IN THE GREY | Ritchie bleibt Ritchie

Eine Milliarde Dollar, drei Profis und ein verdammt komplizierter Plan. IN THE GREY liefert Guy Ritchie stylische Action, coole Sprüche und ein charismatisches Trio – bleibt erzählerisch aber deutlich hinter seinen besseren Filmen zurück. Kurios: Die größten Stärken des Films sind auch seine größten Schwächen.

.INHALT.

Nachdem ein milliardenschweres Vermögen in die Hände eines skrupellosen Despoten gelangt, wird ein verdeckt operierendes Team damit beauftragt, das Geld zurückzuholen. Die erfahrenen Spezialisten Sid (Henry Cavill) und Bronco (Jake Gyllenhaal) bewegen sich dabei zwischen bewaffneten Einsätzen, strategischen Täuschungen und politischen Machtspielen. Unterstützt werden sie von Vermittlerin Sophia (Eiza González), die die riskante Operation koordiniert. Was zunächst wie ein präzise geplanter Auftrag beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer Situation, in der sich die Beteiligten nicht mehr sicher sein können, wem sie vertrauen können. Während die Mission eskaliert, geraten die drei immer tiefer in ein Umfeld aus Gewalt, Manipulation und Überlebenskampf.

©️ LEONINE Studios

.KRITIK.

Guy Ritchie weiß ziemlich genau, was sein Publikum von ihm erwartet. In IN THE GREY schickt er Henry Cavill, Jake Gyllenhaal und Eiza González auf eine Mission, bei der eine Milliarde Dollar aus den Händen eines skrupellosen Despoten zurückgeholt werden soll. Was zunächst nach einem klassischen Heistfilm klingt, entwickelt sich schnell zu einer Mischung aus Actionthriller, Söldnerfilm und Ritchie-typischer Männerfreundschaft.

Dabei ist der Film zunächst erstaunlich gesprächig. Die erste Hälfte verwendet viel Zeit darauf, Pläne zu erklären, Strategien zu erläutern und den nächsten Schritt der Operation vorzubereiten. Das hat durchaus seinen Reiz, weil Ritchie seine ausgeklügelten Abläufe mit gewohnt flotter Montage präsentiert. Gleichzeitig wird aber auch sehr schnell deutlich, dass die eigentliche Geschichte wesentlich simpler ist, als die Informationsflut zunächst suggeriert.

Sobald die Planung schließlich in die Tat umgesetzt wird, funktioniert In the Grey deutlich besser. Ritchie inszeniert die Action dynamisch und mit einem ausgeprägten Gespür für Stil. Explosionen, Schießereien und Verfolgungsjagden werden von exotischen Schauplätzen und einer ausgesprochen eleganten Bildsprache begleitet. Auch die Montage besitzt den für Ritchie typischen Drive. Gerade in diesen Momenten wird klar, dass der Mann sein Handwerk nach wie vor beherrscht.

Getragen wird das Ganze vor allem von seinem Ensemble. Henry Cavill und Jake Gyllenhaal besitzen genügend Charisma, um ihre beiden abgebrühten Profis auch dann unterhaltsam zu machen, wenn das Drehbuch ihnen nur begrenzt Persönlichkeit zugesteht. Die gegenseitigen Sticheleien der beiden sorgen für einige der sympathischsten Momente. Eiza González erweist sich dabei als mindestens ebenbürtige dritte Kraft und gibt ihrer Figur Rachel deutlich mehr Präsenz, als man es angesichts des Drehbuchs vielleicht erwarten würde.

Genau hier liegt allerdings auch die größte Schwäche des Films. In the Grey ist so sehr damit beschäftigt, seine Figuren kompetent, cool und unangreifbar erscheinen zu lassen, dass kaum Raum für echte Charakterentwicklung bleibt. Cavill und Gyllenhaal spielen letztlich Variationen jener toughen Ritchie-Figuren, die man aus zahlreichen seiner vorherigen Filme kennt. Die Chemie ist vorhanden – die emotionale Tiefe weniger.

Auch dramaturgisch bleibt einiges auf der Strecke. Die minutiöse Vorbereitung soll die spätere Action eigentlich spannender machen, nimmt ihr durch die permanente Vorwegnahme der Ereignisse aber teilweise den Überraschungseffekt. Vieles passiert anschließend ziemlich genau so, wie es zuvor angekündigt wurde. Ausgerechnet ein Film, der sich so sehr auf seine ausgeklügelten Pläne verlässt, wirkt dadurch stellenweise erstaunlich vorhersehbar.

Und trotzdem hatte ich mit In the Grey meinen Spaß. Vielleicht gerade deshalb, weil Ritchie hier gar nicht versucht, seine Formel neu zu erfinden. Der Film ist kein großes Comeback zu alter Stärke und schon gar kein neuer Snatch. Er ist vielmehr ein routiniertes, slickes Action-B-Movie, das seine eigenen Schwächen kennt und sie mit Tempo, Style und charismatischen Darstellern überspielt.

.FAZIT.

In the Grey ist Guy Ritchie auf Autopilot – und das ist gleichzeitig seine größte Stärke und sein größtes Problem. Die Inszenierung sitzt, die Action macht Laune und das Trio aus Cavill, Gyllenhaal und González besitzt genügend Charisma. Doch hinter der coolen Oberfläche steckt eine erstaunlich dünne Geschichte, die sich mit viel zu vielen Erklärungen wichtiger macht, als sie eigentlich ist. Kein schlechter Actionfilm, aber eben auch keiner, der zeigt, wozu Guy Ritchie eigentlich fähig ist.



OriginaltitelIn the Grey
Produktionsland/-jahrVereinigtes Königreich, USA 2026
Laufzeit98 min
GenreDrama, Action, Thriller
RegieGuy Ritchie
DrehbuchGuy Ritchie
KameraEd Wild
Kino21. Mai 2026
Home Entertainment4. September 2026
Verleih/VertriebLEONINE Studios

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