (Rona Regjepi). Die Schwestern haben erstmal nichts gemeinsam. Außer dem Nachnamen Martini. Womit jede von ihnen mehr als fein ist. Denn sind wir mal ehrlich: nicht nur Eltern sind mega peinlich – sondern meist auch die eigenen Geschwister. Und wenn man sich seine Familie schon nicht aussuchen kann, dann muss man versuchen so wenig wie möglich mit ihnen zu tun zu haben. Doch das wird sich bald ändern. Grund dafür ist Paul. Ein Pinguin. Paul wird aus dem Zoo entführt und landet über Umwege bei den Martinis. Die Chaosschwestern finden heraus, dass ein Magier-Duo hinter der Entführung steckt. Diese wollen den Pinguin zu einem Teil ihrer Show machen und dadurch ihre ins Stocken geratene Karriere in Las Vegas wieder in Schwung bringen. Den Schwestern wird klar, dass sie diesen Plan verhindern und den Pinguin zurück zu seiner Familie in den Zoo bringen müssen. Alle für eine – und eine oder keine!
.KRITIK.
Das Rezept deutscher Filmemacher ist einfach, schmeckt aber den meisten. Kinderbücher zu adaptieren ist ein probates Mittel, im Kino erfolgreich zu sein. Die Liste ist dabei lang: Räuber Hotzenplotz, Das fliegende Klassenzimmer oder Die wilden Hühner gehören zu den prominentesten Beispielen. Für mich ist eine derartige Verfilmung nicht selten ein Ausdruck von kollektiver Kreativlosigkeit. Man nimmt etwas, passt es minimal an und schon hat man einen Film. Das finde ich auf Dauer langweilig, aber wenn ich nach links schauen und dort meine Tochter mit strahlenden Augen sitzen sehe, dann kann das eigentlich doch nicht so falsch sein. Mit Sicherheit hat es etwas Schönes, wann man seine Lieblingscharaktere sich nicht nur im Kopf vorstellen muss, sondern sie auch quasi Live in Aktion sehen kann. Aber Kinderfilme und gerade diese, die auf einem Buch basieren, haben so ihre Tücken.
Nun hat es auch die beliebte Kinderbuchreihe „Die Chaosschwestern“ ins Kino geschafft, allerdings hat es sich Regisseur Mike Marzuk hier etwas zu einfach gemacht.
Marzuk ist ein erfahrener Filmemacher wenn es um Kinderfilme geht, auch wenn in der Vergangenheit sein Schaffen auf diesem Gebiet nicht selten von kontroversen Diskussionen begleitet wurde, so hat er durchaus ein Händchen dafür. Und statt in ein weiteres Fettnäpfchen zu treten, umschifft Marzuk in DIE CHAOSSCHWESTERN UND PINGUIN PAUL gekonnt sämtliche Falltüren und konzentriert sich allein auf die Geschichte um einen Haufen Kinder und einem Pinguin. Ja, der Film folgt sämtlichen Klischees und Stereotypen. Wirklich neu ist hier eigentlich nichts. Selbst in punkto Charakterzeichnung hat man keine großen Experimente gewagt und eben das genommen, was auch schon in der Vergangenheit immer funktioniert hat. Das ist etwas schade, zumal es durchaus Potential gab, hier etwas tiefgründiger die Figuren auszubauen. Oftmals bleibt einfach auch zu wenig Zeit zwischen den Figuren, eine Beziehung und gar eine Verbindung aufzubauen. Alles wirkt ein wenig oberflächlich und rudimentär. Aber man muss es immer auch aus Kinderaugen sehen. Für uns Erwachsene steckte da keine Fallhöhe hinter, wir sind lediglich die Begleiter für unsere Kleinsten, die hier durchaus Spaß haben können. Gerade wenn Pinguin Paul wie Speedy Gonzalez durchs Bild flitzt und scheinbar allen immer einen Schritt voraus ist, so hat das Slapstick-Charme und unterhält. Die Witze sind dagegen ok. Nicht zu viel, aber auch nicht wirklich zu wenig. Die Kids werden sie aber verstehen.
Was ich allerdings weniger verstehe, warum man die zweite Reihe so prominent besetzt. Denis Moschitto, Max Giermann oder Janine Kunze fallen kaum ins Gewicht. Sollen das die Eyecatcher für die Erwachsenen sein, die Qualität suggerieren sollen? Diesen Overload hätte ich nicht gebraucht und die Kleinsten erst Recht nicht. Immerhin zeichnen sich die vier Kinder Lilit Serger, Momo Beier, Cara Vondey und Rona Regjepi vor der Kamera aus. Aber der eigentliche Star bleibt stets Pinguin Paul.
.FAZIT.
Zweifelsohne hätte man vor und hinter der Kamera durchaus mutiger agieren können. Es wirkt hier und da alles ziemlich plakativ und zu gewöhnlich. Doch dank der jungen Hauptdarstellerinnen und eines possierlichen Tierchens reicht es aber unterm Strich für gute Unterhaltung – die allerdings mit zu viel Pathos aufwartet. Jedoch muss man sich an dieser Stelle immer wieder vor Augen führen, für welche Zielgruppe dieser Film gemacht wurde und da erfüllt er jegliche Aufgabe für einen kindgerechten Spaß.
| Originaltitel | Die Chaosschwestern und Pinguin Paul |
| Produktionsland/-jahr | Deutschland 2024 |
| Laufzeit | 100 min |
| Genre | Abenteuer, Action, Komödie, Kinderfilm |
| Regie | Mike Marzuk |
| Drehbuch | Mike Marzuk, Korbinian Wandinger |
| Kamera | Richard Van Oosterhout |
| Kino | 25. Januar 2024 |
| Home Entertainment | 31. Mai 2024 |
| Verleih | DCM |

