Überraschender und schockierender Genrefilm aus Österreich, der auf zahlreichen Filmfestivals weltweit sein Publikum begeistern konnte. In FAMILY DINNER will Simi unbedingt abnehmen und begibt sich kurzerhand in die Obhut von Ernäherungsberaterin und Tante Claudia. Doch der Diät-Trip wird schnell zum psychologischen Albtraum.
.INHALT.
Simi (Nina Katlein) reist über Ostern auf den Bauernhof ihrer Tante Claudia (Pia Hierzegger), die sich einen Namen als Ernährungs-Expertin gemacht hat. Simi möchte unbedingt abnehmen und unter dem äußerst strengen Regime ihrer Tante soll das Gelingen. Doch auf dem abgelegenen Hof geht es nicht mit rechten Dingen zu. Onkel Stefan (Michael Pink) und Cousin Filipp (Alexander Sladek) benehmen sich sehr seltsam. Simi kommt einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur.
.KRITIK.
FAMILY DINNER ist ein österreichischer Genrefilm, der sich auf dem schmalen Grat zwischen Horror und Sozialkommentar bewegt. Regisseur Peter Hengl inszeniert den Film als eine Art Kammerspiel, das mit satirischen Einwürfen durchaus zu unterhalten weiß. Damit ist der Film wesentlich tiefgründiger, als er anfangs vermuten lässt. Dabei spart Hengl auch nicht an psychologischen Terror und spannender Mystery.
Doch worum geht es? Der Film dreht sich um die fünfzehnjährige Simi, die ihre Osterferien im abgelegenen Haus ihrer Tante Claudia verbringt. Claudia ist nicht nur Köchin, sondern auch Ernährungsexpertin und hat sich einen Namen gemacht. Simi hofft, mit Claudias Hilfe abnehmen zu können. Doch die Situation wird komplizierter, als Simi mit ihrem launischen Cousin Filipp, Claudias strengen Regeln, ihrem neuen Hang zur Esoterik und ihrem aufreizenden neuen Partner Stefan konfrontiert wird.
Family Dinner präsentiert von der ersten Sekunde düster. Durch den Einsatz kalter Farben und einer fehlenden Sättigung wird schnell klar, dass das kein einfacher Trip zu Tante Claudia wird. Unterstützt wird dieser Eindruck durch den Einsatz von minimalistischen Dialogen und einem fragwürdigen Verhalten seitens der Familienangehörigen. Da wird einem schon ganz unbehaglich beim Zusehen.
Simi, die Hauptfigur, ist stark in sich gekehrt und wirkt fast gebrochen. Und wäre der eigene Kampf mit sich selbst nicht schon schwer genug, muss der Teenager auch noch das sozial schwierige Verhalten ihrer Verwandtschaft hinnehmen. Sie selbst sieht sich stets als Problem und hinterfragt Tante, Onkel und Cousin nicht. So wird deutlich, wie Minderwertigkeitskomplexe wirken und wie andere Menschen diese zu ihren „Gunsten“ ausnutzen. Claudia versucht, Simi in einer Art perfiden Manipulation immer weiter unter ihre Kontrolle zu bringen und quasi unmündig zu machen. Dies wird so überzeugend dargestellt, dass uns des Öfteren ein kalter Schauer packt und wir am liebsten die arme Simi aus diesen Fängen befreien wollen.
Und diesem Konstrukt darf man auch nicht die Figuren Stefan und Filipp vergessen, die maßgeblich dazu beitragen, sich schlecht und unwohl zu fühlen. Sie sind Puzzleteile und spielen als narzisstische Mitläufer und Ketzer eine entscheidende Rolle in dieser äußert unbequemen Gemeinschaft.
.FAZIT.
Unerträglich, kräftezerrend, eiskalt: Family Dinner tut weh, weckt aber auch große Neugier. Auf kleinsten Raum skizziert Peter Hengl eine Extremsituation, die man keinem wünscht. Ein Genremix aus Horror und Sozialkritik, der uns das eine ums andere Mal eine Gänsehaut beschert. Auch wenn die Geschichte vorhersehbar ist, so bleibt sie dennoch spannend und mysteriös bis zum Schluss.
| Originaltitel | Family Dinner |
| Produktionsland/-jahr | Österreich 2022 |
| Laufzeit | 97 min |
| Genre | Drama, Horror, Mystery |
| Regie | Peter Hengl |
| Drehbuch | Peter Hengl |
| Kamera | Gabriel Krajanek |
| Kino | 7. September 2022 (Fantasy Filmfest) |
| Home Entertainment | 2. Mai 2024 |
| Verleih | Tiberius Film |

