ICE ROAD: VENGEANCE | Liam Neeson macht – in 3600 Metern Höhe – Liam Neeson-Sachen

Actionthriller in schwindelerregender Höhe von „The Punisher“-Regisseur Jonathan Hensleigh. Kompromisslos, temporeich und intensiv: Actionikone Liam Neeson in ICE ROAD: VENGEANCE. Atemberaubende Action vor beeindruckender Himalaya-Kulisse: Auf der gefährlichsten Straße der Welt verwandelt sich ein letzter Wunsch in einen atemlosen Kampf ums Überleben.

.INHALT.

Mike McCann (Liam Neeson) reist nach Nepal, um die Asche seines verstorbenen Bruders auf dem Mount Everest zu verstreuen. Auf einer der gefährlichsten Straßen der Welt gerät er jedoch zusammen mit der Sherpani Dhani (Fan Bingbing) in den Hinterhalt eines bewaffneten Söldnertrupps, der es auf ein abgelegenes Bergdorf abgesehen hat. Was als stiller Abschied geplant gewesen ist, wird alsbald zum unerbittlichen Überlebenskampf in eisigen Höhen …

©️ capelight pictures

.KRITIK.

Man weiß ziemlich genau, worauf man sich einlässt, wenn Liam Neeson wieder mit ernster Miene gegen widrige Umstände, zwielichtige Gegner und die eigene Geduld ankämpft. ICE ROAD: VENGEANCE macht daraus keinen Hehl und liefert genau das, was der Titel verspricht: eisige Landschaften, harte Kerle, moralische Standfestigkeit – und Neeson, der stoisch durch eine Geschichte stapft, die nicht neu sein will, aber zuverlässig ihre Häkchen setzt.

Die Handlung ist schnell umrissen:. Es geht um Vergeltung, Schuld, alte Wunden und einen Mann, der zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort ist, aber leider wieder gezwungen ist, Dinge mit Fäusten, durchdringenden Blicken und vielseitigen Waffen zu klären. Überraschungen gibt es kaum – dafür bekannte Versatzstücke aus Action- und Rachekino, die man schon oft gesehen hat, hier aber routiniert aneinandergereiht werden.

Was Ice Road: Vengeance zugutekommt, ist sein bewusst altmodischer Ansatz. Der Film will kein moderner Action-Reißer sein, sondern fühlt sich eher wie ein spätes VHS-Relikt an, das zufällig ins Hier und Jetzt gefallen ist. Das kann man langweilig finden – oder charmant. Ich schwanke irgendwo dazwischen, wobei ich dem Film wie ein Neeson’sches Best.of seiner Karriere sehe. Hier kommt einfach alles zusammen. Die Action ist solide, die Inszenierung funktional, manchmal fast schon ein bisschen behäbig (Liam Neeson wird ja auch nicht jünger, daher sei es ihm verziehen). Große Spannung entsteht eher selten, dafür eine gewisse Selbstironie, die sich über die Laufzeit zieht, aber durchaus seinen Reiz hat. Der Film nimmt sich manchmal selbst nicht so ernst. Ich würde in diesem Zusammenhang ungern von einem unterhaltsamen „Trashfilm“ sprechen, aber diesen Eindruck kann ich nicht ganz aus der Welt schaffen. Allerdings hat das im Kontext von Liam Neeson und seinem gewohnten Rollenbild schon etwas Cooles und Sympathisches. Wir müssen alle ehrlich zu uns selbst sein: wenn wir Liam Neeson sehen, wissen wir auf Anhieb, was wir bekommen und deswegen schauen wir es doch oder nicht?

Apropos Liam Neeson! Er spielt eben genau die Rolle, die er seit Jahren perfektioniert hat: wortkarg, müde, prinzipientreu. Man merkt, dass er diese Figur im Schlaf beherrscht – und genau das ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits trägt er den Film problemlos, andererseits fehlt jede echte Weiterentwicklung. Ice Road: Vengeance wirkt dadurch wie ein weiteres Kapitel im großen Buch „Neeson räumt auf“, ohne wirklich neue Seiten zu schreiben.

Das Publikum war entsprechend eher verhalten – und das ist nachvollziehbar. Wer Innovation sucht oder emotional tiefergehendes Actionkino erwartet, wird hier nicht fündig. Doch da kommt ein großes ABER. Wer hingegen weiß, was er bekommt, und sich auf einen bodenständigen, leicht angestaubten Actionfilm einlassen kann, in der Liam Neeson eben Liam Neeson-Sachen macht und das feiert, findet hier kurzweilige Unterhaltung ohne große Ansprüche in einem geilen Setting.

.FAZIT.

Ice Road: Vengeance ist Liam Neeson in seiner reinsten und gewohntesten Form. Der Film lebt fast ausschließlich von Liam Neesons vertrauter Präsenz und einem Genre-Gerüst, das gewiss schon bessere Tage gesehen hat. Mit einer Portion Selbstironie betrachtet, funktioniert das Ganze als solider Action-Snack für zwischendurch und wenn man auf derartige Filme steht und am Ende des Tages auch noch Neeson feiert, kann hier absolut zugreifen. Aber nur nicht zu viel erwarten.



OriginaltitelIce Road: Vengeance
Produktionsland/-jahrAustralien, USA 2025
Laufzeit112 min
GenreAction, Thriller, Abenteuer
RegieJonathan Hensleigh
DrehbuchJonathan Hensleigh
KameraTom Stern
Kino3. September 2025
Home Entertainment5. Februar 2026
Verleihcapelight pictures

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