Ein Slasher in der Londoner U-Bahn, der auch 20 Jahre später nichts von seinem verstörenden Nervenkitzel verloren hat. CREEP gilt mittlerweile als moderner Klassiker des urbanen Slasher-/Psycho-Horrorfilms und hat so seine Momente, in denen man durchaus schluckt und darüber nachdenkt, eventuell sein Deutschlandticket zu kündigen.
.INHALT.
Model Kate (Franka Potente) verpasst nach einer Party in London den letzten Zug und findet sich gefangen im düsteren Labyrinth des U-Bahn-Systems. Alle Ausgänge sind vergittert, die Rolltreppen außer Betrieb. Doch sie ist nicht alleine. Etwas Mörderisches hat es auf sie abgesehen. Für Kate beginnt ein Albtraum – und eine wilde und blutige Flucht durch die Geisterbahnhöfe der Londoner Tube.
.KRITIK.
Regisseur Christopher Smith schickt uns mit Franka Potente in die klaustrophobischen Tiefen der Londoner U-Bahn, wo der wahre Horror nicht von Zugverspätungen, pöbelnden Menschen oder erfrischenden Uringeruch ausgeht, sondern von menschlicher Abgründigkeit.
Die Prämisse von CREEP ist simpel, aber effektiv: Kate hat ein bisschen zu viel gefeiert, verliert dadurch die Zeit aus den Augen und verpasst die letzte Bahn nach Hause. Nach einem kleinen Powernap findet sie sich allein in einem verlassenen U-Bahn-System wieder. Was als urbaner Albtraum beginnt, entwickelt sich schnell zu einem blutigen Überlebenskampf gegen eine „deformierte Kreatur“, die mehr ist als nur ein Monster – sie ist das Produkt einer verstörenden Vergangenheit.
Die Atmosphäre ist von Anfang an bedrückend. Die verlassenen Gänge, das flackernde Licht und das stetige Gefühl der Bedrohung erzeugen eine Spannung, die kaum nachlässt und gefühlt jeder von uns irgendwie schon mal erlebt hat. Smith gelingt es, den Zuschauer in eine Welt zu ziehen, in der jede Ecke Gefahr birgt und der Ausgang ungewiss ist.
Franka Potente liefert eine überzeugende Performance ab. Ihre Kate ist keine typische Scream-Queen, sondern eine Figur mit Ecken und Kanten, deren Überlebenswille glaubhaft vermittelt wird. Die Nebencharaktere bleiben hingegen blass und dienen hauptsächlich als Kanonenfutter.
Der Film ist nicht perfekt, bei Horrorfilmen und gerade Slashern ist das ja eh immer ein schmaler Grat. Die Handlung folgt bekannten Mustern des Slasher-Genres, und einige Entscheidungen der Charaktere wirken klischeehaft und mitunter ziemlich dämlich. Das macht bei der Menge an Thrill dann einen auch irgendwie wütend und die Freude über das Ableben (getreu dem Motto: „Das geschieht dir recht“) ist dann doch auch bisschen gegeben. Dennoch schafft es Creep, durch seine intensive Atmosphäre und die kompromisslose Darstellung von Gewalt, hier interessante Akzente zu setzen. Gerade der Umstand, hier irgendwie in der U-Bahn nach Betriebsschluss eingesperrt zu sein, ist schon keine schöne Vorstellung. Wenngleich es entsprechende Sicherheitsvorkehrungen mittlerweile gibt. Schön ist es trotzdem nicht.



.FAZIT.
Creep ist kein Film für zartbesaitete Gemüter. Er ist roh, ungeschönt und zeigt den Horror in seiner pursten Form. Für Fans des Genres, die bereit sind, sich auf einen düsteren Trip in die Unterwelt Londons einzulassen, bietet dieser Film die richtige Unterhaltung.
| Originaltitel | Creep |
| Produktionsland/-jahr | Großbritannien, Deutschland 2004 |
| Laufzeit | 85 min |
| Genre | Horror, Thriller, Mystery |
| Regie | Christopher Smith |
| Drehbuch | Christopher Smith |
| Kamera | Danny Cohen |
| Kino | 10. März 2005 |
| Home Entertainment | 22. Mai 2025 (erstmalige Blu-ray-Veröffentlichung in HD) |
| Verleih | Busch Media Group |

