Nach „Nach der schlimmste Mensch der Welt“ gelingt Joachim Trier ein vielschichtiges Meisterwerk über Beziehungen und Gefühle, die nur schwer in Worte gefasst werden können. Getragen von dem großartigen Ensemble um Renate Reinsve, Stellan Skarsgård, Elle Fanning und Inga Ibsdotter Lilleaas erzählt SENTIMENTAL VALUE mit großer Leichtigkeit und viel Humor die Geschichte einer Familie, die noch lange im Kopf und im Herzen bleibt.
.INHALT.
Nora (Renate Reinsve) und Agnes (Inga Ibsdotter Lilleaas) verbindet eine komplexe Beziehung zu ihrem Vater Gustav (Stellan Skarsgård), der seine Arbeit stets über die Familie stellte. Nun steht Gustav nach Jahren der Funkstille plötzlich wieder vor der Tür – mit einem charmanten Grinsen und dem emotionalen Gepäck eines halben Lebens. Augenblicklich geraten alte Familiendynamiken ins Rollen. Und nach und nach wird deutlich, dass sich Vater und Töchter ähnlicher sind, als sie glaubten. Vielleicht ist es doch nicht zu spät für einen Neuanfang?
.KRITIK.
SENTIMENTAL VALUE braucht keinen großen Auftakt. Der Film beginnt ruhig, fast unscheinbar – und genau so bleibt er auch. Statt sofort zu überzeugen, lässt er einen erst einmal beobachten. Und je länger man zuschaut, desto mehr entfaltet sich das, was ihn besonders macht.
Im Zentrum steht eine Familie, die sich ein Stück weit verloren hat. Der Vater versucht, über ein Filmprojekt wieder Kontakt zu seinen Töchtern aufzubauen – was erstmal ungewöhnlich klingt, sich im Film aber erstaunlich natürlich anfühlt. Was dabei gut funktioniert: Gespräche laufen selten „glatt“. Oft wird ausgewichen, Dinge werden anders formuliert oder gar nicht ausgesprochen. Das wirkt sehr nah an der Realität und wurde auch in vielen Kritiken als große Stärke hervorgehoben. Gleichzeitig sorgt genau diese Zurückhaltung dafür, dass man als Zuschauer nicht immer sofort emotional andocken kann – manches bleibt erstmal auf Distanz. Wir werden damit mehr denn je zum entfernten Beobachter, können aber das, was wir uns da ansehen, durchaus nachvollziehen.
Das Ensemble trägt den Film fast mühelos. Vieles passiert zwischen den Zeilen, in kleinen Reaktionen oder kurzen Blicken. Das fühlt sich ehrlich an und nie übertrieben. Gerade weil sich niemand in den Vordergrund spielt, wirken die Beziehungen glaubwürdig – auch wenn sie manchmal etwas schwer zu greifen sind. Es gibt Szenen, die sehr lange nachwirken, während andere fast ein bisschen untergehen, weil der Film sich nicht immer gleich viel Zeit für alles nimmt.
Der Film-im-Film-Aspekt bringt eine interessante Ebene rein. Der Vater versucht, über seine Arbeit Dinge zu ordnen, die privat längst unübersichtlich geworden sind. Das ist klug beobachtet und gibt der Geschichte Tiefe. Gleichzeitig merkt man zwischendurch, dass der Film selbst ein bisschen mit dieser Balance kämpft: Er springt zwischen Figuren und Themen, was ihn lebendig hält – aber eben auch dazu führt, dass er sich im Mittelteil kurz etwas verliert.



.FAZIT.
Sentimental Value überzeugt nicht durch große Szenen, sondern durch viele kleine, stimmige Momente. Dass dabei nicht alles perfekt ineinandergreift, fällt auf – passt aber auch zu dem, was der Film erzählt. Am Ende bleibt ein sehr ehrlicher Eindruck von Menschen, die nicht genau wissen, wie sie wieder zueinanderfinden sollen. Und genau das macht ihn nahbar und sehenswert.
| Originaltitel | Affeksjonsverdi |
| Produktionsland/-jahr | Norwegen, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Schweden, Vereinigtes Königreich, Türkei 2025 |
| Laufzeit | 133 min |
| Genre | Drama, Horror |
| Regie | Joachim Trier |
| Drehbuch | Eskil Vogt, Joachim Trier |
| Kamera | Kasper Tuxen Andersen |
| Kino | 4. Dezember 2025 |
| Home Entertainment | 9. April 2026 |
| Verleih/Vertrieb | PLAION Pictures |

