LA GIOIA – SÜCHTIG NACH DIR | Wenn Liebe zur gefährlichen Illusion wird

Eine Lehrerin, ein 17-jähriger Schüler und eine verhängnisvolle Illusion von Liebe: LA GIOIA – SÜCHTIG NACH DIR nimmt einen realen italienischen Kriminalfall und macht daraus kein klassisches True Crime, sondern ein düsteres Drama über Einsamkeit, Begehren und emotionale Abhängigkeit. Nicolangelo Gelormini interessiert sich dabei weniger für die Tat selbst als für die Menschen, die sich in einer gefährlichen Sehnsucht verlieren.

.INHALT.

Die Lehrerin Gioia (Valeria Golino) hat nie Zuneigung erfahren – bis sie dem 17-jährigen Schüler Alessio () Nachhilfe erteilt und sich in ihn verliebt. Doch Alessio stammt aus prekären Verhältnissen. Nachts verkauft er seinen Körper. Als er Gioia vorschlägt, gemeinsam durchzubrennen, und diese ihre gesamten Ersparnisse abhebt, eskaliert die Lage auf dramatische und grausame Weise.

©️ Busch Media Group

.KRITIK.

LA GIOIA – SÜCHTIG NACH DIR erzählt von Menschen, die sich nach einem anderen Leben sehnen – und dabei ausgerechnet aneinandergeraten. Im Zentrum steht Gioia, eine fast 50-jährige Französischlehrerin, die noch immer bei ihren Eltern lebt und deren eigenes Leben weitgehend zum Stillstand gekommen ist. Als der 17-jährige Alessio in ihr Leben tritt und ihr Aufmerksamkeit und Zuneigung schenkt, glaubt sie, endlich jene große Liebe gefunden zu haben, von der sie bislang vor allem aus ihren Büchern wusste.

Dass diese Beziehung auf einem höchst fragilen Fundament steht, macht Nicolangelo Gelorminis Film schnell deutlich. Inspiriert von einem realen italienischen Kriminalfall, entscheidet sich La Gioia bewusst gegen klassisches True Crime. Statt die Tat möglichst nüchtern nachzuerzählen, interessiert sich Gelormini für Einsamkeit, Begehren und emotionale Abhängigkeit. Aus der Tragödie wird so ein psychologisches Drama, das seine Figuren nicht einfach in Opfer und Täter einteilt.

Getragen wird der Film vor allem von Valeria Golino. Ihre Gioia könnte leicht als naive, weltfremde Frau erscheinen, doch Golino findet immer wieder die verletzliche Person dahinter. In kleinen Gesten und Blicken wird spürbar, wie sehr sie nach Anerkennung und Nähe sucht. Gerade deshalb wirkt ihre zunehmende emotionale Abhängigkeit erschreckend nachvollziehbar.

Auch Saul Nanni überzeugt als Alessio, weil er seine Figur nicht eindeutig lesbar macht. Er ist Manipulator und zugleich selbst gefangen in einem Umfeld aus Ausbeutung und emotionaler Abhängigkeit. Dadurch wird die Beziehung zwischen beiden interessanter, als es eine einfache Täter-Opfer-Erzählung ermöglichen würde.

Besonders auffällig ist Gelorminis visuelle Umsetzung. La Gioia erzählt nicht nur über Dialoge, sondern lässt Räume, Licht und Musik die innere Verfassung seiner Figuren widerspiegeln. Realität und Wunschvorstellung verschwimmen zunehmend, wodurch aus dem Drama beinahe ein märchenhafter, fast schon psychologischer Albtraum wird. Gerade diese Atmosphäre gehört zu den großen Stärken des Films.

Allerdings steht sich La Gioia mitunter auch selbst im Weg. Die starke Stilisierung und manche symbolische Überhöhung schaffen zwar eindrucksvolle Bilder, wirken aber nicht immer organisch. Die Inszenierung ist stellenweise interessanter als die eigentliche Figurenzeichnung. Auch dramaturgisch bleibt der Film damit gelegentlich hinter seinen Möglichkeiten zurück: Er deutet viel an, dringt aber nicht immer so tief in seine Charaktere ein, wie es seine anspruchsvolle Bildsprache verspricht.

.FAZIT.

La Gioia – Süchtig nach Dir ist weniger True Crime als ein düsteres Drama über die Sehnsucht nach Liebe und die Gefahr, sich darin zu verlieren. Valeria Golino liefert eine starke, verletzliche Performance, während Nicolangelo Gelormini mit atmosphärischen Bildern zwischen Realität und Albtraum wandelt. Nicht jede stilistische Überhöhung funktioniert, doch gerade seine ungewöhnliche Perspektive macht den Film sehenswert.



OriginaltitelLa gioia
Produktionsland/-jahrItalien 2025
Laufzeit108 min
GenreDrama
RegieNicolangelo Gelormini
DrehbuchBenedetta Mori, Giuliano Scarpinato, Chiara Tripaldi
KameraGianluca Palma
Kino–
Home Entertainment3. September 2026
Verleih/VertriebBusch Media Group

Schreibe einen Kommentar