THE DEAD DON’T HURT | Ein emotionaler Western mit eigener Handschrift

Mit seiner zweiten Regiearbeit THE DEAD DON’T HURT ist Hollywoodstar Viggo Mortensen nach eigenem Drehbuch ein visuell beeindruckender und herausragender Film gelungen, ein überaus ungewöhnlicher Western, der sowohl episch als auch emotional ist, eine tragische Liebesgeschichte, wie auch eine nuancierte Darstellung eines brutalen Konflikts zwischen Rache und Vergebung.

.INHALT.

Amerika, 1860: Kurz vor Beginn des Bürgerkriegs verlieben sich die emanzipierte Frankokanadierin Vivienne Le Coudy (Vicky Krieps) und der dänische Einwanderer Holger Olsen (Viggo Mortensen) ineinander. In einer kleinen Stadt in Nevada wollen sie sich ein gemeinsames Leben aufbauen. Doch als der Krieg ausbricht, beschließt Holger sich freiwillig zu melden. Vivienne ist fortan in dem korrupten Ort auf sich allein gestellt. Neben den Machtspielen des Bürgermeisters Rudolph Schiller (Danny Huston) muss sie sich vor allem gegen die aufdringlichen Avancen des Ranchers Weston Jeffries (Solly McLeod) zur Wehr setzen. Als Holger von der Front zurückkehrt, sind er und Vivienne nicht mehr dieselben. Sie müssen sich neu kennenlernen, um wieder zueinander zu finden.

©️ Alamode Film

.KRITIK.

Western erfreuen sich nach wie vor neuer Beliebtheit oder sollte ich besser sagen, dass sie eigentlich nie wirklich weg waren, sich aber die Qualität – inhaltlich und visuell betrachtet – stark im positivem Sinne verbessert hat. Auch wenn gefühlt die jeder von Kevin Costners Horizon spricht, so sollte man nicht THE DEAD DON’T HURT nicht beiseite schieben. Im Gegenteil: Viggo Mortensen zweite Regiearbeit ist ein wundervolles Stück filmischen Handwerks.

Trotz der Tatsache, dass die Handlung irgendwie lückenhaft ist, funktioniert dieser Western außerordentlich gut. Im Mittelpunkt steht die entschlossene Frankokanadierin Vivienne, die sich als Frau in der Männerwelt der Pionierzeit der 1860er Jahre wiederfindet, aber Mittel und Wege gefunden hat, sich zu behaupten. Sie trifft auf den ehrlichen und nachdenklichen Dänen Olsen und reist mit ihm gemeinsam zu seiner abgelegenen und ziemlich heruntergekommenen Hütte. Doch sie lernt nicht nur ihn, sondern auch diesen mystischen Ort irgendwo im Nirgendwo lieben. Sie beginnen gemeinsam ein Zuhause zu bauen. Er nimmt eine Stelle als Sheriff an und sie findet sehr zu seinem Missfallen, im hiesigen Saloon Arbeit. Beide arrangieren sich aber mit der beruflichen Situation und leben ihr eigentlich friedliches Leben.

Doch es stehen unruhige Zeiten ins Haus. Der Bürgerkrieg beginnt und Olsen verpflichtet sich, um die Sklaverei zu beenden. Er ist ein herzensguter Mensch, riskiert aber für diesen Kampf alles. So lässt er nach kurzer Zeit Vivienne tränenreich zurück. Nun ist sie auf sich alleine gestellt und muss sich abermals behaupten. Allen voran weckt ihre verzwickte Situation beim örtlichen Raufbold Weston gewissen Begehrlichkeiten. Er geht bei Vivienne bis an die körperliche und mentale Schmerzgrenze.

Als Olsen einige Jahre später aus dem Krieg zurückkehrt, ist nichts mehr so, wie es einmal war. Das einstige friedliche Leben mit seiner großen Liebe, ist einem emotionalen Drama gewichen. Olsen muss sich seinen Dämonen stellen und den Scherbenhaufen, den er hinterlassen hat, aufkehren.

The Dead Don’t Hurt ist ein großartig aussehendes und zugleich romantisches Drama, das sich Zeit wirklich lässt. Viggo Mortensen setzt bewusst auf den Faktor Zeit, um nicht nur der Geschichte den nötigen Schwung zu verleihen, sondern auch seinen Figuren den Rahmen zu ermöglichen, sich in Gänze zu entwickeln und zu entfalten. Mit Sicherheit lässt sich darüber streiten, dass ein immigrierter Däne der Unionsarmee beitritt und seine Frau im Nirgendwo zurücklässt. Schließlich sagt Vivienne auch zu Olsen: „Das ist nicht deine Heimat“. Doch das zählt nicht. Plausibel – ja oder nein? Darüber lässt sich streiten und kam vielleicht durchaus auch so vor. Ein wenig an der Glaubwürdigkeit kratzt es dennoch, denn ich würde das nicht tun. Aber es war eben auch eine andere Zeit und andere Gesetze. Dennoch gibt es genug Substanz in der Geschichte, um für eine gewisse Klasse und Unterhaltung zu sorgen. So schafft es Viggo Mortensen auf effektive und sparsame Weise den Film mit Dialogen zu füllen (Getreu dem Motto: Nur das Nötigste!).

.FAZIT.

Für mich alter Romantik-Ninja ist es aber die Liebesgeschichte, die Bildsprache und der von Viggo Mortensen komponierte Soundtrack die drei großen Ausrufezeichen von The Dead Don’t Hurt. Zusammen ergeben sie eine wunderbare Symbiose, die wahrlich nicht frei von Fehlern ist, aber dieses gewisse Etwas einfach hat. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern, die einen Eindruck davon vermitteln, wie hart und gesetzlos das Leben war und wie schwierig es war, anständig zu sein, ist einfach gut inszeniert.



OriginaltitelThe Dead Don’t Hurt
Produktionsland/-jahrUSA, Mexiko, Großbritannien 2023
Laufzeit129 min
GenreDrama, Western,
RegieViggo Mortensen
DrehbuchViggo Mortensen
KameraMarcel Zyskind
Kino8. August 2024
Home Entertainment
VerleihAlamode Film

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