Veronika Franz und Severin Fiala widmen sich nach „Ich seh Ich seh“ (2014) und „The Lodge“ (2019) erneut den Abgründen menschlicher Psychologie und erkunden in der österreichisch-deutschen Koproduktion DES TEUFELS BAD ein ungeheuerliches Phänomen europäischer Geschichte.
.INHALT.
Oberösterreich, Mitte des 18. Jahrhunderts: Ein Karpfenteich reflektiert das Grau des Himmels. Ein tiefer, dunkler Wald schluckt das Sonnenlicht. Auf einem Hügel wird eine Hingerichtete zur Schau gestellt. Als Exempel. Als Warnung. Ein Omen? Die tiefreligiöse und hochsensible Agnes (Anja Plaschg) betrachtet die tote Frau mit Mitleid. Auch mit Sehnsucht, denn sie fühlt sich fremd in der gefühlskalten Welt ihres Mannes Wolf (David Scheid), in die sie gerade eingeheiratet hat. Immer mehr zieht sich Agnes zurück, immer erdrückender wird ihre Melancholie. Eine Gewalttat scheint ihr bald der einzige Ausweg.
.KRITIK.
Mit DES TEUFELS BAD beweisen Severin Fiala und Veronika Franz einmal mehr, dass sie Meister darin sind, tief in die psychologischen Abgründe ihrer Figuren einzutauchen. Das düstere Historiendrama entführt uns ins ländliche Österreich des 18. Jahrhunderts, wo die junge Agnes in einem Leben voller religiöser Zwänge, körperlicher Entbehrungen und innerer Qualen gefangen ist. Die Handlung basiert auf historischen Begebenheiten und beleuchtet ein verstörendes, kaum bekanntes Phänomen: Frauen, die sich durch den Mord an anderen bewusst in die eigene Verdammnis stürzten – nicht aus Boshaftigkeit, sondern in der Hoffnung auf Erlösung durch den Tod.
Schon die ersten Bilder ziehen den Zuschauer in eine Welt, in der alles von Leid, Kälte und unentrinnbarem Schicksal geprägt ist. Die Kameraarbeit von Martin Gschlacht fängt diese bedrückende Atmosphäre meisterhaft ein: Lange, statische Einstellungen und das fast meditative Spiel mit Licht und Schatten erzeugen eine fast greifbare Schwere. Die Natur wird zur stillen Beobachterin – eine raue, neblige Landschaft, die die innere Leere der Protagonistin widerspiegelt. Alles ist karg, reduziert und doch von einer erschreckenden Schönheit durchzogen.
Anja Plaschg, die bisher vor allem als Musikerin bekannt war, liefert in ihrer ersten Hauptrolle eine atemberaubende Performance. Sie spricht kaum, aber ihr Gesicht erzählt alles: Angst, Verzweiflung, ungläubige Hoffnung auf Erlösung. Die Tatsache, dass sie auch den hypnotischen Soundtrack des Films komponiert hat, verstärkt die emotionale Intensität noch weiter. Die Musik ist düster, unheilvoll, fast schon geisterhaft und trägt dazu bei, dass man sich dem Film nicht entziehen kann.
Fiala und Franz haben bereits mit Filmen wie Ich seh, Ich seh bewiesen, dass sie psychologische Horror-Elemente gekonnt mit tiefergehenden Themen verweben können. Hier gehen sie noch einen Schritt weiter: Des Teufels Bad ist kein Horrorfilm im klassischen Sinne, sondern eine eindrückliche Mischung aus Historienfilm, psychologischem Drama und existenzialistischer Tragödie. Die Inszenierung ist zurückhaltend, fast schon kammerspielartig, und doch lastet der Film mit seiner emotionalen Wucht schwer auf dem Zuschauer.
Während einige Kritiker die langsame Erzählweise als herausfordernd empfunden haben, ist meiner Meinung nach genau diese meditative Ruhe eine der größten Stärken des Films. Es gibt keine klassischen Spannungsspitzen oder konventionellen Narrative, sondern ein langsames, stetiges Abgleiten in die Dunkelheit – was den Film umso nachhaltiger wirken lässt. Des Teufels Bad verlangt Geduld, aber wer sich darauf einlässt, wird mit einer einzigartigen filmischen Erfahrung belohnt.
Ein weiterer faszinierender Aspekt ist die thematische Tiefe. Der Film hinterfragt, wie religiöser Fanatismus, gesellschaftliche Strukturen und psychische Erkrankungen im 18. Jahrhundert miteinander verwoben waren. Agnes’ Schicksal ist tragisch, aber es ist kein Einzelfall. Viele Frauen dieser Zeit litten unter einem System, das ihnen keinen Raum für Selbstbestimmung ließ – und in ihrer Verzweiflung wählten manche den extremsten Ausweg.



.FAZIT.
Am Ende bleibt Des Teufels Bad ein Film, der sich nicht einfach einordnen lässt. Er ist intensiv, fordernd, bedrückend und dennoch von unheimlicher Schönheit. Ein herausragendes Beispiel für europäisches Kino, das sich traut, radikal anders zu sein.
| Originaltitel | Des Teufels Bad |
| Produktionsland/-jahr | Österreich, Deutschland 2024 |
| Laufzeit | 121 min |
| Genre | Horror, Thriller, Drama |
| Regie | Severin Fiala, Veronika Franz |
| Drehbuch | Severin Fiala, Veronika Franz |
| Kamera | Martin Gschlacht |
| Kino | 14. November 2024 |
| Home Entertainment | 27. März 2025 |
| Verleih | PLAION Pictures |

