[STAFFEL 1] OFF CAMPUS | Man kommt für die Romance – und bleibt für den Rest

College, Eishockey, Partys und eine Liebesgeschichte, die natürlich niemals nach Plan läuft: OFF CAMPUS klingt zunächst nach dem nächsten Hochglanz-Romance-Format für den Streamingdienst. Und tatsächlich erfindet die Serie das Genre nicht neu. Interessant wird es dort, wo die von Elle Kennedy geschriebene Vorlage ihre weibliche Perspektive ausspielt: Frauen dürfen hier Lust haben, Grenzen setzen und ihre eigenen Wünsche verfolgen – während die Männerwelt überraschend wenig mit toxischem Machogehabe anfangen kann. Stattdessen wird Empathie plötzlich ziemlich sexy. Und genau das macht die Serie deutlich interessanter, als die klassische College-Romance zunächst vermuten lässt.

.INHALT.

Im Mittelpunkt der ersten Staffel steht die Musikstudentin Hannah Wells (Ella Bright), die Eishockey verabscheut, und der arrogante Eishockey-Star Garrett Graham (Belmont Cameli) von der fiktiven Briar-Universität. Die beiden gehen eine vorgetäuschte Beziehung ein, um ihre jeweiligen Ziele zu erreichen – woraus sich bald echte Gefühle entwickeln und mit ihr auch eine Vielzahl an Probleme zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

©️ Amazon Prime Video

.KRITIK.

OFF CAMPUS ist vermutlich nicht die Serie, die ich mir ohne Weiteres selbst herausgesucht hätte. College-Romance, Eishockey und Fake-Dating? Sagen wir mal so: Meine Freundin hat mich darauf aufmerksam gemacht – sie ist auch der Bücherwurm in der Familie. Also habe ich mich darauf eingelassen – und war tatsächlich überrascht, wie gut mich die Serie bei der Stange gehalten hat. Denn hinter all den klassischen Romance-Tropes steckt ein Ansatz, den ich so im Genre deutlich seltener sehe: Frauen bekommen Raum für ihre eigenen Gefühle, Wünsche und Grenzen, während die Männer erstaunlich wenig Interesse daran haben, den großen Macho heraushängen zu lassen.

Und genau dieser Umstand hat mich schließlich dazu auch verleitet, über die Serie zu schreiben. Denn hier können Frauen, aber vor allem Männer viel über sich und andere lernen. Im Mittelpunkt steht Hannah Wells, die mit dem selbstbewussten Eishockey-Star Garrett Graham einen ungewöhnlichen Deal eingeht: Sie hilft ihm bei seinen Noten, dafür gibt er ihren Fake-Freund, um ihren Schwarm eifersüchtig zu machen. Natürlich bleibt es nicht lange bei diesem Arrangement. Aus dem Spiel wird langsam echte Nähe – und genau hier zeigt die Serie ihre größten Stärken. Denn Hannah ist nicht einfach die nächste RomCom-Heldin, die vom attraktiven Sportler gerettet werden muss. Ihre Geschichte ist von einem schweren Trauma geprägt, und Vertrauen, Intimität und die Kontrolle über die eigene Sexualität werden zu wichtigen Bestandteilen ihrer Entwicklung. Die Serie nimmt diese Themen ernst, ohne Hannah darauf zu reduzieren. Schließlich ist sie es auch selbst, die klar zu verstehen gibt, dass sie darauf nicht reduziert werden möchte.

Gleichzeitig macht Off Campus etwas, das im Romance-Genre noch immer erstaunlich selten ist: Der Mann muss nicht erst mühsam „gezähmt“ werden. Garrett sieht zwar aus wie der Prototyp des selbstverliebten College-Hengstes, erweist sich aber als aufmerksam, empathisch und erstaunlich verständnisvoll. Er hört Hannah zu, respektiert ihre Grenzen und interessiert sich auch beim Thema Sex für ihre Bedürfnisse. Seine Stärke definiert die Serie damit nicht über Dominanz, sondern über emotionale Offenheit. Auch seine Hockey-Kumpels dürfen Gefühle zeigen, miteinander über Beziehungen sprechen und sich gegenseitig unterstützen. Ausgerechnet in einer hypermaskulinen Sportwelt entsteht so ein ziemlich sympathisches Gegenbild zur toxischen Männlichkeit.

Dabei vergisst die Serie ihre Frauenfiguren nicht. Hannah und ihre beste Freundin Allie haben eigene Geschichten, Wünsche und Konflikte, die nicht ausschließlich über ihre jeweiligen Männer(-begegnungen) definiert werden. Gerade diese weiblichen Perspektiven geben der Romance mehr Substanz und sorgen dafür, dass Off Campus nicht nur aus muskulösen Hockeyspielern und heißen Liebesszenen besteht.

Die Serie bleibt ihrem Genre ziemlich kompromisslos treu. Fake-Dating, attraktive College-Studenten, emotionale Altlasten, Missverständnisse und große Gefühle – die Handlung folgt vertrauten Mustern. Überraschend ist allerdings die Reaktionen der Figuren: Konflikte werden nicht ständig durch Stolz, Eifersucht oder vermeidbare Lügen verschärft, und gerade die männlichen Figuren reagieren häufig empathischer und verletzlicher, als es vergleichbare Genrevertreter erwarten lassen. Auch einige Dialoge sind ziemlich kitschig und manche Nebenhandlungen wirken etwas überladen. Dafür stimmt die Chemie zwischen Ella Bright und Belmont Cameli, und die Serie besitzt genau jene Mischung aus Humor, Wärme, Drama und Sex, die Fans romantischer Buchvorlagen suchen.

Off Campus ist deshalb keine Revolution der College-Romance. Dafür ist die Geschichte zu vertraut und die Dramaturgie zu vorhersehbar. Aber vielleicht braucht es genau diese vertrauten Muster, um überhaupt etwas zu bewegen. Die Serie verbindet die bekannte Genreformel mit einem moderneren Verständnis von Beziehungen und stellt damit Sichtweisen infrage, die uns über Jahre als selbstverständlich vermittelt wurden. Frauen äußern ihre Wünsche und erleben ihre Sexualität selbstbestimmt, während Männer nicht automatisch hart, dominant oder emotional unnahbar sein müssen. Ohne ein wenig Kitsch kommt dabei vielleicht auch diese kleine Revolution nicht aus. Gerade deshalb wirkt Off Campus erstaunlich sympathisch – und vor allem erfrischender, als es die vertraute Formel zunächst vermuten lässt.

.FAZIT.

Off Campus erfindet die College-Romanze sicher nicht neu – und muss es auch gar nicht. Die bekannten Tropes funktionieren dank der starken Chemie zwischen Ella Bright und Belmont Cameli erstaunlich gut. Wirklich interessant wird die Serie aber durch ihren weiblich geprägten Blick auf Liebe, Lust und Verletzlichkeit. Hannah darf ihre Sexualität selbstbestimmt zurückerobern, während Garrett zeigt, dass Empathie, Respekt und Einfühlungsvermögen einen Mann nicht weniger attraktiv machen. Ein bisschen kitschig, ziemlich sexy und vor allem angenehm anders.



OriginaltitelOff Campus
Produktionsland/-jahrUSA 2026
Laufzeit | Folgenca. 412 Minuten (⌀ 52 Minuten pro Episode) | 8 Episoden in 1 Staffel(n)
GenreDrama, Romanze, Sport
RegieSamantha Bailey, Erica Dunton, Silver Tree,
Dawn Wilkinson
Drehbuch/IdeeLouisa Levy, Elle Kennedy (Buch)
KameraColin Hoult, Nick Thomas
Dt. Erstausstrahlung13. Mai 2026 auf Prime Video
Home Entertainment
VerleihAmazon Prime Video

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