Actionreich, alptraumhaft und wahrhaft atemberaubend: Mark L. Lester machte aus Stephen Kings legendärer Erzählung einen Psychohorror vom Feinsten. Mit DER FEUERTEUFEL festigte die damals 8-jährige Drew Barrymore nach „E.T. – Der Außerirdische“ ihren Status als herausragende Kinderdarstellerin.
.INHALT.
Die 8-jährige Charlie (Drew Barrymore) besitzt eine furchtbare Gabe: Sie kann mit bloßer Gedankenkraft ein flammendes Inferno auslösen. Und diese Kraft wächst ständig weiter. Charlies brisante Fähigkeit bleibt nicht lange unentdeckt. Obskure Agenten und skrupellose Profikiller töten ihre Mutter Vicky (Heather Locklear) und entführen sie. Charlies Vater Andrew (David Keith) gelingt die Befreiung seiner Tochter, denn auch er verfügt über besondere Kräfte. Aber die Verfolger, angeführt von rücksichtslosen Captain Hollister (Martin Sheen), jagen sie erbarmungslos und sind ihnen immer dichter auf den Fersen …
.KRITIK.
Es beginnt mit einem Blick. Ein Moment der Konzentration, ein leiser Flüsterton – und plötzlich steht die Welt in Flammen. DER FEUERTEUFEL von Mark L. Lester ist kein lauter, überdrehter Horrorfilm, sondern ein psychologisch aufgeladener Mix aus Familiendrama, Paranoia-Thriller und übersinnlichem Roadmovie. Fast 40 Jahre nach seinem Erscheinen lodert unter der Retro-Oberfläche immer noch eine seltsame, melancholische Hitze.
Im Zentrum dieses Films steht Charlie – ein Kind mit großen Augen und einem noch größeren Geheimnis. Drew Barrymores Darstellung der kleinen Charlie McGee ist der emotionale Anker des Films: ein Mädchen, das nie um diese Kräfte gebeten hat, das aber gezwungen ist, sie zu benutzen, um zu überleben. Barrymore spielt das mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und eruptiver Wut, die ihrer Figur eine Tiefe verleiht, die man in diesem Genre nicht zwingend erwartet hätte.
Lester erzählt die Geschichte ohne viel Schnörkel, dafür mit einem guten Gespür für Tempo und Atmosphäre. Die Bedrohung durch eine finstere Regierungsorganisation, die Charlie und ihren Vater jagt, zieht sich wie ein Schatten durch die Handlung. Das Ganze fühlt sich manchmal an wie eine fiebrige Mischung aus E.T. und Carrie, aber mit mehr Misstrauen, mehr Einsamkeit – und mit Flammen, die nicht nur Holz verbrennen, sondern auch bedingungsloses Vertrauen und unschuldige Kindheit.
Ein echter Trumpf des Films ist George C. Scott als undurchschaubarer John Rainbird. Seine Figur bleibt ein stilles Grauen – nie überzeichnet, aber stets unheimlich präsent. Er ist der Dämon im Schatten, der Charlie nicht nur fangen, sondern auch verstehen will – auf eine erschreckend intime Art.
Die 80er-Jahre-Synthesizer-Klänge von Tangerine Dream sind ein musikalisches Glutbett unter der Handlung: kühl, sphärisch, aber immer leicht unheilvoll. Die Effekte – heute handgemacht und teils nostalgisch anmutend – funktionieren noch immer erstaunlich gut, vor allem, weil sie selten prahlen und überzogen wirken, sondern punktgenau eingesetzt werden.
Natürlich gibt es bei all den Lob, auch Kritik: Man merkt dem Film seine Zeit an (aus heutiger Sicht) – eher ein Hinweis statt Kritikpunkt. Wesentlich kritischer ist der Blick auf die Nebenfiguren, die durchaus mehr Tiefe verdient gehabt hätten. Aber das schmälert den Gesamteindruck kaum. Denn Der Feuerteufel ist kein Film, der schreit. Er flüstert, fokussiert, brennt sich langsam in die Erinnerung. Er lebt von seiner leisen Verzweiflung, seiner Wärme, seinem inneren Feuer.



.FAZIT.
Stephen Kings Romanvorlage wurde schon oft als schwer verfilmbar bezeichnet – zu viel innerer Konflikt, zu wenig plakative Action. Doch Lester entscheidet sich klugerweise für ein erzählerisches Mittelfeld, das mehr auf Atmosphäre als auf Spektakel setzt. Und genau darin liegt die Stärke dieses Films: Der Feuerteufel ist ein Relikt aus einer Ära, in der Genre-Kino noch nicht durchformatiert war. Ein Kind seiner Zeit – und gerade deshalb so faszinierend.
| Originaltitel | Firestarter |
| Produktionsland/-jahr | Großbritannien, Deutschland 2004 |
| Laufzeit | 114 min |
| Genre | Horror, Thriller, Action |
| Regie | Mark L. Lester |
| Drehbuch | Stephen King (Buch), Stanley Mann |
| Kamera | Guiseppe Ruzzolini |
| Kino | 28. September 1984 (Westdeutschland) |
| Home Entertainment | 22. Mai 2025 (erstmalige Blu-ray-Veröffentlichung in HD) |
| Verleih | PLAION PICTURES |

