BACKROOMS | Wie aus einem Internet-Phänomen echter Horror wird

Stell dir vor, du gehst um die nächste Ecke und plötzlich stimmt die Realität nicht mehr. Endlose beige-gelbe Flure, flackerndes Neonlicht und das Gefühl, dass irgendwo in der Leere noch etwas anderes existiert: Die BACKROOMS gehören zu den verstörendsten Horror-Mythen der Internetkultur.

.INHALT.

Clark (Chiwetel Ejiofor), der Besitzer eines heruntergekommenen Möbelgeschäfts, entdeckt im Keller seines Ladens eine unsichtbare Tür. Bald ist er wie besessen davon, das Geheimnis dahinter zu lüften, und vertraut sich seiner Psychologin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve) an. Als sie ihm dorthin folgt, lauert hinter den Wänden etwas Düsteres – und Gefährliches.

©️ LEONINE Studios

.KRITIK.

Ein Riss in der Wand, eine unscheinbare Tür und dahinter ein Ort, der eigentlich gar nicht existieren dürfte. Clark stößt im Keller seines Möbelgeschäfts auf eine scheinbar endlose Welt aus gelben Wänden, leeren Räumen und langen Fluren. Was zunächst wie ein merkwürdiges architektonisches Phänomen wirkt, entwickelt sich schnell zu einem Albtraum, aus dem es offenbar keinen einfachen Ausgang gibt.

Dass BACKROOMS überhaupt existiert, ist dabei fast so spannend wie seine Handlung. Was 2019 mit einem einzelnen, unheimlichen Internetbild begann, entwickelte sich durch Kane Parsons’ YouTube-Videos zu einem riesigen Horror-Phänomen rund um sogenannte „Liminal Spaces“ – Orte, die vertraut wirken und sich trotzdem vollkommen falsch anfühlen. Parsons selbst war damals noch ein Teenager. Nun macht er daraus mit gerade einmal 20 Jahren seinen ersten Kinofilm.

Und genau hier liegt die größte Stärke von Backrooms: Parsons versucht nicht, das Mysterium totzuerklären. Stattdessen lässt er seine Räume für sich sprechen. Leere Möbelhäuser, endlose Korridore, flackerndes Licht und scheinbar unmögliche Raumaufteilungen erzeugen eine Atmosphäre, in der man sich als Zuschauer permanent fragt, was hinter der nächsten Ecke lauert. Das Produktionsdesign ist dabei schlicht herausragend – man kann es nicht anders sagen.

Auch der Horror funktioniert gerade deshalb so gut, weil der Film nicht permanent mit Jump-Scares um sich wirft. Oft reicht schon ein Geräusch, eine Bewegung im Hintergrund oder die Erkenntnis, dass ein Raum eben doch nicht so leer ist, wie er zunächst aussah. Aus der anfänglichen Neugier wird langsam Beklemmung – und irgendwann blanke Panik.

Chiwetel Ejiofor und Renate Reinsve geben dem ungewöhnlichen Konzept zudem genügend emotionale Erdung. Hinter dem surrealen Horror steckt eine Geschichte über Isolation, Erinnerung und die Frage, was passiert, wenn Menschen sich in ihren eigenen Vorstellungen verlieren. Dadurch wird Backrooms mehr als eine bloße Aneinanderreihung cooler Internetbilder.

Doch man muss Geduld mitbringen, denn hier wird nicht sonderlich schnell aufgelöst oder erzählt. Der Film nimmt sich Zeit, beantwortet längst nicht jede Frage und verlangt seinem Publikum durchaus ab, die eine oder andere Unklarheit auszuhalten. Wer eine klassische Horrorhandlung mit sauber erklärtem Mythos erwartet, dürfte deshalb gelegentlich ratlos zurückbleiben. Genau diese Ratlosigkeit gehört für mich aber zum Konzept.

Backrooms ist deshalb vor allem ein Film für Zuschauer, die sich gerne in einer Atmosphäre verlieren. Kane Parsons macht aus einem Internet-Phänomen keinen glattgebügelten Mainstream-Horror, sondern bewahrt das Fremde, Unfertige und Unheimliche seiner Vorlage. Das Ergebnis ist visuell beeindruckend, atmosphärisch enorm dicht und stellenweise richtig verstörend. Ein bemerkenswert selbstbewusstes Regiedebüt, das zeigt, dass aus einem simplen Internetbild tatsächlich großes Kino entstehen kann.

.FAZIT.

Backrooms macht aus einem viralen Internet-Phänomen einen verdammt atmosphärischen Horrorfilm. Kane Parsons schickt Chiwetel Ejiofor und Renate Reinsve durch endlose Räume, falsche Realitäten und einige richtig unangenehme Begegnungen. Unheimlich, rätselhaft und visuell beeindruckend – genau so muss Liminal-Space-Horror aussehen.



OriginaltitelBackrooms
Produktionsland/-jahrUSA 2026
Laufzeit126 min
GenreHorror, Science-Fiction
RegieKane Parsons
DrehbuchWill Soodik
KameraJeremy Cox
Kino18. Juni 2026
Home Entertainment25. September 2026
Verleih/VertriebLEONINE Studios

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