Manche Leben bestehen aus Routinen, die Halt geben sollen, aber langsam erdrücken. 22 BAHNEN, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Caroline Wahl, erzählt von einer jungen Frau, die viel zu früh Verantwortung übernehmen musste und dabei kaum Raum für eigene Wünsche findet. Zwischen Schwimmbad, Studium und familiären Verpflichtungen wird das Durchhalten zum Alltag.
.INHALT.
Für Carag (Emile Chérif), Brandon (Johan von Ehrlich), Holly (Lilli Falk) und Lou (Sophie Lelenta) beginnt ein neues Schuljahr an der Clearwater High. Und das hat es in sich, denn das Naturschutzgebiet rund um die Schule ist in Gefahr. Carags früherer Mentor Andrew Milling (Oliver Masucci) plant, den Wald rund um das Internat zu verkaufen – das Revier der Gestaltwandler! Puma-Wandler Carag und seine Freunde versuchen dies mit allen Mitteln zu verhindern, doch Milling hat einen Spion an der Schule und ist ihnen immer einen Schritt voraus. Ausgerechnet die Schneewölfin Tikaani (Olivia Sinclair) kommt ihnen schließlich zur Hilfe. Doch kann Carag ihr wirklich trauen – und ist da vielleicht sogar mehr als Freundschaft zwischen den beiden?
.KRITIK.
Nach dem Auftakt war klar: WOODWALKERS 2 hat es nicht leicht. Die Welt der Gestaltwandler ist etabliert, die Figuren bekannt – jetzt muss die Geschichte wachsen, vertiefen, größer werden. Und ja, genau daran stolpert das Sequel stellenweise. Gleichzeitig ist Woodwalkers 2 aber auch ein Film, der mehr will, als bloß ein weiteres Fantasy-Abenteuer für ein junges Publikum zu sein. Er versucht, Haltung zu zeigen – und das rechne ich ihm hoch an.
Inhaltlich rückt der zweite Teil den Konflikt zwischen Mensch und Natur stärker in den Vordergrund. Der Kampf um Lebensräume, der respektlose Umgang mit Tieren und die Frage, wem die Natur eigentlich gehört, ziehen sich deutlich spürbar durch den Film. Diese Themen wirken nicht wie bloße Dekoration, sondern sind fest im Kern der Geschichte verankert. Gerade für ein junges Publikum ist das eine klare, wichtige Botschaft: Natur ist kein Selbstbedienungsladen, sondern etwas, das Schutz braucht – notfalls auch Widerstand.
Leider bleibt die Umsetzung nicht immer so kraftvoll wie die Idee dahinter. Erzählerisch wirkt Woodwalkers 2 oft überfrachtet. Zu viele Figuren, zu viele Nebenstränge, zu viele Konflikte, die angerissen werden, ohne wirklich Raum zur Entfaltung zu bekommen. Der Film springt spürbar von Moment zu Moment, was dem emotionalen Gewicht einzelner Szenen manchmal schadet. Gerade die eigentlich spannenden inneren Konflikte der Figuren hätten mehr Zeit verdient.
Auch inszenatorisch schwankt der Film. Einige visuelle Ideen funktionieren gut, vor allem wenn Natur und Tierwelt im Mittelpunkt stehen. Andere Effekte wirken hingegen nicht immer ausgereift und reißen gelegentlich aus der Geschichte. Hier merkt man, dass die Ambitionen größer sind als die Mittel – ein Problem, das sich durch den gesamten Film zieht.
Was Woodwalkers 2 aber klar zugutekommt, ist seine Ernsthaftigkeit. Der Film nimmt sein Publikum ernst, predigt nicht, sondern versucht über Identifikation zu wirken. Freundschaft, Zugehörigkeit und Verantwortung werden nicht vereinfacht, sondern als etwas gezeigt, das Entscheidungen fordert. Besonders der ökologische Grundton gibt dem Film eine Relevanz, die über reine Genre-Unterhaltung hinausgeht. Und trotz alledem darf man auch nie außer Acht lassen, an welche Zielgruppe der Film sich richtet.



.FAZIT.
Woodwalkers 2 ist kein rundes Sequel und sicher kein Film ohne Schwächen. Erzählerisch etwas überladen, technisch nicht immer überzeugend – ja. Aber er hat Herz, Haltung und eine klare Botschaft, die man in dieser Form im Familien- und Jugendkino nicht oft genug sieht. Wer bereit ist, über narrative Stolpersteine hinwegzusehen, findet hier ein Fantasy-Abenteuer, das mehr will als nur unterhalten. Und genau dafür verdient der Film eine faire Chance.
| Originaltitel | Woodwalkers 2 |
| Produktionsland/-jahr | Deutschland 2026 |
| Laufzeit | 102 min |
| Genre | Fantasy |
| Regie | Sven Unterwaldt Jr. |
| Drehbuch | David Sandreuter, Katja Brandis (Buch) |
| Kamera | Peter Joachim Krause |
| Kino | 29. Januar 2026 |
| Home Entertainment | – |
| Verleih | LEONINE Studios |

